Zugstrecke der Weltrekorde
April 2 in China ⋅ ⛅ 5 °C
Die Zugstrecke, die Tibets Hauptstadt Lhasa mit der chinesischen Provinz Qinghai verbindet, ist die höchstgelegene Zugstrecke der Welt. Eine Zugstrecke der Superlative. Die Qinghai-Tibet-Bahn oder Lhasa-Bahn erreicht dabei Höhen von über 5000m. Der Tanggula-Pass liegt auf 5072m. Dies ist der Scheitelpunkt, auf dem die Grenze zum Autonomen Gebiet Tibet verläuft. Außerdem handelt es sich um den höchstgelegenen Eisenbahnpass der Welt. Auf unserer Fahrt halten wir auch in Tanggula, dem höchstgelegenen Bahnhof der Welt auf 5068m und fahren durch den Fenghuo-Tunnel, der auf 4905m Höhe liegt und als höchstgelegener Tunnel der Welt gilt. So viele "höchstgelegene der Welt". Es ist noch nicht genug. Es folgen weitere Weltrekorde. Der Guanjiao Tunnel ist mit 32,6km der längste Tunnel des chinesischen Schienennetzes und mit 160km/h zulässiger Höchstgeschwindigkeit der am schnellsten befahrbare Abschnitt der Bahnstrecke. Auf etwa 1000km Länge im tibetischen Hochland verläuft die Bahnstrecke auf Höhen von mehr als 4000m. Auf diesem Abschnitt werden die Züge mit Diesellokomotiven befördert. Es wurden 675 Brücken gebaut, die eine Gesamtlänge von 160km haben. Dabei überfahren wir auch die Qingshuihe Brücke, die längste Eisenbahnbrücke der Welt mit 11,7km, sowie die Sanchahe Brücke auf 3800m, die als höchstgelegene Eisenbahnbrücke der Welt gilt.
Die Qingai-Tibet-Bahn gilt als das größte Eisenbahnprojekt des 21. Jahrhunderts wurde 2005 fertiggestellt. 2014 wurde die Verlängerung nach Shigatse, der zweitgrößten Stadt Tibets, in Betrieb genommen. Die Gesamtstrecke von Peking nach Lhasa ist 3700km lang und gilt als die 7. längste Eisenbahnverbindung weltweit.
Es ist eine herausragende Ingenieursleistung, die extremen Höhen und die dünne Luft zu bewältigen. Ein technisches Wunderwerk. Etwa 550km der Strecke wurden auf Permafrostboden gebaut. Es wurden verschiedene Techniken verwendet, um ein Auftauen der Böden im Sommer zu verhindern und die Zugstrecke stabil zu halten.
Nicht nur die geologischen Gegebenheiten sind extrem herausfordernd und besonders. Um die etwa 21 stündige Zugfahrt von Xining nach Lhasa komfortabel mit dem Zug reisen zu können, benötigt dieser ein besonderes Sauerstoffversorgungssystem, um die Aufstiege in extreme Höhen für die Passagiere sicher zu machen. Über Düsen wird Sauerstoff in die Kabinen geblasen, um der Höhenkrankheit vorzubeugen. Als wir einsteigen bekommen wir außerdem eine Sauerstoffmaske. Neben unserem Bett, an den Sitzen und an den Wänden der Gänge befinden sich überall Anschlüsse, falls man Sauerstoff benötigen sollte. Fühlt man sich dennoch schlecht, gibt es einen Arzt im Zug, der einem (hoffentlich) hilft.
Die Bahnstrecke verläuft nochmals fast 1000m höher, als die des Tren a las Nubes - des „Zug in den Wolken“ - die wir aus Argentinien kennen.
