• Kloster Samye 3600m

    5 April, China ⋅ ☁️ 6 °C

    Samye ist eine als Mandala erbaute Tempel- und Klosteranlage am nördlichen Ufer des Yarlung-Flusses. Ein Mandala ist eine geometrische Konfiguration des Universums. Der Haupttempel, der sich im Zentrum des Klosters befindet, repräsentiert den Berg Meru, und die anderen Gebäude stehen an den Kardinalpunkten und Ecken des Haupttempels.

    Samye bedeutet das „Über alle gedankliche Vorstellung Hinausgehende“ und ist das älteste (erste) buddhistische Kloster Tibets. Es wurde um 775 unter der Herrschaft des tibetischen Königs Thrisong Detsen am Fuße des Berges Hepori gegründet und existiert seit bald 1300 Jahren. In Samye wurden die ersten buddhistischen Mönche Tibets ordiniert, die sogenannten „Sieben Auserwählten“. Es markiert den Beginn der buddhistischen Klosterkultur Tibets. Damit wurde das Samye Kloster in der Geschichte des tibetischen Buddhismus das erste Kloster, das die drei wesentlichen Elemente des Buddhismus in sich vereinte; die Verehrung Buddhas, die Achtung des Dharma und die Schaffung eines Mönchordens.

    Das Kloster Samye wurde im 9. Jahrhundert, während der ersten Übersetzungswelle buddhistischer Schriften aus dem indischen Sanskrit ins Tibetische, als zentraler Übersetzungsort genutzt. Aus dieser Übersetzungszeit ging die Nyingma-Schule des tibetischen Buddhismus hervor und die Grundlagen zur Verbreitung der Lehren Buddhas in späteren Zeiten wurden gelegt.
    Bereits zur Regierungszeit des tibetischen Königs Lang Darma um 1000 wurde die Ausübung des Buddhismus in Tibet verboten und ihre Anhänger verfolgt. In späteren Jahrhunderten wurde der verdrängte Buddhismus wiederbelebt und die Gelug-Schule gegründet. Während der Kulturrevolution (1966–1971) wurde Samye wie viele tibetischen Klöster entweiht und geplündert. Kulturgüter von unschätzbarem Wert wurden beschädigt oder zerstört. 1980 wurde die Tempelanlage erneut eingeweiht. Das Kloster steht seit 1996 auf der Liste der Denkmäler der Volksrepublik China.

    Die Tempelanlage formiert sich um einen großen dreistöckigen Zentraltempel. Das oberste Stockwerk wurde im indischen Stil erbaut, da Indien der Ursprung der Dharma-Tradition ist. Das mittlere Stockwerk wurde im chinesischen Stil erbaut, da China die Matriarchin war. Das untere Stockwerk wurde im tibetischen Stil erbaut, da Tibet der Patriarch war. Er ist an allen vier Seiten von Tempeln umgeben. An den vier Ecken des Zentraltempels wurden jeweils große Stupas errichtet. Die Tempelanlage ist von einer kreisrunden Mauer umgeben, die insgesamt 108 kleine Stupas trägt. Aufgrund dieser und anderer Besonderheiten trägt Samye auch den Beinamen „Das Unfassbare“. Die verschiedenen Tempel Samyes waren mit kostbaren Statuen und verschiedensten Ritualgegenständen ausgestattet.

    Es sind sehr viele Gläubige unterwegs, die das Kooster umrunden, die Gebetsmühlen drehen und sich teilweise auch betend auf den Boden werfen. Vor dem Kloster stehe. Die großen weißen Öfen, in denen Wacholder und Weihrauch verbrannt werden. Der Duft verteilt sich im gesamten Areal. Im Kloster selbst wird flüssige Butter in die Kerzenbehälter geschüttet und gebetet. Viele Gläubige opfern die weißen tibetischen Schals oder bringen Mandalas als Opfer dar. Dabei schütteln man Körner mehrmals auf eine Kupferschale und reibt mit der Hand darüber. Da die Körner immer anders darüber rollen, spricht man von einem Mandala. Der Geruch der Butterkerzen vermischt mit Wacholder und Weihreich ist betörend. An alle wichtigen Figuren wird Geld gelegt. In einem anderen Tempel findet das abgebet der Mönche statt. Dazu wird musiziert. Die Trommel wird geschlagen, in sehr tiefe Hörner und trompetenartige Instrumente geblasen. Das ein Horn solch tiefe, durchdringende Töne erzeugen kann, ist unglaublich. Derganze Körper vibriert. Dazu der Geruch von Weihrauch und Butterfett. Diese Atmosphäre ist unglaublich. Aber irgendwann muss ich weg. Es wird mir zu viel. Die lauten, tiefen Töne wirken gegen meinen inneren Rhythmus. Ein sehr intensives Erlebnis. Wir umrunden die Anlage und entdecken immer wieder wunderschöne Tempel und Kapellen. Ein wundervoller Ort.
    Baca lagi