• Catalina Wasserflugzeug - hart erlaufen

    28. december 2025, Saudi-Arabien ⋅ ☀️ 20 °C

    Heute Morgen scheint tatsächlich die Sonne, der Himmel ist blau und warm ist es noch dazu. Wie wunderschön. Bevor wir starten, decken wir uns noch mit Donuts ein und dann geht es los in die Wüste.

    Zuerst fahren wir durch die größte je gesehene Baustelle namens NEOM. Tausende Lastwagen und Baugeräte tummeln sich links und rechts der Straße. Eine Megabaustelle. Parallel dazu in der Wüste liegen die vorgefertigten Teile für den Straßenbau. Hunderte Meter mit Material. In diesem abgelegenen Teil Saudi-Arabiens sind alle Straßen und Kreisel mindestens dreispurig. Riesige Windparks werden im Wüstensand aufgebaut. das alles für Bauprojekte, die mittlerweile eingestampft sind? Doch was bedeutet NEOM überhaupt? Unter dem Namen NEOM entwickelt Saudi Arabien einen ganzen Landesteil mit einer Größe von 26’500 Quadratkilometer und 468 Kilometer Küstenlänge. Neben neuen Nationalparks umfasst das Projekt vier große Bauprojekte namens Sindalah, Trojena, Oxagon und The Line.
    Und dann ist da noch "The Line". The Line ist das größte Teilprojekt von NEOM. The Line wird ein gigantisches "Gebäude" von 170 Kilometer Länge, welches von der Wüste bis zur Küste reicht. Es soll 200m breit und 500m hoch werden und Wohnraum für 9 Millionen Menschen bieten. Das Gebäude wird vollflächig verspiegelt und soll komplett CO2-neutral sein. Wir überqueren zwei Mal The LINE und fahren dann auf die Halbinsel Sindalah, wo ebenfalls infolge von NEOM überall gebaut wird. Manchmal kann ich gar nicht erkennen, welches die alte und welches die neue Straße sein soll, weil beide in gleich gutem Zustand sind. Die gesamte Landschaft ist von Baufahrzeugen zerwühlt. Hin und her geht es über die alte und die neue Straße. Es nimmt kein Ende. Schließlich erreichen wir die Halbinsel. Von nun an bin ich das einzige Auto. Ich habe drei Fahrspuren zur Verfügung und jeder dreispurige Kreisel hat riesige Ausmaße. Wer braucht diese Straßen? Wer diese tausende von Windrädern, die Strom erzeugen? Werden die NEOM Projekte überhaupt noch realisiert? Wir sehen THE LINE, aber gebaut wird nicht.

    Durch menschenleeres Gebiet fahren wir an den westlichsten Punkt Saudi-Arabiens. Wir blicken hinüber nach Ägypten nach Sharm El- Scheich und auf die Sinai Halbinsel. Das Wasser ist türkisblau. Wunderschön. An dieser Küste liegt das Wrack eines Catalina Wasserflugzeugs. das ist unser Ziel. Doch wegen der ganzen Straßenbaustellen, können wir es nicht erreichen. Wir wissen, wo es liegt. Am Strand. Doch zwischen uns und ihm liegt die Wüste. Nachdem wir nun schon zwei unserer Ziele nicht erreichen konnten, sollte das Flugzeug nicht das Dritte werden. Also packen wir Wasser in den Rucksack, parken das Auto am Rand der Wüste und laufen los. Ich kann mit meinem Wagen nicht querfeldein fahren. Die sandige Kieselwüste ist immer wieder zu weich und die kleinen Dünen, wären auch viel zu hoch für den tiefliegenden Toyota. Mit einem 4x4 wäre das kein Problem. Aber wir haben ja nicht nur unseren fahrbaren Untersatz, sondern auch noch Füße, die einen zum Ziel bringen können.

    Das Catalina Wasserflugzeug wurde ursprünglich in den 1930er Jahren für einen Einsatz im zweiten Weltkrieg von den USA gebaut. In den 1950er Jahren wurde das Flugzeug von einem Geschäftsmann gekauft und er hat damit das gemacht, was heute jeder Influencer mit einem Transporter anstellt: er hat sich einen Camper gebaut, nur eben einen mit Flügeln. Mit diesem fliegenden Hotel brach er zu einer Weltreise auf. Diese führte ihn 1960 auch an die Nordwestküste Saudi-Arabiens. Allerdings gab es zu dieser Zeit Spannungen zwischen Israel und Ägypten auf der Halbinsel Sinai. Vermutlich hielten die Saudischen Sicherheitskräfte die Passagiere des Flugzeugs für feindliche Spione und eröffneten das Feuer. Die vielen Einschusslöcher kann man heute noch sehr gut erkennen. Beim Versuch abzuheben zerbrach das Flugzeug in zwei Teile. Wie durch ein Wunder wurde bei dem Kugelhagel niemand verletzt.

    Heute liegt nur das Flugzeug noch direkt am Strand. Ein grandioser Ort. Wir umrunden es und klettern dann vorsichtig hinein. Der Rost hat viele scharfe Kanten entstehen lassen. Am besten kommt man dem Wrack nur mit frischer Tetanusimpfung näher. Wir brauchen keine und verlassen sehr zufrieden diesen surrealen Ort.
    Vor uns liegt wieder die Wüste, die wir nun ein zweites Mal durchqueren müssen. In der Ferne funkelt uns ein kleiner Punkt entgegen. Unser Auto in der Sonne.
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