• Auto fahren in Saudi-Arabien

    6. januar, Saudi-Arabien ⋅ ☀️ 5 °C

    Eigentlich fährt es sich total entspannt. Die Straßen sind riesig. Jedes Dorf hat eine Einfallstraße, die 2-3 spurig ausgebaut aus. Meistens gehört sie mir allein. Ich komme mir oft etwas verloren vor bei so viel Platz. Auch die Kreisverkehre sind alle 3 spurig angelegt. Was für ein Wahnsinn. Für welchen Verkehr?
    Ich kann meistens gleichmäßig mit 100-120 km/h durchrollen. Also einmal Fuß aufs Gas, Tacho auf 120 und dann rollen lassen. Da die Straßen gerade verlaufen, kann ich mir auch als Fahrer in Ruhe die Landschaft ansehen. Ich empfinde das Fahren als geruhsam fest schon meditativ.
    Dennoch gibt es hier einige Besonderheiten. Eine Regel ist: bei roter Ampel wird rechts abgebogen. Das muss so. Es steht aber immer nochmals ein Hinweisschild an der Ampel, dass es erlaubt ist. Wenn keines da steht, lieber mal warten.
    Alle anderen Regeln werden gemacht, wie man sie braucht. Die Straßen sind kilometerlang und es gibt keine Wendemöglichkeiten. Wie löse ich das Problem, wenn ich nicht ewig in die falsche Richtung fahren will? Es gibt mehrere Möglichkeiten. Ich fahre einfach so lange am Rand, also als Geisterfahrer auf der falschen Fahrbahnseite, bis ich meine Abfahrtsstelle erreicht habe. Oder ich wende direkt auf der Autobahn, wo ich eben gerade bin. Zwischen den Fahrbahnen ist offroad. Manchmal geht das nicht, weil der Sand oder die Senke zu tief sind. Zumindest für mein Auto. Machmal gibt es auch einen Zaun.
    Kommt man vom Rastplatz und muss in die Gegenrichtung, fährt man schlicht zur Einfahrt wieder raus. Man hat dann den richtigen Winkel, um über den Gegenverkehr und den offroad Streifen auf die eigene Fahrbahn zu kreuzen. Sprich, man darf als Tourist einfach nicht erschrecken, wenn einem ein Falschfahrer entgegen kommt. Alle machen das so. Das klappt. Ich fahre mittlerweile genauso.
    Blinken ist nicht wichtig, dafür hupen umso mehr. Meine hat eine recht zarte Stimme. Das ist schade. Ich hupe dafür öfter statt laut.
    Es bleibt dabei: alle 6km steht hier ein Blitzer. Das ist unglaublich. Zusätzlich gibt es viele mobile Radarkontrollen und Polizei Checkpoints. Sie haben mich bis auf einmal immer durchgewunken. Sehr entspannt. Bei 5258km quer durch das Land bin ich an sage und schreibe 877 Blitzen vorbeigerollt. Wieder so ein Gigantismus,
    Auf den Verkehrsschildern stehen meist arabische Zahlen. Die hat man aber schnell gelernt. Es gibt aber auch Schilder, auf denen die Geschwindigkeitsangaben in beiden Schriften stehen.

    Das Tankstellennetz ist gut ausgebaut. Dennoch sollte man Ortschaften immer vollgetankt verlassen. An allen Tankstellen kann man mit Kreditkarte bezahlen. Es gibt aber tatsächlich auch Tankstellen, an denen gerade kein Benzin verfügbar ist. Da habe ich schon große Augen bekommen. Saudi-Arabien liegt, was die Ölvorkommen angeht, auf Platz zwei der Weltrangliste. Mit leeren Tankstellen habe ich hier wirklich nicht gerechnet. Das war aber auch die absolute Ausnahme. Und dann fährt man eben zur Nächsten. Und was wunderschön ist: Tanken ist richtig günstig. Der Liter kostet 2,18SAR. Das sind etwa 50ct. Da macht Tanken wieder Spaß.
    Es gibt überall im Land Wasserstellen, an denen man kostenfrei sein Trinkwasser auffüllen kann. Bei großer Hitze im Sommer muss man sich also keine Sorgen machen, plötzlich ohne Wasser dazustehen. Auch Overlander können hier ihre Tanks füllen.

    Meine liebsten Verkehrsschilder sind die mit der Geschwindigkeitsangabe slow oder Slow down. Das ist Auslegungssache. Man bremst eben mal. Nur wie stark?

    Häufig sagt mir mein Navigator, dass ich geradeaus fahren soll. Doch welches geradeaus? Es gibt sehr oft ein rechtes und ein linkes Geradeaus. Fahrbahnen teilen und verbinden sich ständig. Einige verlaufen nach Oben und andere nach Unten. Vor dem Geradeaus, braucht es also den genauen Hinweis, welches nun gemeint ist.
    Aber im Prinzip ist es einfach: in den Städten gibt es immer 3 Spuren die durchlaufen, meist über Brücken. Wenn man von denen abfährt, kann man unter der Brücke direkt einen U-Turn machen oder links/rechts abbiegen oder eben doch weiter geradeaus fahren, wenn man zum Beispiel zur Tankstelle will.
    Vor dem Kreisel kann man meist direkt nach rechts oder links abbiegen und muss nicht kreiseln. Das ist praktisch
    Am liebsten sind mir die U-Turns. Diese gibt es gut ausgebaut als eigene Spur. Auf der anderen Seite hat man weiterhin eine Spur zum Beschleunigen und Einfädeln. Es gibt jedoch auch kleine U-Turns, die wirklich nur ein Loch sind. Man muss genau nach ihnen suchen, sonst ist man schon vorbei gerauscht und muss dann eben viele Kilometer fahren oder wie bereits berichtet, die offroad Streifen oder Geisterfahrer Variante wählen.

    Wofür ich Deutschland wirklich dankbar bin, ist, dass es keine Bodenschwellen bei uns gibt. Es gibt sie ja eigentlich in allen Ländern. Hier gibt es mehrere Typen. Die gelben Linien rattern einfach nur. Die eingebauten Reflektoren rappeln. Dann gibt es geteerte Rillen, die kräftig rütteln und Lärm machen. Das schlimmste Modell ist die hohe Bodenwelle, über die man langsam drüber fahren muss. Eigentlich sollte sie gelb-schwarz markiert sein. Ist sie aber nicht immer. Übersieht man sie, knallt es heftig, wenn man darüber donnert. Diese Welle wird immer von einem Schild angekündigt und ist vor fast jedem Kreisel zu finden. Also aufpassen, sonst jumped man.
    Ansonsten ist weniger schauen und mehr fahren die beste Möglichkeit vorwärts zu kommen. Zaudern und Zögern verwirrt die Saudis und man verursacht Verkehrschaos. Also einfach fahren. Die anderen warten schon. Das passt.

    Fazit: Autofahren in Saudi-Arabien macht Spaß, auch wenn es in großen Städten sehr wuselig ist und man die ersten ein oder zwei Tage vielleicht etwas gefordert ist, bis man sich an die anderen Regeln gewöhnt hat. Aber so ist das doch in jedem Land.
    Also: Absolute Mietwagenempfehlung!
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