• Shaqra

    January 2 in Saudi Arabia ⋅ ☀️ 24 °C

    Nachdem uns am Morgen in Al Mithnab von Shaqra vorgeschwärmt wurde und dass es viel schöner als Ushaiqer sei, sind wir nun sehr gespannt, was uns erwartet. Denn schöner als Ushaiqer geht es eigentlich nicht. Shaqra hätte ebenfalls einen kleinen Suq wie wir ihn heute Morgen schon gesehen haben. Doch dieser ist wirklich geschlossen und abgesperrt. Wir entdecken ein paar hübsche Lehmhäuser. Aber alles ist weitläufig und hat keine Atmosphäre. Auch das Viertel mit den teilweise noch zerfallenen Häusern überzeugt uns nicht. Alles nett, aber wenn die Zeit nicht reicht, kann man Shaqra getrost weglassen.
    Wir laufen durch eine letzte Gasse und werden dann von einem Mann in sein Haus eingeladen. Er restauriert dieses gerade und baut es in ein Hotel um. Das, was wir jetzt schon sehen können, begeistert. Das wird ein sehr schönes Hotel werden. Wenige Zimmer, Naturfußboden, Nieschen und Elemente der Najd Architektur an den Wänden. Wunderschöne kleine Innenhöfe, in denen Oliven wachsen. Ein zauberhafter Ort. Somit gibt es doch eine Besuchsempfehlung für Shaqra.
    Wir gucken um eine letzte Ecke und da Freitag ist, hat sich dort eine ganze Großfamilie vor dem Haus versammelt. Man begrüßt uns, einer der Männer spricht englisch und lädt uns zum Mittagessen ein. Er muss aber erst noch seine Mutter fragen. Die Söhne kommen jeden Freitag ins Haus der Eltern zum Mittagessen. Ob die Töchter auch alle kommen? Gesehen haben wir keine und erwähnt hat sie diesbezüglich auch niemand. Und so sitzen wir kurze Zeit später beim Freitags-Mittagessen einer arabischer Familie. Authentischer geht es nicht. Ich bin unsicher, wo ich hinsoll. Doch ich soll einfach mittenrein unter alle Männer. Der Wohn und Essensraum ist mit Teppich ausgelegt, auf dem alle sitzen. Entlang der Wand steht eine riesige Sitzumrandung. In zwei Gruppen sitzen die Männer um zwei riesige Platten mit Reis und Huhn. An einer dieser Platten sitzen wir nun auch, man isst mit der Hand. Wir bekommen aber sofort einen Löffel in die Hand gedrückt. Gott sei Dank. Ich mische dann das Hand und Löffel essen. Das klappt gut. Um diese riesige Platte stehen kleine Schalen und Teller mit Salat und Gemüse, die je nach Geschmack unter den Reis gemischt werden. Es schmeckt sehr lecker. Wir werden natürlich ausgefragt und fragen zurück. Einer der Männer hat in Belgien gelebt und deshalb klappt die Kommunikation. So kann ich dann bei 22 Geschwistern auch fragen, wie viele Frauen denn der Vater hat. Es sind vier. Aber mittlerweile hat man nur noch eine Frau, alles andere ist unüblich geworden. Man macht natürlich Fotos von uns. Als man aber fragt, ob man welche machen darf und ich bejahe, unterbindet das der Vater. Sofort verschwinden die Handys. Das ist Autorität. Schließlich sitzen hier nur erwachsene Männer mit eigenen Familien. Am Nachmittag werde ich zu einer der Schwestern eingeladen und Moritz soll zu den Kindern. Doch leider können wir diese Einladung nicht annehmen, da wir noch nach Riyadh fahren müssen. Schade, das wäre bestimmt ein sehr interessantes Erlebnis geworden. Nach dem Essen waschen wir Hände (zum Glück) und ich werde der Mutter vorgestellt. Sie ist neugierig, wer ihr Mittagessen verspeist. Eine nette Frau, die hier zu Hause gekleidet ist wie wir. Mittlerweile sehe ich die Abaya ganz anders. Sie gleicht eigentlich dem Mantel bei uns. Wir verlassen das Haus, außer im heißen Sommer, ja auch mit Jacke oder Mantel. Nichts anderes ist die Abaya. Und es gibt wunderschöne. Die Gesichtsverschleierung ist natürlich ein anderes Thema. Als wir wieder in das Esszimmer kommen, ist die Essensplatte verschwunden und der Tee gerichtet. Blitzschnell ist das passiert. Wir sitzen nun auf der Sitzumrandung und trinken Tee.
    Nun stellt sich die Frage, wie wir uns verabschieden. Doch das wird uns leicht gemacht, denn unser Übersetzer muss los und so schließen wir uns ihm an. Wir werden herzlich verabschiedet und sind eingeladen, jederzeit wieder zukommen. Wir gehören jetzt zur Familie. Das ist saudische Gastfreundschaft, die so ganz anders gelebt wird, als bei uns. Unglaublich. Auf unserer weiteren Fahrt denke ich noch viel über dieses Mittagessen und die Herzlichkeit nach.
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