Beerdigungsritual - bei Interesse
8 April, China ⋅ ☁️ 8 °C
Die für uns besondere Art und Weise der Bestattung im Buddhismus haben wir schon einmal im Pashupatinath Tempel in Nepal erlebt. Dort werden die Toten von den Angehörigen im Fluss gewaschen, in orange Tücher gewickelt und mit Blumen geschmückt. Zeit, Abschied zu nehmen, dem Menschen ein letztes Mal nahe zu sein. Danach werden sie zum Feuerplatz gebracht und verbrannt. Damals war das für uns ein außergewöhnliches Erlebnis. Ich habe es aber nicht als grauenhaft empfunden. Nur anders. Denn der einzige Unterschied ist, dass man den geliebten Verstorbenen selbst herrichtet. Ist das nicht viel liebevoller, dem Angehörigen so die letzte Ehre zu erweisen, als dass er in einem Leichenhaus von Unbekannten hergerichtet wird? Die Verbrennung ist sichtbar und nicht versteckt in einem Ofen. Die Angehörigen bleiben bis zum Schluss dabei. Diese Zeit und das Zusehen, wie jemand verbrennt, also verschwindet, hilft doch zu realisieren, dass die Person wirklich weg ist. Physisch weg ist. Der Umgang mit dem Tod ist offen. Schließlich gehört er zum Leben. Die Asche wird später in den Fluss gestreut. Nochmals ein Moment, in dem wirklich der letzte Rest des Menschen verschwindet und nur die Erinnerung im Herzen bleibt. Viel Zeit zu begreifen und sich zu verabschieden. Eigentlich finde ich diesen Weg schöner, als alleine verbrannt zu werden und später in einer Urne im Erdloch zu verschwinden.
In Tibet findet eine Himmelsbestattung statt. Blauer Himmel, Sonne, weiter Blick. Das klingt wunderschön, so denke ich, bevor ich weiß, was sich dahinter verbirgt. Bestandteil der buddhistischen Philosophie ist es, dass der Mensch zurück gehen soll in die Natur, aus der er gekommen ist. Überhaupt stehen die Natur und der Respekt vor ihr im Vordergrund der Lebensphilosophie und lässt so manche verzwickte und verdrehte Reglementierung der westlichen Welt unverständlich erscheinen. In der Natur erklärt sich eigentlich alles von selbst und erscheint zugleich logisch, wie auch der Tod. Bedingt durch die vielen Berge und den dadurch relativ knappen Boden zur Bewirtschaftung, gilt dieser als kostbares Gut und sollte nicht unnötig durch Gräber und Friedhöfe "verschwendet" werden. Vor der Beisetzung wird der Leichnam zuerst sitzend aufgebahrt und ein Lama liest aus dem "Tibetischen Buch des Todes" vor, um die Seele des Verstorbenen auf die Reise zwischen Tod und Wiedergeburt zu schicken und seinen Geist zu beschwören, nicht mehr auf die Erde zurückzukehren, um die Lebenden heimzusuchen. Anschließend wird die Leiche regelrecht zusammengeklappt und von einem Angehörigen zum Bestattungsplatz gebracht. Der jetzt seelenlose Korpus wird vom "Knochenbrecher" für die Verfütterung an die Geier aufbereitet. Er filetiert die Leiche und zerstückelt das Skelett. Die Knochen werden pulverisiert und zusammen mit einem Gerste-Sand-Gemisch zu Kugeln geformt. Den Schädel des Toten spaltet man zuvor noch mit einer Axt, damit auch der letzte Rest von Seele bis zur Wiedergeburt aus dem Körper entweichen kann. Ein naher Verwandter muss bei diesem Ritual anwesend sein, um die ordnungsgemäße Abwicklung des Zeremoniells zu bezeugen. Jetzt werden die Geier mit einem Feuer angelockt, um sich an den "gedeckten Tisch" zu begeben und die Gerste-Sand-Knochen-Gemisch Kugeln zu fressen. Es ist kein Ritual aus längst vergangenen Zeiten, sondern wird heute noch praktiziert und ist Bestandteil der Kultur. Für manch einen mag dies grauenhaft und abschreckend klingen. Doch eigentlich wird man nur auf andere Weise, wie für uns vertraut, an die Erde zurück gegeben. Trotzdem, so zerhackt werden möchte ich nicht.Baca lagi


SYLWIA B.Ihr habt dem Prozedere aber nicht beigewohnt. Oder ?
PengembaraNein. Leider nicht. Das wäre genial gewesen.
Andrea on TourKlingt schon sehr ungewöhnlich für westliche Ohren. Bei uns existiert ja der Tod nicht. Ich finde diese Arten der Bestattung sehr sinnvoll. Danke für deinen Bericht. Wieder viel gelernt!
PengembaraMir gefällt diese Art von Bestattung auch. Sie ist nicht so anonym und die Angehörigen sind einbezogen. Aber ja, bei uns stirbt man nicht.
ChrisWanderLustIn Nepal hatte uns unser Guide erklärt, dass der Llama entscheidet, welches Ritual zur Anwendung kommt. Dort gibt es die Variante mit den Geiern auch und noch eine dritte (die hab ich aber vergessen 😂). Macht doch aber absolut Sinn in dieser Umgebung...