• Rund um die Prophetenmoschee

    December 22, 2025 in Saudi Arabia ⋅ ☀️ 23 °C

    Das heilige Viertel Al Hará ist eine Stadt in der Stadt. Eine Ringstraße umgibt diesen Bereich und grenzt ihn von der restlichen Stadt ab. Die Straßen haben hier marmorne Böden mit wunderschönen Mustern. Man Rutsch auf ihnen schon in trockenem Zustand leicht aus. Ich mag mir die Rutschpartie bei Regen überhaupt nicht vorstellen. Zum Glück gibt es diesen hier äußerst selten. Alles ist wunderschön bepflanzt. Hotel reiht sich an Hotel. Schöne Architektur, Dezente beige Farben ragen in den blauen Himmel. Die Prachtstraße wird mit jedem Häuserblock ein wenig schmaler. Somit besitzt jedes Hotel eine Zimmerreihe mit Blick auf die Moschee. Eine clevere Idee. Keiner kommt zu kurz. Jede Straße will die andere an Pracht übertreffen. Von Straßen kann man eigentlich nicht mehr sprechen - breite Boulevards. Das Areal der Moschee ist mit 615.000km2 ohne Außenanlagen nicht gerade klein. Hier macht man Meter, wenn man am Tag einige Male unterwegs ist. Der Umfang dieses Areals ist natürlich ebenfalls enorm. Enorm die Möglichkeiten dort Geschäfte unterzubringen. Somit reihen sich die goldensten Goldgeschäfte aneinander. Gebetsteppiche und Korane sind weitere Kassenschlager. Aber auch Datteln und Weihrauch finden guten Absatz. Damit ist es an Auswahl aber leider auch schon vorbei. Bei Hunderttausenden von Pilgern macht offenbar jedes Geschäft seinen Umsatz. Der normale Tourist, der ohnehin nicht erwartet wird, wird hier in keinen Shoppingrausch verfallen. Ein Viertel ohne Alltagsleben. Sauber, prachtvoll, eine Pilgerstadt ohne Bevölkerung. Und es wird kräftig weiter gebaut, denn an vielen Hotels prangt die Aufschrift „We don‘t have accomodation.“ Früher war die Moschee von einer herrlichen Altstadt umgeben, die schon lange den Hotels weichen musste. Nur der alte Friedhof wurde niemals abgerissen. Dieser ist auch der Grund, dass das gigantische Moscheenareal nicht perfekt rechteckig ist, sondern durch das Friedhofsareal einen krummen Abschluss findet.

    Auf der anderen Seite der Moschee stehen mit der Al-Ghamama und der Abu Bakr Moschee zwei der ältesten Moscheen Medinas, die noch zu großen Teilen in ihrer ursprünglichen Form erhalten geblieben sind. Leider wurde zu schnell abgerissen. Auch historische und religiöse Orte vielen den Abbruch agieren zum Opfer. Die beiden Moscheen gehören dennoch zu denen, die in Teilen überlebt haben. Auch diese werden bepilgert. Gibt es dieses Wort überhaupt? Irgendwie scheint es so in diesen Satz zu passen.

    Anschließend versuchen wir unser Glück, die Moschee zu Fuß zu umrunden. Diesmal in Richtung Osten. Hier grenzt nämlich der erste islamische Friedhof Baqiʿ al-Gharqad an die Prophetenmoschee. Und entlang des Friedhofs gibt es eine Mauer, von der aus man einen guten Überblick auf die Moschee und ihre Dimensionen erhalten kann.
    Auf dem Friedhof liegen zahlreiche wichtige Persönlichkeiten des Islam begraben, einige davon Verwandte und Gefährten des Propheten selbst. Ursprünglich befanden sich hier dementsprechend auch pompöse Grabmäler, Schreine und Mausoleen. Sehr weit kommen wir nicht. Der Friedhof öffnet nach dem Nachmittags Salah. Sämtliche Pilger und das sind tausende, strömen zum Eingang. Ich sehe keine Chance, dass wir uns dort eingliedern können. Doch plötzlich stecken wir in der Schlange. Für einen kurzen Moment denke ich noch, dass wir hier in einen „Männerblock“ geraten sind. Stimmt auch. Nur - Frauen sind hier verboten. Da gibt es gerade genau eine, nämlich mich. Jackpot. Eine Gruppe um uns herum kommt aus Deutschland. Man erklärt mir, dass ich nicht hinein darf. Nun gut, weshalb hat man mir das nicht schon am Morgen gesagt, als wir uns an der Info erkundigt haben. Ich frage nochmals nach, ich nicht, Moritz darf rein. Ja klar. Wir vereinbaren schnell einen Treffpunkt und dann werde ich auch schon von einem Wachmann angegangen, was ich hier zu suchen habe. Ich bin ja schon weg. Fast. Es ist nicht so einfach aus dem Massengwühle überhaupt wieder heraus zu kommen. Es gibt hier keinerlei Beschilderung. Man weiß nie wohin man darf und wohin nicht. Aber mit uns rechnet man eben nicht als Besucher. Und so warte ich denn. Doch Moritz kommt nicht wieder. Ich wandere umher, mache noch einige Fotos, immer schön von außen hinter dem Zaun. Auch heute gibt es außer uns beiden keine nicht-muslimischen Besucher. Plötzlich werde ich von einem Wachmann angegangen. Was ich hier mache? Ob ich Muslimin sei? Nein bin ich nicht. Ich bin auch nicht in der Moschee. Bilder löschen. Warum? Ich darf hier sein. Da kommt zum Glück ein junger Mann und will etwas wissen. Er zeigt dem Wachmann sein Handy und der widmet sich ihm zuerst. Meine Chance - ich verschwinde. Er ruft mir zwar noch etwas hinterher, aber ich verstehe ihn nicht und fühle mich nicht angesprochen. Außer auf Pilgertouristen ist man hier auf niemanden eingestellt und weiß auch nicht, wie man mit uns umgehen muss. Kurz darauf entdecke ich Moritz. Er hat den Treffpunkt vergessen und war am falschen Ort. Er erzählt, dass seine Begleiter davon ausgegangen sind, dass er Muslim sei und ihn deshalb mit in den Friedhof genommen haben. Auch er hätte also nicht dort sein dürfen. Er erhielt dort Instruktionen, wie er sich zu verhalten hat, um nicht aufzufallen. Auch auf dem Friedhof wird gebetet und erlebt nun eine echte Gebetsstunde auf heiligem Boden. Seine neuen Begleiter nehmen ihn danach quer durch die Moschee mit nach draußen. Er soll den Mund halten und bekommt alles wichtige erklärt. Grandios. So war er tatsächlich zweimal in der Masjid An-Nabawi, der Prophetenmoschee. Einmal mit sachkundiger Führung auf deutsch.
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