Zu Gast bei den Schimpansen
August 9 in Uganda ⋅ ☁️ 28 °C
Kibale ist berühmt für seine große Population an freilebenden Schimpansen. Wir teilen uns fast zu 98% dieselbe DNA. Wir sind so krass nah mit ihnen verwandt. Aber es leben noch weitere 13 Primatenarten hier im Wald. Daher wird Kibale auch als Hauptstadt der Primaten auf der ganzen Welt bezeichnet. Als wir am frühen Morgen in den Wald einfahren, sehen wir viele Baboons. Doch plötzlich ist einer anders und wir realisieren, dass eben ein Schimpanse die Straße kreuzt. Wir sind aus dem Häuschen. Doch er ist viel zu schnell und entschwindet innerhalb eines Moments aus unserem Blickfeld im Wald. Dennoch, einfach so einen Schimpansen zu sehen ist unglaublich.
Am Nachmittag folgen wir begleitet von erfahrenen Rangern den Spuren der Tiere durch den dichten Regenwald. nachdem wir das dichte Grün betreten, werden wir sofort von ihm verschluckt. Wir folgen den Spuren der Tiere, Nestern, frischem Kot und abgeknickten Ästen. Wir sind noch nicht lange unterwegs, als wir die ersten beiden Schimpansen entdecken. Sie sitzen auf dem Boden und lausen sich gegenseitig. Was für ein Moment. Ich sehe in ihre Gesichter. Die dunklen Augen, die Hände…. Sie sind uns so ähnlich. Es ist ein unglaubliches Gefühl in diese ruhigen Augen zu blicken. Es kommt mir vor, als würde ich in einen Spiegel schauen. Die Art, wie sie ihre Hände benützen, sich lausen und miteinander spielen ist unfassbar menschlich. Anders als die Gorillas bleiben sie nicht an einem Ort. Wir folgen ihnen quer durch den Dschungel. Schimpansen sind schnell, sehr schnell und so müssen wir eilen. Die Gruppe wird immer größer und wir sind nach und nach von 40 Tieren umgeben. Einige klettern auf Bäume, andere fressen am Boden. Immer wieder müssen wir zurückweichen, weil einer direkt auf uns zukommt und wir im Weg stehen. Und dann bricht das Spektakel los. Affentheater sind harmlos. Sie jagen sich will rufend, schreiend, kreischend durch den Wald. Auf dem Boden, in den Bäumen, hinauf und hinunter, wild querwaldein. Das Geschrei ist ohrenbetäubend. Immer neue Tiere kommen hinzu. Äste krachen auf den Boden. Natürlich wird auch gepinkelt und Moritz bekommt eine echte Schimpansendusche ab. Ob er jetzt sauber ist? Weiter folgen wir ihnen immer tiefer in den Wald. Die Gruppe wird wieder ruhiger und klettert zum Fressen auf die Bäume. Wir beobachten sie lange und ich entdecke, dass ein Tier ihr Baby am Bauch hat. Wie wunderschön. Leider sitzt sie sehr weit oben in den Bäumen. Und plötzlich geht es wieder los. Die Schimpansen rufen einander zu. Es gibt sanfte, zarte Töne und wilde, laute. Dann beginnt die nächste Jagd. Wieder kreischen die Schimpansen, jagen durch die Bäume hinauf und hinunter, Äste fallen krachend zu Boden. Ich weiß überhaupt nicht, wohin ich schauen soll. Es ist so viel los. Hier wurde zwar keine Kokosnuss geklaut, aber die Affen rasen durch den Wald. Viel zu schnell ist unsere Stunde vorbei. Wir müssen gehen. Doch als die Affen genau in diesem Moment nochmals mit lautem Geschrei durch den Wald toben, lassen uns die Ranger und wir dürfen noch ein wenig länger bleiben und dieses Schauspiel beobachten. Die Tiere tollen wieder durch die Bäume, kommunizieren lautstark miteinander. Es ist eine Tierbegegnung voller Energie und Ausdruckskraft. Sie sind intelligent, wenn sie Gelüste auf Süßes haben, stecken sie einen Stock in das Bienennest, dass die Bienen nicht rausfliegen können. Mit einem zweiten Stock holen sie sich die Waben. Zu meinem Erstaunen lerne ich, dass Schimpansen keine reinen Pflanzenfresser sind, sondern regelrechte Allesfresser.
Mit solch einem energiegeladenen Erlebnis habe ich nicht gerechnet. Die Tiere, ihre Schnelligkeit, das Toben durch den Wald und vor allen Dingen die Geräuschkulisse. Der Blick in ihre Augen und der nicht nur wilde, sondern auch liebevolle Umgang miteinander. Ein unvergesslicher Moment, der tief berührt. Ein magischer Moment.
Voller Eindrücke sitze ich im Auto. Eigentlich weiß ich nicht, wo mir gerade der Kopf steht. Und da passiert es. Nochmals kreuzt ein Schimpanse direkt vor uns die Straße. Ich kann es kaum fassen. Wollen sie, dass wir bleiben, oder sich nochmals verabschieden? Dieses Erlebnis ist eigentlich nicht zu beschreiben. Es ist unvergesslich.Read more








































TravelerWas für ein tolles Erlebnis. Das sind Gänsehautmomente!🤩
TravelerJa, das werden wir nie vergessen. Sie sind uns so ähnlich. Man kann das gar nicht in Worten schreiben.
Traveler
Ein altes und wissendes Gesicht!