• Prophetenmoschee - Masjid An-Nabawi

    22. december 2025, Saudi-Arabien ⋅ ☀️ 16 °C

    Der heilige Bereich Medinas heißt Al-Haram. Hier steht im Herzen der Stadt die Prophetenmoschee. Sicherlich eines der bekanntesten und eindrucksvollsten Bauwerke des Islam, gleich nach der Al-Haram Moschee rings um die Kaaba in Mekka.
    Um den Bau der Moschee ranken sich einige Mythen. Die gängigste Geschichte, die uns auch in Medina vor Ort erzählt wurde, lautet wie folgt: Mohammed soll seinen Vetter Ali auf ein Kamel gesetzt und dieses losgeschickt haben. An der Stelle, an der sich das Kamel niederkniete, wolle er den Grundstein für seine neue Moschee legen. Und das ist eben genau hier, wo die Prophetenmoschee bzw. Masjid an-Nabawi steht.
    Medina ist bis heute eines der wichtigsten religiösen Zentren des Islam und gilt als zweitheiligste Stadt gleich nach Mekka. Daher wurde auch die Prophetenmoschee stetig erweitert und ihre Kapazitäten ausgebaut. Aktuell bietet sie bis zu 1 Million Gläubigen Platz, was sie nach der Al-Haram Moschee in Mekka zur zweitgrößten Moschee der Welt macht.
    Um den Pilgern im Außenbereich der Moschee Schutz vor der erbarmungslosen Sonne zu bieten, wurden überdimensionale Sonnenschirme aufgebaut. Jeder dieser Schirme wiegt 45 Tonnen, ist 15 m hoch und kann aufgespannt 625 m² Schatten spenden – genug für jeweils 800 Pilger! Dank eingebauter Lüfter lässt es sich hier bei bis zu 50° aushalten. Insgesamt gibt es 250 dieser Sonnenschirme, sodass eine Schattenfläche von 160.000 m² entsteht. Die Schirme werden zur Mittagshitze aufgespannt und Abends wieder eingefahren. Das ganze passiert dank einer Computersteuerung binnen unglaublicher 15 Minuten. Das Projekt wurde durch die Firma Liebherr realisiert.
    Man darf die Moschee als Ungläubiger nicht betreten. Dennoch ist der Besuch des Bereiches ringsherum eines der absoluten Highlights meiner Reise durch Saudi-Arabien. Zum einen ist da dieses schwer greifbare, aber fantastische Gefühl, etwas mit eigenen Augen sehen zu können, was lange Zeit für Touristen ein absolutes Tabu war.
    Zum anderen bin ich von der Schönheit der Moschee absolut beeindruckt. Sie wirkt sehr edel und elegant, was eben nicht zuletzt auch an den Sonnenschirmen liegt. Denn eingefahren ähneln sie der schmalen Bauweise der Minarette der Moschee.

    Nachdem wir uns durch das Verkehrschaos der Stadt gekämpft haben und das Auto in der Tiefgarage verschwunden ist, laufen wir voller Erwartungen zur Moschee. Und dann liegt sie vor uns. Wunderschön. Die Sonne gibt sich nochmals Mühe und lässt sie im späten Nachmittagslicht erstrahlen. Die schattenspendenden Sonnenschirme der Firma Liebherr aus Stuttgart sind geöffnet. Begeistert laufen wir darauf zu, die Schirme, darüber und dazwischen die schlanken Minarette. Sind die Schirme geschlossen, gleichen sie den Minaretten in Form und Farbe. Überall laufen, sitzen und beten die Menschen. Dennoch ist die Atmosphäre ruhig. Wir werden gefragt, ob wir Fotos machen und können werden auch selbst fotografiert. Schließlich verschwindet die Sonne und die Schirme beginnen sich zu schließen. Wie Blumen falten sie ihre Blütenblätter ein, ähneln dann einem runden Lampenschirm und schließen sich letztendlich, um wie kleine Minarette in die Luft zu ragen. Es sieht wunderschön aus. Doch dann werden wir freundlich gefragt, ob wir denn Muslime seien. Nein, sind wir nicht. Hier dürfen wir nicht sein. Wir befinden uns außerhalb der grünen Absperrzäune, aber offensichtlich doch schon im inneren Moscheebereich. Es gibt keine Hinweisschilder und kein Personal, das schaut, wer wo reinläuft. Ich hatte auf YouTube Videos gesehen, in denen immer an den grünen Absperrgittern Schluss war. Dort waren wir aber nicht. Der freundliche Mann erklärt uns, wie wir am besten rauskommen und welches Museum wir uns gerne ansehen können. Somit verlassen wir diesen so besonderen Ort und schauen von jetzt an durch den richtigen Zaun, von dem man aus alles genauso gut sehen kann.

    Zum zweiten Mal essen wir zu Abend und bis jetzt funktioniert das wie zu Hause auch. Reingehen, Platz nehmen, bestellen und essen. Keine getrennten Abteile für Frau und Mann. Hier werde ich sogar angesprochen, dass mein Tuch besonders schön sei. Schön finde ich es auch. Es kommt aber darauf an, wie man es trägt und bindet. Heute komme ich mir eher vor wie eine alte Hexe. Was machen Kleider doch aus Menschen.

    Als es schon dunkel ist, ruft der Imam. Innerhalb kürzester Zeit füllt sich das riesige Areal der Moschee und alle umliegenden Plätze. Die Geschäfte werden dazu schlicht kurz geschlossen. Alle Menschen knien in perfekter Anordnung auf ausgelegten Gebetsteppichen und die gesamte Stadt schweigt und lauscht. Es ist ein fast magischer Moment. Diese Stille und der Imam. Alle stehen synchron auf und knien wieder nieder, als würden sie am Faden eines Marionettenspielers hängen. Ein perfekter Ablauf. Doch wie viele Menschen sind das? Wir tippen auf mehrere 100.000, die alle schweigend lauschen. Hunderttausende verstummen, wenn einer die Stimme erhebt. Und jetzt erkennen wir auch ganz eindeutig: wir beide sind die einzigen Menschen hier, die keine Muslime sind.
    Die Menschen kommen aus allen Nationen und werden in speziellen Pilgerreisegruppen hierher gebracht. Viele Gruppen tragen Westen oder T-Shirts, mit dem Namen ihres Landes drauf. Ein riesiges Business.

    Auf der anderen Seite der Moschee stehen mit der Al-Ghamama und der Abu Bakr Moschee zwei der ältesten Moscheen Medinas, die noch zu großen Teilen in ihrer ursprünglichen Form erhalten geblieben sind.

    Anschließend versuche ich noch mal mein Glück, die Moschee zu Fuß zu umrunden. Diesmal in Richtung Osten. Hier grenzt nämlich der erste islamische Friedhof Baqiʿ al-Gharqad an die Prophetenmoschee. Und entlang des Friedhofs gibt es eine Mauer, von der aus man einen guten Überblick auf die Moschee und ihre Dimensionen erhalten kann.

    Auf dem Friedhof liegen zahlreiche wichtige Persönlichkeiten des Islam begraben, einige davon Verwandte und Gefährten des Propheten selbst. Ursprünglich befanden sich hier dementsprechend auch pompöse Grabmäler, Schreine und Mausoleen.
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