Die Verbotene Stadt
March 28 in China ⋅ ☁️ 20 °C
Die Verbotene Stadt ist eine riesige Palastanlage im Zentrum Pekings. Dort lebten und regierten bis zur Revolution 1911 die chinesischen Kaiser der Dynastien Ming und Qing. Der einfachen Bevölkerung war der Zutritt verwehrt – was den Namen Verbotene Stadt erklärt. 1987 wurde sie von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt.
Wir betreten das südliche Tor über die Kaisertreppe. Von oben blickt Mao Tsedong in Richtung seines Mausoleums. Wir sind schon seit weit von ihm entfernt, dass es nur noch als kleines Gebäude erscheint, obwohl es riesig ist. Als wir das gewaltige Tor auf der anderen Seite verlassen, scheinen wir in eine andere Welt zu treten.
Die Verbotene Stadt stellt ein Meisterwerk der chinesischen Architektur dar. Ihre Anlage entsprach der Weltsicht der kaiserlichen Herrscher: ein annähernd rechtwinkliger Grundriss – ausgerichtet entsprechend dem Prinzip von Yin und Yang an der Nord-Süd-Achse – und die Verbotene Stadt als Machtsymbol des Kaisers in der Mitte. In ihr befanden sich unter anderem die Paläste der Herrscher. Die Dächer der meisten Hauptgebäude waren teilvergoldet und mit in Gelb, der Symbolfarbe des chinesischen Kaisers, glasierten Ziegeln gedeckt. Kein Gebäude in Peking durfte die Verbotene Stadt in der Höhe überragen.
Der dritte Kaiser der Ming-Dynastie, Yongle, begann 1406 mit dem Bau der Verbotenen Stadt. Zeitweise sollen eine Million Sklaven und mehr als 100.000 Kunsthandwerker daran gebaut haben. Nur durch solch einen Aufwand ist es verständlich, dass der Bau schon 1420 abgeschlossen werden konnte.
Yongles Nachfolger konstruierte den Palast zwar in seinem Sinne um, am Grundriss veränderten aber weder er noch ein anderer Kaiser etwas.
1924 musste die letzte Kaiserfamilie schließlich die Verbotene Stadt verlassen und die Tore wurden für die Bevölkerung geöffnet.
Der gesamte Komplex hat eine Grundfläche von 720.000 m² und eine bebaute Fläche von 150.000 m². Auf dem Gelände befinden sich 890 Paläste mit unzähligen Pavillons mit 8.886 Räumen. Einer Legende nach sollen es eigentlich 9.999½ Räume sein. Der halbe Raum hat symbolischen Charakter. Danach durfte nur der Himmel einen Palast mit 10.000 Räumen besitzen, daher mussten sich die „Söhne des Himmels“ mit 9.999½ zufriedengeben.
Allein die Dimensionen der Mauer der Verbotenen Stadt sind mehr als beeindruckend: 10m hoch und 3428m lang. In jeder Himmelsrichtung befindet sich jeweils ein großes Tor mit einem Turm und an den vier Mauerecken steht jeweils ein Eckturm. Der Haupteingang ist das „Mittagstor“ oder auch „Fünf-Phönix-Tor“.
Wir durchwandern zunächst einige Tore, bis wir die eigentliche Stadt überhaupt erreichen. Die Tore mit ihren geschwungenen Dächer und der wunderschönen Bemalung sind kaum zu beschreiben. Ich habe schon viele sehr beeindruckende Orte gesehen, aber die Verbotene Stadt stellt alles in den Schatten. Die Größe, die Architektur und Schönheit der Stadt und Tempel sind unglaublich. Alle Gebäude sind dennoch schlicht und nicht überladen. Starke natürliche Farben und wunderschöne Bemalung. Die Plätze zwischen den Toren sind riesig. Wir legen Kilometer zurück und sind über 2 Stunden unterwegs bis wir überhaupt die Paläste des Kaisers erreichen. Es ist voll und wird immer voller. Es sind Menschenmassen wie ich es noch nie erlebt habe. Und dennoch verteilt es sich immer wieder. Da die gesamte Anlage symmetrisch aufgebaut ist, liegt immer ein Teil in der Sonne oder ist wenig überlaufen, so dass wir auch ab und an einen Moment in einer ruhigeren Ecke finden. Doch dies wird mit fortschreitendem Tag immer seltener. Wir blicken auf wundervolle Tempel mit geschwungenen Dächern, die sich vor dem blauen Himmel abheben. Oftmals weiß ich nicht, in welche Richtung ich als erstes blicken oder gehen soll. Ständig ergeben sich neue wundervolle Perspektiven auf diese traumhafte Stadt. Über die typisch chinesischen Brücken erreichen wir den Thronsaal mit seinen Nebengebäuden. Das Herz der Stadt. Dort