Vorreisechaos
July 30 in Rwanda ⋅ ☀️ 24 °C
Reisen könnte so schön sein, wenn nicht……
Bereits Monate bevor es überhaupt los geht, wird es chaotisch. Aufgrund der weltpolitischen Lage werden viele Flugverbindungen gestrichen. So auch unser Zubringerflug Frankfurt-Brüssel. Der Alternativvorschlag hat eine Umstiegszeit von gerade Mal 50 Minuten. Da wir in Deutschland leben, ist davon auszugehen, dass wir nicht pünktlich starten werden und den Anschlussflug verpassen. Plan B muss her und ist auch schnell gefunden. Wir fliegen am Vorabend und übernachten in Brüssel. Die Buchungsbestätigung wird zugeschickt, ich buche ein Flughafenhotel und ändere meine Parkplatzbuchung am Flughafen. Doch am nächsten Morgen habe ich immer noch keine Buchungsbestätigung für den Flug. Ich rufe nochmals an und erfahre, dass die gewünschte Verbindung überhaupt nicht verfügbar ist. Also muss Plan C her. Wir sollen über Amsterdam fliegen. Das ist mir ja nun völlig egal. Hauptsache wir fliegen. Als der Herr an der Hotline nochmals zusammenfasst, merke ich, dass er das Abflugdatum verändert hat. Das geht nicht. Da ist noch Schule. Einen Tag später ist jedoch auch der Amsterdam Flug nicht verfügbar. Also zurück auf Los. Alles von Vorne. Zum Glück hat der Herr noch ein Ass im Ärmel. Wir fliegen mit Ethiopian Airlines über Addis Abeba. Genau das wollte ich nicht. Genau diese Verbindung habe ich vor acht Monaten gezielt nicht gebucht. Eine Alternative gibt es aber nicht und nach wenigen Minuten habe ich die Buchungsbestätigung im E-Mail Postfach. Immerhin landen wir nun morgens statt abends und gewinnen ein Tag. Man muss es ja positiv sehen. Ich storniere mein Hotel in Brüssel und ebenso den Flughafenparkplatz, um ihn zwei Minuten später erneut zu buchen, nur mit anderer Uhrzeit. Wie oft ich ihn wohl noch umbuchen muss?
Als ich den Flug einige Wochen später überprüfen will, kann ich ihn weder bei e-dreams noch bei Brussel Airways finden. Die Buchung existiert nicht mehr. Es folgen endlose Stunden in Warteschleifen mit immer dem gleichen Musikgedudel. Doch schließlich versichert man mir von beiden Seiten, dass die Buchung besteht, aber nirgends eingesehen werden kann. Es sei aber alles in bester Ordnung. Ahhh. Da bleibt mir wohl nichts anderes übrig, als zu glauben - und zu hoffen.
Und dann kommt zu allem Überfluss und weltpolitischem Chaos auch noch Ebola. Was bereitet mir nun mehr Sorge? Kerosinmangel oder eben Ebola? Es ist definitiv der Kerosinmangel. Dennoch schleichen Gedanken durch meinen Kopf. Nicht, dass ich Angst hätte mich anzustecken. Bestimmt nicht. Aber was passiert, wenn es plötzlich Quarantänregelungen bezüglich des Heimflugs gibt? Dann ist das wohl so. In die Zukunft blicken kann ich nicht. Wenn es also keine Regelungen gibt, brauche ich auch keine zu beachten. So beruhige ich nun die penetranten Gedankenstiche, die immer wieder meinen, durch meinen Kopf geistern zu müssen.
Die Wochen vor dem Reisebeginn erinnern ein wenig an Reisen während Corona. Da hatte ich auch ständig die Sorge vor neuen Regelungen, Quarantäne, Ernennung zu Variantengebieten…. Mit der Forderung der USA nach Quarantäneregelungen in Europa für Kongo/Ugandareisende wegen der Fußball WM werden diese Erinnerungen wieder wach.
Dennoch sorgt Uganda vor. Eine Gesundheitserklärung muss abgegeben werden, in der ich versichere, mich die letzten 21 Tage nicht in Ebola-Gebieten aufgehalten zu haben. Es ist ja kein Problem, diese auszufüllen. Das interessante dabei ist aber mein Gefühl. Es handelt sich vom Prinzip um dieselbe Erklärung, die man während Corona vor der Einreise abgeben musste. Jetzt empfinde ich sie als in Ordnung und während Corona habe ich sie als Gängelei, als Überwachung, fast ein wenig als Freiheitsberaubung empfunden.
Ach ja, seit gestern gilt Uganda offiziell als ebolafrei.
Als ob es noch nicht genug wäre... Alle guten Dinge sind drei. El Nino meint, dass er dieses Jahr mal wieder seine volle Kraft entfalten müsse. Für Uganda bedeutet das extreme Regenfälle und Überflutungen im gesamten Land. Eigentlich dürfte er erst loslegen, wenn wir das Land verlassen. Wir werden sehen. So langsam macht sich ein Gefühl breit, als ob diese Reise unter keinem guten Stern steht.
Unsere Anreise ist sehr entspannt. Wir fliegen in einem neuen A350-900 mit Ethiopian Airlines nach Addis Abeba und haben einen kurzen Aufenthalt zum Füßevertreten auf dem schönen Flughafen. Wir hatten selten eine Airline mit einem so guten Service und richtig gutem Essen.
Mit uns an Bord war die ruandische Basketballnationalmannschaft. Die Fotografen standen schon Schlange, um die Sieger mit dem Pokal zu begrüßen.
Nach der Landung holen wir unser Visum on arrival. Anscheinend bekommt man auf dem Landweg nach Uganda kein Visum. Ob das stimmt, sehen wir morgen? Jedenfalls nehmen wir das East Africa Visum für je 100$. Gewünscht ist Bezahlung mit Kreditkarte. Jetzt haben wir die Visumangelegenheit erledigt. Sollte es morgen an der Grenze zu Uganda Stromausfall oder Computerprobleme geben, haben wir unser Visum bereits.
Wir sind angekommen und rollen durch die Straßen von Kigali, der pulsierenden Hauptstadt Ruandas. Eine sehr grüne Stadt, die sich über unzählige Hügel erstreckt. Das Moped ist bevorzugtes Verkehrsmittel. Sehr gerne wird gehupt, aber sehr gesittet auf der linken Seite gefahren. Es ist zwar irgendwie ein Gewühle, aber es fügt sich immer alles wie ein Puzzle ineinander. Einfach mitschwimmen. Die Straßen sind tipptopp in Schuss.
Vor uns liegt ein ganzer Monat voller Abenteuer in Ostafrika. Wir freuen uns auf beeindruckende Landschaften, spannende Begegnungen mit Land und Leuten – und natürlich auf die vielen Tiere.Read more








TravelerDie Story kannte ich ja. Aber im Zusammenhang gelesen, fühle ich voll mit welchen Schwankungen Du ausgesetzt warst. Aus eigener Erfahrung kenne ich das Gefühl, wenn man glaubt: das Universum (bei uns Airlinepleite, auf das Nachbarland übergreifender Krieg) will einem etwas mitteilen. Aber am Ende war nicht nur der Flug sondern auch unser Urlaub ein Träumchen. So wird es bei Euch werden. Da bin ich mir sicher.
TravelerSo wird es werden. Es ist jetzt schon wunderschön.
TravelerOh weia, was für ein Flugbuchungskrimi... Und auch der Rest 😱🫣 Da kann die Reise selbst ja ganz bestimmt nur noch besser werden. 🙏🏼🍀🍀🍀
TravelerEs wird besser. Alles klappt wunderbar.