• Jokhang Tempel

    4 April, China ⋅ ☁️ 18 °C

    Der Legende nach wurde der Jokhang-Tempel im Jahre 639 von König Songtsen Gampos nepalesischer Gemahlin, der Prinzessin Bhrikuti errichtet, nachdem der Milchsee trockengelegt worden war. Der 650 fertiggestellte Bau wurde von nepalesischen Künstlern vollendet. Ursprünglich dürfte es sich um ein relativ kleines Gebäude gehandelt haben. Mit dem Bau dieses Tempels wurde gleichzeitig der Buddhismus in Tibet eingeführt. Später wurde es um zahlreiche Nebengebäude und einige Stockwerke erweitert und bildete von dieser Zeit an die Stätte zur Abhaltung des „Großen Gebetes“ des sogenannten Mönlam Chenmo.
    Während des Aufstandes von 1959 achtete die Volksbefreiungsarmee darauf, den Tempel nicht zu beschädigen. Doch während der Kulturrevolution von 1966 bis 1976 wurde der Jokhang Tempel unter Beteiligung der Bevölkerung von Lhasa geplündert und schließlich als Hauptquartier der Roten Garden genutzt. Im Jahr 2000 wurde der Tempel zum UNESCO-Weltkulturerbe erklärt.
    Der Jokhang Tempel ist das bedeutendste Heiligtum Tibets und das älteste Gebäude der Hauptstadt Lhasa. Für die Tibeter bildet er eine Art Zentralheiligtum, zu dem man nach Möglichkeit mindestens einmal im Leben gepilgert sein sollte. Wegen dieses Tempels wird Lhasa die heilige Stadt genannt. Er hat eine Geschichte von nahezu 1400 Jahren. Der Tempel beherbergt eine wertvolle Statue von Sakyamuni im Alter von 12 Jahren, die als das heiligste Objekt Tibets gilt und den Jokhang Tempel zur höchsten buddhistischen Pilgerstätte macht.

    Der Jokhang Tempel wird von einem Wandelgang mit Gebetsmühlen umgeben. Der mittlere Pilgerweg Barkhor verläuft rund um das Kloster. Das Geräusch von Holz, das auf Steinplatten schlägt und reibt, schallt uns entgegen. Es kommt von den Gläubigen, die sich vor dem Tempel der Länge nach flach auf den Boden werfen. Wir erleben hier den allerletzten Abschnitt der langen Pilgerreise kurz vor der Ankunft am Tempel.
    Der Glaube verschafft dem Menschen hier keine sprichwörtlichen Flügel, sondern unvorstellbare Energie für eine der ungewöhnlichsten Fortbewegungsformen. Die Pilger legen Distanzen von 2.000km - in Worten: zweitausend Kilometer. Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen - bäuchlings zurück, um in Lhasa im Jokhang-Tempel der Buddha-Statue zu huldigen. Eine lange Schürze, Knieschoner und Holzkeile an Händen und Füßen sind der einzige Schutz vor den unmenschlichen Strapazen, die die Pilger tragen. Wie sieht die Fortbewegung aus? Die Pilger legen sich mit dem Bauch auf den blanken Asphalt, neigen die bloße Stirn auf den Boden und machen mit den Armen eine dem Brustschwimmen ähnliche Bewegung. Dann stehen sie wieder auf, machen 4 Schritte und gehen erneut zu Boden. Dabei knallt das Holz auf den Asphalt und reibt auf den Steinplatten. Auf diese Weise legen sie am Tag etwa 7km zurück. Pilger, die solche Distanzen zurücklegen, werden von einer Person zu Fuß begleitet, die einen Handkarren zieht, auf dem sich die nötigste Ausrüstung befindet.
    Die Pilger werden in ihren Dörfern ausgesucht, um diese Strapaze auf sich zu nehmen und für das ganze Dorf den heiligsten Ort zu erreichen. Dem Pilger wird höchste Anerkennung zu teil. Doch welch eine Last und Verantwortung für den Auserwählten, der 10 oder mehr lange Monate versucht, die in ihn gesetzte Hoffnung zu erfüllen und gleichzeitig für sich persönlich das höchste, religiöse Ziel zu erreichen. Ein Lebenswerk!
    Doch was für ein Gefühl muss es sein, den Jokhang Tempel tatsächlich zu erreichen. Ich vermute, ein größeres Siegesgefühl kann es nicht geben. Ein Glücksgefühl, aber auch Demut, es geschafft zu haben und Buddha nach 2.000km ganz nahe zu sein. Die Pilger strahlen eine unglaubliche Kraft aus. Ich komme mir klein und unvollkommen vor und schmelze aus Respekt vor dieser Leistung fast dahin. Wieder überrascht es mich, wie tief Glaube sein kann und was er mit den Menschen macht.
    Baca lagi