stehen riesige Öfen, in denen Weihrauch verbrannt werden kann und ich versuche mir vorzustellen, wie damals die Atmosphäre gewesen sein mag und wie es gerochen hat. Die Bevölkerung durfte nicht in die Verbotene Stadt hinein, die Palastbewohner durften aber auch nicht einfach in die Stadt hinaus. Es war eine riesige Stadt in der Stadt. Nachdem wir den Thronsaal auf seinem Plateau verlassen haben, erreichen wir die Arbeits- und Schlafgemächer des Kaisers. Die Gassen werden schmaler und die Tempel niedriger, aber nicht weniger schön gestaltet. Zypressen, die Langlebigkeit bedeuten, da sie immer grün sind, wachsen zwischen den Gebäuden und in den Innenhöfen. Wir finden blühende Kirschbäume und Magnolien. Ich konnte mir bisher nichts unter dem Kirschblütenwahn Japans vorstellen. Doch jetzt habe ich eine Ahnung. Die Chinesen sind genauso blütenverrückt. Während wir völlig begeistert die Tempel aus jeder Perspektive fotografieren, interessieren sich die Chinesen für die Blüten. In den kleinen Höfen finden sich somit für alle viele Motive. Es ist hier nicht ganz so voll, wie beim Kaiserpalast, aber es gibt auch nicht so viel Platz. Alleine sind wir nie. Aber die Atmosphäre ist ruhig und angenehm. Zum Schluss erreichen wir den Garten und hier treffen sich nun alle Besucher, um das Gelände kurz darauf zu verlassen.
Hier wird nochmals klar, dass nicht nur die Größe und die Anzahl der Räume gigantisch sind, Auch die Dimension der täglich verkauften Eintrittstickets ist enorm. Anscheinend sind es täglich 70.000 Tickets, die innerhalb weniger Sekunden ausverkauft sind. Alles scheint sich im Park zu versammeln und natürlich zu fotografieren.
Ich habe immer ein Problem bei riesigen Touristenmenschenmassen. Ich bin so gerne alleine an den Orten und beschaue mir alles in Ruhe. Aber hier wird alles in den Schatten gestellt, was ich jemals erlebt habe. Man kann es sich nicht vorstellen und ich weiß im Moment auch nicht, mit welchen Menschenmassen ich das hier vergleichen könnte. Die Massen einer Demonstration könnten es am ehesten beschreiben. Wir kommen nur mit Minischritten vorwärts. Ständig läuft einem jemand in die Hacken und man wird angerempelt. Es gibt kaum ein Vorwärtskommen.
Nachdem wir diesen unglaubliche. Ort verlassen haben, besteigen wir den Kohlehügel und überblicken von dort oben die gesamte Verbotene Stadt. Leider ist es sehr diesig und auch noch wolkig. Ein paar Regentropfen sind auch schon gefallen. Dennoch kann man klar erkennen, wie gigantisch riesig alles ist. Weit weg im Dunst erahnen wir das Ende des Platzes des Himmlischen Friedens mit dem Mao Tsedong Mausoleum. Vor 5 Stunden sind wir am Morgen dort losgelaufen. Alle Orte liegen genau auf einer Achse mit dem Kaiserpalast. Blicken wir vom Kohlehügel nach Norden, sehen wir den Glocken- und Trommelturm, die wir gestern besichtigt haben. Auch sie liegen auf dieser Achese. Die Strecke ergibt Luftlinie etwa 5km. Welch geniale Städteplanung und was für Distanzen.
Während ich diese Distanzen realisiere, wird mir auch klar: ich war in der Verbotenen Stadt. Ich blicke eben auf sie herunter. Auf einen Ort, von dem ich niemals gedacht hätte, dass ich ihn einmal sehen würde. Ein Ort, wie es ihn definitiv nur einmal auf dieser Welt gibt. Unglaublich. Ich kann ihn in seiner Größe und Schönheit noch gar nicht wirklich greifen.Read more


























TravelerWieso hast du gedacht, dass du die verbotene Stadt niemals sehen wirst?
TravelerChina stand nicht auf meiner Bucketlist.
ChrisWanderLust70.000 Tickets in Srkunden? D. h. die gibt es nur online? Kann/muss man sie im voraus kaufen?
TravelerJa nur online und im Voraus über Trip.com buchen.
SYLWIA B.Die werden übrigens genau eine Woche online zum Verkauf gestellt. Das ist genau so wie mit den Zugtickets. Eigentlich gar kein schlechtes System, wenn ich von anderen höre, dass sie eine Lodge in Südafrikas Parks anderthalb bis zwei Jahre vorher buchen um dort den Zuschlag zu bekommen. Da hat man ja noch nicht einmal ein Flugticket.