• Riyadhs Metro

    January 3 in Saudi Arabia ⋅ ☀️ 13 °C

    Saudi-Arabien ist bemüht, sich mit architektonischen Superlativen an der Weltspitze zu platzieren. Ein Weiterer kam nun 2025 in Riyadh dazu. Die Stadt verfügt seit Anfang letzten Jahres über eine supermoderne Metro mit 6 Linien, 85 Stationen und 176km Gesamtlänge. Sie gilt als das größte Metrosystem im Nahen Osten und - jetzt kommt der Superlativ - hat das längste fahrerlose Schienennetz der Welt. Auf diesem sind 190 Züge mit 452 Wagen unterwegs. Um der Bevölkerung den Umstieg vom Auto auf die Bahn zu erleichtern, gibt es 19 Park-and-Ride-Plätze mit bis zu 600 Stellplätzen. Die Tickets sind äußerst günstig. So zahlt man für 3 Tage etwa 4,00€. Die Bahn fährt im 6 Minuten Takt.

    Auch wir entscheiden uns dafür, das Auto lieber stehen zu lassen und die Metro zu nutzen. Außerdem bin ich auch nicht traurig nach so vielen Kilometern mal zwei Tage Autourlaub zu haben. Eine Station liegt ganz nah an unserer Unterkunft (in der Dummheit gut gebucht 🤣 - damals gab es noch keine Metro) und die Sehenswürdigkeiten sind so sehr leicht zu erreichen. Mit dem Auto würden wir im Stau viel mehr Zeit benötigen.
    Aber auch in der Metro kommt es zu Stau. Allerdings Stau der anderen Art. Die Geschlechtertrennung wird natürlich auch hier zelebriert. Das führt dazu, dass zur Rush Hour in den Single Abteilen für Männer kein Reinkommen mehr möglich ist, während in den Family Wagen, die auch Frauen benutzen, reichlich Platz ist. Zum Glück bin ich eine Frau und Moritz gilt gerade noch als nicht erwachsen und wir können problemlos im Family Wagen fahren. Über den Türen stehen jeweils Aufschriften mit Family und Single. So weiß jeder, wo er hin muss. Das wird auch kontrolliert. Allerdings sind die Abteile nicht abgetrennt. Kommt die Bahn und man will noch schnell hinein, kann man wie bei uns in die nächstgelegene Tür einsteigen und dann in seinen Bereich laufen.

    Als wir die Metro zum ersten Mal betreten, sind wir von der schlichten Eleganz der Station überrascht. Alles ist absolut sauber und übersichtlich. Farben und Namen (jede Linie ist farblich gekennzeichnet) weisen einem den Weg und überall steht Personal, das ebenfalls weiterhelfen will. So viel Hilfe. Wozu? Das System erklärt sich doch selbst. Wer hat, hält nun wie in anderen Großstädten dieser Welt seine KK an den Scanner und zahlt 4 SAR (0,90€) pro Fahrt. Da ich heute nur eine KK dabei habe, erhält Moritz eine Metrokarte für 3 Tage, die 30 SAR kostet und ich fahre mit der KK. Am Ende ist seine deutlich Metrokarte günstiger.

    Was uns nun erwartet, habe ich nicht erwartet. Die Metrostationen sind eine Sehenswürdigkeit für sich. Es gibt sozusagen das Standardmodell. In Natrufarben gehalten, schlicht und elegant. Eine schöne Einstiegsröhre in die Unterwelt. Rolltreppen und Fahrstühle funktionieren und wer weitere Hilfe benötigt, wird gerne in einen Rollstuhl gesetzt und zur Bahn gebracht.

    Doch dann gibt es auch noch die anderen Stationen. Die architektonischen Highlights. Eigentlich sind das Kunstinstallationen. Die Station des Financial Districts KAFD wurde vom renommierten Architekturbüro der Architektin Zaha Hadid entworfen. Ein futuristisches Design, fließende Formen. Inspiriert von alter arabischer Architektur aber auch von den fließenden Formen der Landschaften, des Wüstensandes. Weich, rund, schwungvoll.
    Auch andere Stationen sind wunderschön gestaltet. Eine erinnert mich an die Gesteinsschichten der Felsen, die wir überall im Land gesehen haben. Am besten gefällt mir die Station mit dem unterirdischen Garten. Geschwungene Formen in warmen, hell beigen Farben umrahmen den Garten. Über ihm thront eine versilberte, riesige Schale, die alles spiegelt und reflektiert. Ein grandioses Kunstwerk. Und die Dimensionen? Alles ist so unglaublich riesig. Hier können zig Tausende Menschen untergebracht werden. Aber da sind nur wir. Es dauert schon einige Minuten, um den Aufgang vom Außenbreich zur Metro hinaufzulaufen. Dieser Gigantismus im gesamten Land ist unbeschreiblich. Straßen, Wege, Kreisel und eben auch die Metrostationen - alles ist überdimensioniert. Aber geschmackvoll, stilvoll, elegant. Was hier gebaut wird, ist wunderschön. Ohne Ausnahme.
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