• Ushaiqer

    2. januar, Saudi-Arabien ⋅ ☀️ 18 °C

    Durch herrlich rote Dünen fahren wir Richtung Ushaiqer. Heute begleiten uns die Kamele links und rechts der Straße. Immer wieder überqueren sie und wir müssen warten. Wir halten an und folgen ihnen in die Dünen. Natürlich sind sie an Menschen gewöhnt, aber dass sie so neugierig sind und einen beschnüffeln, habe ich nicht erwartet. Es ist nochmals ein wunderschöner Anblick, wie sie majestätisch, absolut lautlos, so würdevoll durch die Dünen schreiten.
    Irgendwann stellt Moritz fest, dass zwischen unserem Ort hier und jetzt und Mekka Deutschland liegt. Ganz Deutschland. So klein ist unser Land. Oder besser gesagt, so riesig ist Saudi-Arabien. Sechsmal so groß wie Deutschland.
    Das Dorf Ushaiqer ist eines der ältesten Lehmdörfer in der Najd-Region. Die ersten Bewohner ließen sich vor etwa 1500 Jahren hier nieder. Der Ort ist von einer Mauer mit einer Reihe Wachtürmen umgeben. Durch eines der massiven Holztore gelangt man in den eigentlichen Ort und kann wahllos durch die Straßen schlendern und sich in dem Labyrinth der historischen Siedlung zu verlieren.
    Typisch für Ushaiqer sind die braunen Lehmfassaden mit einer leicht rötlichen Färbung. Fenster und Türen sind nach obenhin dreieckig, genau wie die Zinnen auf allen Dächern. Alle Konturen und dekorativen Elemente wie Säulen sind mit einem weißen Material überzogen, wodurch die Häuser wie Lebkuchen wirken.
    In der Geschichte war Ushaiqer vor allem für Gläubige auf ihrer Pilgerreise nach Mekka von großer Bedeutung. Daher gibt es es in diesem kleinen Ort eine überraschend große Anzahl an Moscheen. Über 20 sollen es sein. Aus meiner Sicht ist die schönste von ihnen die Fulaigiyeh Moschee im Herzen des Dorfes.
    Einige der nicht mehr bewohnten Häuser wurden von ihren Besitzern restauriert und können mittlerweile als Museum besucht werden.
    Ich bin so erleichtert, als ich sehe, dass es kein geschlossenes Dorf, also ein Freilichmuseum ist, sondern dass wir hinein können. Ushaiqer ist ein Traumort. Hier erleben wir nochmals den Oman. Wir laufen völlig frei durch herrliche Gassen mit wunderschön restaurierten Lehmhäusern. Aber dann gibt es eben auch noch sehr viele unrestaurierte Gebäude. Wir klettern hinein, entdecken teilweise noch Schränke, wunderschöne alte Türen. Die Treppen sind teilweise so abgelaufen, dass sie einer Rampe gleichen. Die eingestürzten Wände sind tolle Kulissen. Durch Löcher blicken wir auf andere Gebäude. Einmal gibt der Boden deutlich nach, als wir beide darauf stehen. Schnell weg hier. Einen Stock tiefer landen, mit der gesamten Decke müssen wir jetzt nicht. Es ist unglaublich spannend, diese lost places zu erobern. Das hat uns im Oman begeistert und heute tut es dies wieder. In diesem kleinen Ort herrscht eine unglaublich schöne Atmosphäre. Es ist ganz still. Die Vögel zwitschern immer wieder. Die Sonne scheint und es ist richtig warm. Die weißen Spitzen der Ummauerungen leuchten in den blauen Himmel. Und in den Häusern und Gängen ist es angenehm kühl. Das ist eben das tolle am Naturmaterial, dass es perfekt zum Klima passt. Vielleicht ist Ushaiqer gerade so besonders schön, weil Freitag ist. Niemand arbeitet und wir können ungehindert durch die Häuser stöbern. Andere Touristen sind nicht hier. Einziger Wehmutstropfen: die beiden kleinen Museen sind geschlossen. Man kann nicht alles haben. Ich stelle mir den Ort am Abend magisch vor, wenn die vielen Laternen angezündet sind und die kleinen Gassen in ein warmes Licht hüllen. Ushaiqer ist definitiv einer meiner Lieblingsorte in Saudi-Arabien. Ein kleines Juwel.
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