Uganda - Versuch eines Rückblicks
August 25 in Germany ⋅ ☁️ 23 °C
Ein letztes Mal afrikanische Luft atmen und den roten Staub schmecken, bevor wir in den Flieger steigen. Zurück nach Frankfurt. Zurück in eine Welt, in der ein sauberes Glas Wasser selbstverständlich ist.
Unsere Reise geht nach fast 4 Wochen dem Ende zu. Doch warum habe ich dieses Land überhaupt als Reiseziel ausgewählt?
Uganda – eines der ärmsten Länder der Welt. Nur 56 % der Einwohner haben Zugang zu sauberem Trinkwasser und nur 41 % zu Sanitäranlagen. Die Alphabetisierungsrate beträgt 74 %. Homosexualität ist gesetzlich verboten und steht unter Todesstrafe. Eine Frau bekommt statistisch gesehen 6,4 Kinder. Nur 18 % haben Zugang zu Verhütungsmitteln. Die AIDS Rate ist hoch.....
… diese Fakten klingen abschreckend. Doch Uganda ist ein Land, in dem wir unglaublich viel Herzlichkeit und Hilfsbereitschaft erlebt haben. Menschen, vor allem Kinder, die trotz all der vorherrschenden Armut immer ein Strahlen in den Augen hatten. Ein sehr ursprüngliches Land, welches mit unberührter, wilder Natur besticht. Es ist die Heimat der letzten wildlebenden Berggorillas und das Zuhause der größten Anzahl unterschiedlicher Primaten. Unzählige Flusspferde tummeln sich in Ugandas Flüssen, an dessen Ufern sich ein breites Artenspektrum der außergewöhnlichsten Vögel entdecken lässt. Das massive Rwenzori-Gebirge (5109m) erstreckt sich entlang der Grenze zur Demokratischen Republik Kongo. Und an dessen Fuße? Unendlich weite Urwälder. Wird dies eine Liebeserklärung an ein noch nicht ganz so bekanntes afrikanisches Land? Die Frage kann ich selbst noch nicht ganz beantworten. Aber ich glaube ja.
5049km sind wir durch Uganda gereist. Das Straßennetz ist gut. Die asphaltierten Straßen in perfektem Zustand. In den Nationalparks fährt man auf Pisten. Aber alle ordentlich. Natürlich gibt es immer wieder spezielle Stellen mit tiefen Brüchen und Auswaschungen, die man wirklich überwinden muss. Hat es geregnet, kann es extrem matschig werden. Viele Strecken sind schlicht nicht mehr zu befahren und game drives werden abgesagt. Trotz der guten Straßenzustände haben wir in all den Wochen weniger als 10 Selbstfahrer getroffen. Fast alle Reisenden sind mit Fahrer unterwegs. Die Mietwägen sind, was Reifen und auch Batterie angeht, in schlechtem Zustand. Vier Reifenpannen im Urlaub sind keine Seltenheit. Wenn dann das Reserverad keine Luft hat….. Man verliert schnell einen Urlaubstag, wenn man weit entfernt aus der Stadt Reifen oder eine neue Batterie besorgen muss. Das trübt die Urlaubsstimmung.
Ugandas Nationalparks sind riesig. Die Tiere verteilen sich dort unheimlich gut. Die Fahrer sind alle vernetzt und gibt es eine Sichtung, spricht sich diese sofort herum. Als Selbstfahrer bekommt man solche Informationen natürlich nicht. Nur wenn man zufällig an Autoansammlungen vorbeikommt, erkennt man, dass es hier ein Kätzchen geben muss. Bleibt man stecken, holt man sich Hilfe und wird herausgezogen. Als Selbstfahrer muss man warten und hoffen, dass schnell jemand vorbei kommt. Es gibt praktisch keine Beschilderungen in den Parks. Aber wer sucht, der findet - irgendwann.
Die Vorteile, dass Uganda nur wenige Touristen hat und relativ leer ist, haben auch ihre Nachteile. Die Tiere sind Touristen in Autos nicht gewohnt, sind scheu und hauen sofort ab, wenn man sich ihnen nähert. Fotografieren und beobachten wird somit oft schwierig(er).
