• Xi´an

    March 30 in China ⋅ ☁️ 18 °C

    Xi’an ist die Hauptstadt der chinesischen Provinz Shaanxi mit etwa 13 Millionen Einwohnern. Sie war unter der Qin-Dynastie die erste Hauptstadt des Kaiserreichs China und im Verlauf von 1120 Jahren immer wieder Hauptstadt eines Kaiserhauses. Den Namen Xi’an erhielt die Stadt im Jahr 1369 vom ersten Ming-Kaiser. Xi’an besitzt eine nahezu vollständig erhaltene Stadtmauer und war der Ausgangspunkt der Seidenstraße. Weltbekannt wurde es durch die archäologischen Ausgrabungen im Jahr 1974, als über 8000 lebensgroße Terrakotta-Soldaten in Gefechtsaufstellung entdeckt wurden. Die Grabstätte des Kaisers Qin Shihuangdi um 221 v. Chr., der als Erster China als Land einte und die Qin-Dynastie begründete, ist eine der meistbesuchten Touristenattraktionen in China.

    Die Stadtmauer von Xi’an wurde zwischen 1374 und 1378 erbaut und in den 1980er Jahren renoviert. Sie ist die größte weitgehend erhaltene Stadtmauer in China. Mit einer Gesamtlänge von fast 14km und einer Höhe von 12m umschließt sie die Innenstadt. Wir bummeln auf der Stadtmauer entlang. In den Türmen gibt es viele kleine Cafés, die zu einer Verschnaufpause einladen. In den Parks entlang der Mauer wird von den Einheimischen Tai Chi praktiziert oder Mahjong gespielt. Vier Tore gewährten früher einen durch Zugbrücken geschützten Zugang zur Stadt. Diese Zugbrücken wurden morgens durch ein Signal des Glockenturms heruntergelassen und am Abend durch ein Signal des Trommelturms wieder hinaufgezogen. Der majestätische Glocken- und Trommelturm sind Bauten der frühen Ming-Zeit um 1380. Sie sind Symbole einer Stadt mit reicher Vergangenheit und gehören zu den größten und am besten erhaltenen ihrer Art in China. Der Glockenturm in Xi’an ist imposante 27m hoch.

    Der Trommelturm wurde 1380, also noch vor dem Glockenturm, erbaut. Er beherbergt viele große Trommeln und einige antike Möbel. Es gibt zu verschiedenen Zeiten kurze musikalische Darbietungen mit Trommeln und anderen traditionellen Instrumenten.
    Man kann den Glockenturm über viele Treppen besteigen. Die Aussicht soll nicht grandios sein. Wir glauben den Berichten der anderen Reisenden. Von außen, von der anderen Straßenseite, wirkt der Turm vor allen Dingen, wenn er abends beleuchtet ist, viel beeindruckender. Man könnte auch sagen, da flasht er einen. Ist das ein Anblick. Viel schöner als in Beijing. Die intensiven Farben leuchten bei Tag und bei Nacht. Die Türme stehen leicht versetzt hintereinander, so dass man sie wunderschön miteinander sehen kann.
    Zwischen den beiden Türmen gibt es einen Platz, von dem man einen guten Blick auf beide Türme hat. Viele Geschäfte und Restaurants befinden sich hier. Es ist schön entlang zu bummeln und das Treiben zu beobachten. Auch das Schokoladenhaus kann hier besucht werden. Im Eingangsbereich findet man die Terrakotta Armee in Lebensgröße aus Schokolade. Das ist schon krass.

    Durch das südliche große Stadttor betreten wir die Stadtmauer. Mit der Sonne im Rücken laufen wir nach Osten von einem schönen Turm zum nächsten. Der Blick nach unten geht die Hutongs, die ich hier noch viel schöner finde als in Beijing. Auf vielen Hausdächern gibt es kleine Cafés mit Blick auf die Mauer. Wir laufen bis zum nächsten Ausgang. Eigentlich wollten wir bis zum Eckturm laufen. Aber dies sind noch über einen Kilometer und wir müssen uns eingestehen oder besser gesagt, ich muss mir eingestehen, dass meine Füße das beim besten Willen nicht mehr schaffen. Die Große Mauer hat die Beine zerstört und die vielen Kilometer der letzten Tage dienen nicht der Erholung. Es geht nicht mehr. Ein Weltuntergang ist es nicht, da sich die Türme alle ähneln. Unterhalb der Mauer verläuft eine wunderschöne Hutonggasse. Wir sind im Künstlerviertel gelandet. Handbemalte Fächer, Steinmetzfiguren, Kalligraphie, Bilderrahmen…. Hier findet man alles. Eine sehr schöne Gasse mit Tempeln und Innenhöfen. Die Atmosphäre ist hier eine ganz besondere. Eine Leichtigkeit liegt in diesen Straßen. Sie sind voll, aber leise. Überall wachsen. Äuge, blühen Blumen, die Vögel singen. Im frühen Morgen wird zu meditativer Musik Sport gemacht. Schon beim Zuschauen, werde ich wie eingelullt. Man wird vollkommen ruhig. Die Stimmung erinnert mich an Griechenland am frühen morgen, wenn das Leben langsam erwacht und die Gassen noch leer sind.

    Wir besuchen das Beilin Museum. Die Anlage mit den alten, tempelartigen, roten Gebäuden ist wunderschön. Die Pfingstrosen blühen im Park und entlang der Pavillons. In den alten Gebäuden sind Stelen mit wunderschönen Gravuren ausgestellt. Im hinteren Teil befindet sich das riesige neue Museum, in dem ebenfalls Stelen und auch Kalligraphie zu sehen sind. Es erscheint uns aber so neu, dass es noch nicht vollständig eingerichtet ist. Ich weiß nicht, was mich mehr begeistert, die Gebäude im Park oder die Ausstellungsgegenstände.

    Ein Stück die Gasse hinauf erreichen wir die Guanzhong Akademie, in die man ebenfalls hineindarf. An solch einem Ort würde ich auch gerne studieren. Wundervolle Eingangstore reihen sich aneinander. Auch hier gibt es einen Pavillon mit einer Trommel bzw. Glocke, die früher die Zeit angegeben haben. Die Glocke den Beginn des Morgens und die Trommel den Beginn des Abends. Damals wurde während des Tages nur alle zwei Stunden die Zeit angegeben. Es war also wirklich ein 12 Stunden Tag. Auch dieser Part ist eine Oase der Ruhe. In jeder Ecke finden sich wunderschöne Perspektiven mit Tempeln und Blüten. In etwa zwei Wochen endet der Frühling. Daher stehen bereits die Pfingstrosen in voller Blüte.

    Zu guter letzt entdecken wir noch das Wohnhaus von Yu Yuoren. Das Haus hat einen schönen Innenhof, typisch chinesische Einrichtungsgegenstände. Ein schöner Abschluss unserer Zeit in Xi‘an.

    Die Hutongs und die kleine Straße entlang der Mauer sind mittlerweile voller Menschen. Die Sonne scheint und es ist herrlich warm. Immer noch liegt diese Leichtigkeit in der Luft. Künstler bemalen Fächer mit Kalligraphie und in einem Geschäft spielt ein Mann Flöte. Die Menschen sind leise und bummeln zwischen den Ständen, die Kunsthandwerk und Pinsel verkaufen, hin und her. Es gibt keine laute Werbung, kein grelles Licht. Der Ort wirkt fast meditativ. Eine grüne Oase, ein kleines Dorf, innerhalb einer Millionenstadt, in der die Zeit still zu stehen scheint.
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