Die Qinghai-Tibet-Bahn ist ein Z-Zug. Seine höchste Geschwindigkeit liegt bei 160km/h, was an den extremen Herausforderungen der Strecke liegt. Der Zug muss weit mehr leisten als ein G-Zug in gewöhnlicher Umgebung. Es gibt drei verschiedene Kategorien von Zugtickets. Der Hard Seat ist am günstigsten und man verbringt die gesamte Strecke auf einem wirklich harten, unverstellbaren Sitz. Bucht man das Hard Sleeper Ticket, verbringt man die Nacht in Dreierstockbetten. Immer zwei stehen einander gegenüber. Es gibt keine Türen. Das Gepäck verstaut man in gemeinsamen Ablagefächern. Die Komfortvariante ist die sogenannte Soft Sleeper Kategorie. Hierbei handelt es sich um abschließbare Viererkabinen, inklusive einer westlichen Toilette. Doch egal ob Hard oder Soft Sleeper - Sauerstoffanschlüsse gibt es für alle.
Mittlerweile sind wir über 4700m. Die Höhe schlägt zu. Mir geht es gut. Die Sauerstoffsättigung stimmt immer noch. Moritz geht es kurzzeitig nicht so gut. Uns wird ein Pulver verkauft, das wir mehrmals am Tag nehmen sollen. Mir egal, was es ist. Hauptsache es unterstützt gegen die Höhenkrankheit. Es schmeckt ekelhaft. Aber - Medizin muss bitter schmecken. Das tut sie. Die Schneehöhe ist erreicht. Ein dünnes Schneefeld überzieht die Landschaft. Wie Puderzucker.
Wir fahren durch atemberaubende Landschaft mit weiten Hochebenen, majestätischen Bergketten und unberührten Flüssen. Das Licht wird weich, die Farben der grün, rot bräunlichen Landschaft ebenfalls. Eine erhabene Stimmung stellt sich ein. Als ob man auf einem anderen Planeten wäre. Erhaben. Vielleicht liegt es auch am fehlenden Sauerstoff. Die Ebenen sind weit und Bäume gibt es schon lange keine mehr. Yaks, Esel, Pferde und Gazellen grasen in den Weiten. Die Landschaft erinnert an das Hochland Argentiniens aber auch an die Mongolei. Die weiß leuchtenden Flächen sind hier zugefrorene Seen und keine Salzseen. Gefrorene Flüsse ziehen sich wie starre Arme durch das Grün. Immer wieder blicken wir in der Ferne auf schneebedeckte Gipfel. Die Luft ist extrem trocken und die Schleimhäute schreien nach Feuchtigkeit. Ein leichter Druck im Kopf erinnert uns, dass wir sehr hoch sind. Eine unserer beiden Mitreisenden ist bereits höhenkrank, obwohl sie seit einer Woche Medikamente dagegen nimmt. Sie scheinen dann doch kein Wundermittel zu sein. Der Arzt war bereits hier und sie bekommt nun Sauerstoff. Ich spüre, wie das Herz rast und ich immer wieder leichte Kopfschmerzen habe. Aber meine Sauerstoffsättigung liegt noch bei 76%.
Leider wird das Wetter immer schlechter und von dem berühmten blauen Himmel und den 300 Tagen Sonne im Jahr sehen wir gerade reichlich wenig. Wetter online scheint mit seinen Prognosen für China leider richtig zu liegen. Unsere Zugbegleiterin erzählt immer wieder mit schriller Stimme wo wir uns befinden oder bald befinden werden. Leider kann uns niemand übersetzen. Ein riesiges Land, in dem keiner Englisch spricht. Langsam steigen wir höher 4500m - 4800m…. Das Schneefeld taucht auf. Jedes Schuhe anziehen wird zum Hochleistungssport. Ich beginne zu husten. Andere aber auch. Kopfweh habe ich fast keines. Das Herz rast bei jeder Bewegung. Die Sauerstoffsättigung liegt bei 83%. Topp Werte.Read more






















SYLWIA B.Hach wie schön. Ich verschlinge Deinen Text. Ich will diese Zugfahrt auch machen. Und ja: Dünne Luft macht glücklich. Ist doch was. Oder? Mir hat in Tibet der Yaktee ganz gut geholfen. Aber ich brauchte auch ein paar Bonbons aus der Apotheke. Drücke Dir die Daumen
TravelerDanke!
TravelerSo unglaublich spannend zu lesen. Weiterhin eine fantastische Reise, bleibt gesund!
TravelerVielen Dank!