Uganda ist ein unglaublich abwechslungsreiches Land. Lake Albert, als tiefster Punkt liegt auf 620m, während die höchsten Gipfel des Rwenzori Gebirges über 5000m in den Himmel ragen. Wir bewegen uns zwischen 620m und 2300m und legen immerhin gut 1700 Höhenmeter zurück. Dort oben wird es ziemlich frisch und man freut sich über eine Wärmflasche im Bett. Der Wechsel der Landschaften von senkrecht abfallenden Bergen, tiefen Tälern, Teepflanzen, die die Hänge wie ein leuchtend grüner Teppich bedecken, dichtestem Regenwald zu weiter Savanne und riesigen Seen ist unglaublich. Im Norden zur Grenze Süd Sudans herrscht Halbwüstenklima, während am Lake Victoria Jahresniederschläge von 1300mm normal sind.
Verlässt man die Stadt Kitgum erreicht man das wilde, unverfälschte, ursprüngliche Afrika, wie ich es noch nie erlebt habe. Ein Afrika, wie man es aus Dokumentationen kennt, Ich habe nie erwartet, es einmal selbst erleben zu dürfen. Erst in Moroto gelangt man wieder in die Zivilisation - und damit meine ich die Afrikanische.
Die Begegnung mit den Gorillas, den Schimpansen und auch den Nashörnern waren unglaublich intensive Erlebnisse. Unvergesslich, eindrücklich, ergreifend vor diesen Tieren zu stehen. Ein absoluter Lebenstraum ging hier in Erfüllung.
Unsere Game Drives waren schön und es gab vor allen Dingen mit den Leoparden und den vielen Elefanten wunderschöne Tiersichtungen. Die krassen Berge im Süden habe ich so nicht erwartet und sie waren landschaftlich ein absolutes Highlight. Die Begegnungen mit den Menschen und der Kultur waren für mich ein weiterer Höhepunkt dieser Reise. Auf diese Weise und so intensiv habe ich Afrika bisher nie erlebt. Vor allen Dingen unser Aufenthalt bei den Karamojong hat tiefe Eindrücke hinterlassen.
Diese knapp vierwöchige Reise war unglaublich intensiv und fordernd auch für den Kopf. Oft bin ich abends wie ein Stein ins Bett geplumpst, wollte eigentlich noch nachdenken und den Tag Revue passieren lassen. Bevor ich jedoch angefangen habe, bin ich schon eingeschlafen. Das gibt es natürlich auf jeder Reise. Aber in Uganda kam es besonders häufig vor. Jeder Tag hielt unterschiedliche Erlebnisse bereit. Wir haben viele Tiere gesehen, die wir vorher noch nie gesehen haben. Dieses bunte, fröhliche Land hat mich ziemlich in seinen Bann gezogen. Ich bin zwar körperlich wieder zurück, aber mein Kopf und auch mein Herz sind in Uganda geblieben. War dies nun eine Liebeserklärung an Uganda? Das darf jeder für sich entscheiden.
Vielen Dank, dass ihr mit uns gereist seid. Auf eure Kommentare habe ich teilweise nur sehr kurz und knapp geantwortet. Ihr möget mir verzeihen. Zum einen hat mir oftmals schlicht die Zeit gefehlt und immer wieder auch die Worte. Es antwortet sich während einer Städtereise leichter, als bei Natur und Tieren. Was soll ich schreiben, wenn der Elefant an sich schon so schön war, dass alles gesagt ist. Nach unserer Begegnung mit den Gorillas und den Schimpansen haben mir ohnehin die Worte gefehlt.Read more










































Andrea Travel ImpressionsDanke für euren Bericht. Super geschrieben, gespickt mit vielen Informativenen. Es sind auch unsere Erfahrungen: je ärmer das Land und seine Menschen, desto freundlicher und herzlicher ist es. Liebe Grüße
TravelerDa hast du absolut Recht. Die Menschen haben für mich diese Reise ausgemacht. Ich wünsche euch weiterhin eine tolle Reise. Liebe Grüße nach Canada
TravelerDanke fürs mitnehmen. Schöne Reise. Würdet du alles wieder so machen?oder was würdest du anders machen?
TravelerIch würde alles wieder so machen. Mir fällt gerade nichts ein, was wirklich fehlt oder schlecht war.
TravelerWie lange hast du für die Vorbereitung und Planung gebraucht?
TravelerKeine Ahnung…. Erst lesen, überlegen, Route zusammenstellen. Zwei Wochen und dann kommt Finetuning. Ich kann es nicht sagen.