• Hochgeschwindigkeitszug nach Xi´an

    March 30 in China ⋅ ☁️ 17 °C

    Die Chinesische Mauer hat eindeutig ihre Spuren in meinen Beinen hinterlassen. Ich komme mir vor wie eine Hundertjährige. Mein Beine tun weh…..
    Heute treten wir unsere erste Fahrt mit dem Hochgeschwindigkeitszug von Beijing nach Xi’an an. Wir reisen mit einem sogenannten G-Zug. Dieser ist der schnellste unter den Hochgeschwindigkeitszügen und bringt uns in 4 Stunden 10 Minuten die knapp 1200km von Beijing nach Xi‘an. Dabei erreichen wir Geschwindigkeiten von 350km/h in der Spitze. Schneller geht es mit dem Zug nicht.
    Mein Zugticket gleicht einer Bordkarte im Flugzeug mit Zugnummer, Datum und Uhrzeit, Abfahrts- und Ankunftsbahnhof. Wunderbar. Außerdem entdecke ich die Nummer der Räume, in denen wir vor der Abfahrt zu warten haben, die Nummer des Wagons, in den wir steigen müssen und den gebuchten Sitzplatz. Keine Ahnung, ob das auf unseren Zugtickets auch so vermerkt ist. Diese Zugfahrt ist so ziemlich meine allererste. Perfekt. Alles da, was wir wissen müssen. Ich entdecke noch einige chinesische Zeichen und einen QR Code. Aber zu welchem Bahnhof muss ich eigentlich? Ich finde nur die Angabe Beijing West. Ich bin überzeugt, dass mein chinesischer Taxifahrer diese Ortsangabe problemlos verstehen wird. Ich suche eine Weile, bis ich in kleinster Schrift die Angabe Beijingxi nach Xi´anbei finde. Beijingxi muss also Beijing West bedeuten und Xi´anbei offensichtlich Xi´an Nord. Als ich die Worte in den integrierten Übersetzer bei Alipay eingebe, klingt es sogar so ähnlich wie es hier geschrieben steht und meine Vermutung ist bestätigt. Passt. Somit weiß ich nun, dass "xi" West und "bei" Nord bedeutet und die Silbe einfach an den Städtenamen angehängt wird. Funktioniert Chinesisch wie ein Steckkastenprinzip? Das gilt es in der nächsten Zeit noch heraus zu finden. Zwei Himmelsrichtungen haben wir hiermit schon gelernt. Ich checke gleich das nächste Zugticket und erkenne wie ein Profi, dass es wieder der Bahnhof Xi´anbei sein wird, zu dem wir gerade fahren.
    Der richtige Bahnhof ist schnell bei Didi eingegeben und der Taxifahrer steht quer bei Fuß. Wir fahren nochmals entlang des Tian’anmen Platzes, was uns sehr freut. So können wir nochmals einen kurzen Blick auf ihn werfen. Er ist absolut leer. Keine Touristenströme. Der Platz ist heute gesperrt. Was hatten wir doch für ein Glück. Die Fahrt zum Bahnhof zieht sich, da Beijing mal wieder im Stau versinkt. Wir sind aber immer noch zeitig genug vor Ort. Dann stehen wir vor dem Gebäude. Was für ein Monumentalbau. Ein Riesenklotz. Ist das oben auf dem Dach ein Tempel? Wohl eher nicht. Moritz will ihn sofort besichtigen. Wir betreten das Gebäude. Die Sicherheitskontrolle ist in Sekunden erledigt. Pass vorzeigen und Koffer durch den Scanner jagen. Das war’s. Ich habe schon gelesen, dass es manchmal sogar bei Nagelknipsern und -scheren zu Problemen kommt. Daher ist das kleine Taschenmesser, das manchmal auf Reisen so gute Dienste leistet, dieses Mal zu Hause geblieben. Meine Nagelschere bin ich nicht gewillt herzugeben. Die Klinge ist schließlich ganz kurz, kleiner 6cm. Es interessiert sich niemand dafür. In den Bahnhof darf nur rein, wer auch Zug fährt. Somit müsste man sich jetzt also von den Angehörigen verabschieden, wenn man denn welche hätte. Ein gutes System, denn wenn bei diesen Menschenmengen auch noch Angehörige in den Wartebereichen und an den Gleisen herumlaufen würden, wäre das Chaos perfekt. Hier ist alles schön sortiert und durchorgansiert und man weiß genau, wer sich im Gebäude befindet. Kotzende Penner wie auf dem Frankfurter Flughafen gibt es hier somit nicht. Sehr, sehr angenehm.

    Bewaffnet mit unserem Papierticket, das niemand sehen will, steuern wir nun durch das riesige Gebäude. Zum Glück sind Zugnummer, Gleise, Wagonnummern und Warteräume auf riesigen Tafeln aufgelistet und auch für Nichtchinesen lesbar. Es ist also einfach, unseren Wartebereich zu finden. Wir bummeln durch die Gegend und staunen über die riesige Halle. Geschäfte wie im Flughafen reihen sich aneinander. Mehr ist es aber auch nicht. Alles sehr übersichtlich und einfach. So macht Zugfahren Spaß. Überpünktlich beginnt das Bording und auf die Minute pünktlich rollen wir aus dem Bahnhof. Wir sausen mit 350km/h Richtung Xi‘an. Die Landschaft gleicht unserer.
    Im Inneren suchen wir unseren Sitzplatz, verstauen das Gepäck über unseren Köpfen und setzen uns in unsere bequemen, breiten Sitze. Immer 2 Sitze befinden sich auf beiden Seiten des Mittelganges. Die Beinfreiheit ist prima und der Sitz lässt sich angenehm einstellen. So lässt es sich aushalten. Einziges Manko: man wird tiefgekühlt. Wie ich das hasse. Der Himmel verändert sich während unserer Fahrt von grau zu grau. Aber immerhin drückt die Sonne. Vielleicht wird es ja noch. Landschaftlich passiert auch nicht viel. Wir durchfahren entweder Plattenbaustädte oder rollen entlang von Feldern. Schließlich wird die Landschaft etwas hügelig. Die Erde ist ausgewaschen und hat vom Regen viele Bruchkanten. Erdcanyons wurden ausgespült und entlang dieser wurden Terrassen für die Landwirtschaft angelegt. Spektakulär geht anders.
    Es ist faszinierend, wie der Zug in den Bahnhof einfährt, kurz anhält, um die Reisenden ein und Aussteigen zu lassen und nach maximal 5 Minuten wieder lautlos aus dem Bahnhof auszufahren. Man bemerkt es kaum. Die Haltestellen kosten kaum Zeit.

    Wir erreichen Xi’an 15 Minuten früher als geplant. So endet unsere erste Zugfahrt sehr entspannt. Auf dem Weg aus dem Bahnhof stürzen sich die Taxifahrer auf uns und wollen uns ein Didi verkaufen. Er labert uns mit seinen drei Worten Englisch zu. Ich will den Preis wissen und er nennt 80 Yen. Didi ist mittlerweile aber angefragt und verlangt 32 Yen. Guter Mann, da hast du Pech und bist an die Falschen geraten. Nicht mit uns. Nach einer knappen halben Stunde stehen wir vor dem Hotel. Auf dem Weg zur Innenstadt fahren wir wieder an den Hochhausmonstern vorbei. Aber überall blüht es und es gibt viel Grün. Der Frühling ist viel weiter als in Beijing.
    Schon traurig, dass in anderen Ländern dieser Welt Züge und Flugzeuge pünktlich sein können und es bei uns leider nie klappt.
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