• Tibet - weitere Höhenrekorde

    April 2 in China ⋅ ⛅ -6 °C

    Tibet - das Dach der Welt - mit seiner Hauptstadt Lhasa (3650m). Die Höhe des tibetischen Plateaus beträgt durchschnittlich über 4300m. Es ist das höchstgelegene und größte Plateau der Welt und nimmt 13% der Fläche Chinas ein. Da Tibet zu China gehört, gilt es nicht als das höchstgelegene Land der Welt. Diesen Platz sichert sich Tadschikistan mit durchschnittlich 3186m Höhe.
    Tibets tiefster bewohnter Punkt liegt auf 1760m Höhe. Der Höchste ist die Spitze des Mount Everest mit 8848m. Immer noch ein grandioser Höhenunterschied von 7088m. In keinem anderen Land liegt der tiefste bewohnte Punkt so hoch wie in Tibet. Tibet kann aber noch mit einem weiteren Höhenhighlight aufwarten. Neben dem höchsten Berg der Welt, der höchsten durchschnittlichen Gesamthöhe des Landes und dem am höchsten gelegenen bewohnten Tiefland gehört die Yarlung Tsangpo Schlucht als längste (504km lang) und tiefste Schlucht der Welt mit 6009m Tiefe ebenfalls zu Tibet. Berechnet man den Höhenunterschied von dort, liegen der höchste und tiefste Punkt fast 15.000m auseinander. 15.000m senkrecht nach oben. Was für Dimensionen.
    Wie oft habe ich in den letzten beiden Footprints das Wort „höchst“ verwendet? Jedem Deutschlehrer würden beim Korrigieren eines solchen Aufsatzes bei diesen Wortwiederholungen die Haare zu Berge stehen. Vielleicht gibt es auf tibetisch mehrere Worte, mit denen man etwas „Höchstgelegenes“ ausdrücken kann. Wir haben mit unserem Wortschatz überhaupt nicht die Möglichkeit, diese Höhenunterschiede differenziert zu beschreiben.

    Und so erreichen wir den Tangula Pass mit 5067m. Die Berge wirken wie sanfte Erhebungen. Dabei sind sie zwischen und 6000 und 7000m hoch. Diese Landschaften sind nicht zu beschreiben. Es gibt einfach keine Worte. Atemberaubend - oh ja in jeglicher Hinsicht. Jedes Foto ist hart erarbeitet. Spektakulär. Kann man diese Wörte noch steigern. Selbst der Superlativ hilft hier nicht weiter. Ich weiß nicht, ob es ein spektakulärerer Ort auf unserer Welt gibt. Etwas solch einzigartiges habe ich noch nie gesehen und mir auch nicht vorstellen können, dass es gibt. Diese erhabene Landschaft die Weite. Die Luft bleibt einem weg. Diese Ruhe, die sie ausstrahlt. Diese Größe. Majestätisch. Aber auch absolut lebensfeindlich. Wobei das nicht stimmt. Gazellen und Yaks sehen wir viele. Man kann diese Landschaft eigentlich nicht mit Worten beschreiben, Die Fotos können auch nur ansatzweise zeigen, wie wunderschön es hier ist.
    Beim Überflug des Himalaya in Nepal dachte ich damals, dass dies ein absolutes Highlight ist. Was es ja auch ist. Dass mehr kaum möglich ist. Aber die Überquerung des Tibetplateaus ist nochmal etwas ganz anderes. Wir sind auf Augenhöhe mit den Bergen, mit der Landschaft. Wir atmen schwer und kämpfen gegen die Höhenkrankheit. Das erlebt man bei einem Rundflug nicht. Wir müssen schon ein bisschen leiden, um dieses Naturwunder erleben zu dürfen.
    Mittlerweile sehen wir den Arzt ständig durch den Zuggang laufen. Moritz ist eingeschlafen. Das ist bestimmt nicht schlecht. Von jetzt an geht es nur noch abwärts. Allerdings sind wir ja nie ausgestiegen und der Zug ist mit zusätzlichem Sauerstoff versorgt. Wir haben den großen Schock auf über 5000m ja gar nicht erlebt. Trotzdem kämpfen wir alle und einigen geht es schlecht. Immer wieder kommt jemand vorbei, schaut in die Kabine und fragt, ob es uns gut geht. Man weiß hier genau um die Gefahr der Höhe.

    Und plötzlich pfeifen uns der Schnee um die Ohren. Die rötliche Erde erhält einen Zuckergussanstrich. Auf 4800m steigen wir für einen kurzen Moment aus. Die Luft ist dünn und eiskalt. Die Lunge zieht sich sofort zusammen. Als ich in den Zug steige wird mir schwindelig. So stark wurde dem Körper in diesen 2/3 Minuten der Sauerstoff genommen. Unglaublich. Doch nach einer Runde Mittagsschlaf fühle ich mich erstaunlich gut. Ich bin zufrieden. Je tiefer wir kommen desto mehr Dörfer und vor allen Dingen viele riesige Yakherden sehen wir. Yakherden und mäandernde Flussläufe erinnern mich sofort an die Mongolei. Wie habe ich genau diese Landschaften und lustigen Yaks geliebt. Jetzt bin ich wieder genauso fasziniert und begeistert von ihnen.

    Tibet - das Land der Klöster, des Ballungszentrums der lamaistischen Gläubigen, der Spiritualität. Tibetische Klöster zu besuchen, ist der beste Weg, um in die tibetische Kultur einzutauchen und Wissen über Tibetischen Buddhismus zu erlangen. Der Lamaismus hat eine lange Geschichte und ist mehr als 1300 Jahre alt. Klöster waren früher Zentren des Lernens und sind auch heute noch Zufluchtsorte, an denen Millionen Tibeter ihre Wünsche äußern und Glück von Buddha empfangen. Die Klöster sind die Luft und die spirituelle Heimat der tibetischen Buddhisten. Die typische, religiöse Architektur sowie Skulpturen, Wandmalereien, Gold- und Jadeschnitzereien gelten als Erzeugnis der religiösen Kunst, Weisheit und des Geistes und sind große Güter des Lamaismus für die Menschen. Tibet beherbergt mehr als 6.000 Klöster und Tempel, von denen die meisten auf Berggipfeln stehen.
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