• Dorfleben

    August 1 in Uganda ⋅ ☁️ 20 °C

    Unser wunderschönes Hotelzimmer lässt uns auf zwei Bereiche des Sees blicken. Am frühen Morgen sind Fischer unterwegs und leichter Nebel wabert über dem Wasser. Eine wunderschön mystische Stimmung. Als wir am Ufer entlanglaufen ist es abgesehen vom Gesang der Vögel und den lauten penetranten Rufen des Ibis absolut still.
    Über rotbraune Sandpisten stauben wir uns wieder den Berg hinauf und fahren durch einige kleine Dörfer. Am Tand der Piste laufen jedes Mal, wenn sich unser Auto bemerkbar macht Kinder zusammen, winken, lachen, rufen hello, how are you oder Hello muzungu (Weiße). Wenn wir zurücksinken, strahlen die Gesichter. Es wird immer steiler und teilweise ist die Piste vom starken Regen extrem ausgewaschen. Tiefe Brüche müssen umfahren werden. Zum Glück hat das Auto viel Bodenfreiheit. Schließlich erreichen wir unser Ziel, ein kleines Dorf, in dem der Schmid auf uns wartet. Sofort sind wir von Dutzenden Kindern umringt. Ich weiß kurz überhaupt nicht, wohin mit mir. Der Schmid führt uns zu seiner Werkstatt und zeigt uns wie man seit Generationen Messer, Webnadeln und Sicheln herstellt. Im Moment gibt er die Kunst an seine Tochter weiter. Sie zeigt uns, wie man den Blasebalg bedient. Das Kohlefeuer brennt in einem kleinen Erdloch. Dorthin führt eine tönerne Röhre und auch die Blasvorrixjtungen sind aus Ton gemacht. Alles andere würde der Hitze nicht standhalten. Oberhalb der beiden Rohre ist alles mit Leder abgedeckt und zwei Stecken angebracht. Diese bewegt man rhythmisch auf und ab und bläst sehr zielgerichtet Sauerstoff in die Kohle. Es brennt perfekt. Das Eisen glüht. Während wir abwechselnd das Feuer in Gang setzen, Babys auf dem Arm haben und von unzähligen Kindern beobachtet werden, entstehen Messer, Sichel und Webnadel. Die Sicheln haben alle die absolut identische Form. Handarbeit Absolut gekonnt. Natürlich müssen die Kinder testen, ob wir genauso Mensch sind wie sie. In diese abgelegenen Dörfer verirren sich keine muzungus. Ständig spüre ich warme oder auch kalte Kinderhände irgendwo an mir. Sie sind begeistert, wenn ich ihnen ein Foto von ihnen zeige. Genauso groß ist die Begeisterung, als wir das Feuer perfekt in Gang halten. Ein tolles Erlebnis so Teil einer Dorfgemeinschaft zu sein und an der Ausübung eines Jahrhunderte alten Handwerks teilzuhaben. Es macht riesig Spaß. Viel zu schnell müssen wir uns von den vielen Kindern verabschieden.

    Auf dem Rückweg kommen wir an einem Haus vorbei, in dessen Vorgarten Sorghum Samen getrocknet werden. Nach der Trocknung werden sie in Wasser eingelegt und mehrere Tage gerührt. Das Ergebnis ist Buschera. Ein traditionelles nur in Süduganda angebautes Bier. In Kabale möchte ich dieses unbedingt probieren. Heute ist Samstag und es finden viele Feste und Hochzeiten statt. Einige Pisten sind gesperrt und so muss ein neuer Weg her, der immer wieder tolle Ausblicke biete, aber extrem steil ist. Die Bremsen leisten super Arbeit. Ab und an hilft der 4x4 mit. Schließlich erreichen wir die quirliger Stadt Kabale. Unser Sheila ist der Markt. Aber vorher benötige ich dringend Geld. Der TM ist schnell gefunden. Doch er will kein Geld ausspucken. Leider gibt er mir auch zunächst meine Karte nicht zurück. Doch schließlich hat er Erbarmen. Gott sei Dank. Ich liebe Bargeld. Und somit packe ich meine Euros aus, gehe in die Wechselstube und bin nach kurzer Zeit endlich mal wieder Millionärin. Herrlich.

    Der Markt ist sauber, perfekt sortiert mit riesiger farbenfroher Auswahl an Obst und Gemüse. Die Menschen freuen sich über uns. Eine ältere Dame flippt beinahe aus und bedankt sich mehrfach, dass wir Uganda bereisen. Viele erklären uns, um welches Obst/Gemüse es sich handelt. Die Menschen sind extrem freundlich und fröhlich. Und klar - es gibt hier unendlich viele Kinder, die während des Tages auf dem Markt unterwegs sind und darauf warten, dass die Mutter mit Verkaufen fertig ist. Alle winken und strahlen, müssen ebenfalls testen ob wir aus Fleisch und Blut sind und lassen sich zu meiner großen Freude liebend gerne fotografieren. Inmitten von Obst und Gemüse entdecke ich ein Baby, das zufrieden schläft. Auch einige Verkäufer halten ein Nickerchen. Besonders lecker sind die vielen unterschiedlichen Bananenarten, durch die wir uns durchprobieren. Besonders fein si d die Baumtomaten. Sie wachsen nur in Uganda. Ich entdecke eine kleine Schneiderei, in der die Nähte liebevoll mit einem uralten Kohlebügeleisen glattgebügelt werden. Natürlich weiß ich, wie das funktioniert, gesehen habe ich es aber noch nie.

    Das Bier fehlt noch. Es sitzen nur Männer in der hmmm was ist das? Kneipe kann man es kaum nennen. Alle sitzen im Kreis und haben einen 2 Liter Humpen Buschera vor sich. Alle teilen alles. Es wird aufgefüllt, herumgereicht, getrunken. Wir erhalten unser Gebräu in einem traditionellen Holzkrug. Ein Riesenpott. Zum Glück teilt Afrika alles. Moritz findet neue Freunde und teilt die Handynummer, während ich einen zweiten Pott Bier namens Enturire bestelle. Er enthält mehr Alkohol, weil ihm Honig hinzugefügt worden ist und es dadurch anders fermentiert. Der erste Schluck ist gewöhnungsbedürftig. Buschera erinnert geschmacklich sehr an Airag (vergorene Stutenmilch) aus der Mongolei. Das Honiggebräu verschreckt mich im ersten Moment, weil ich das Gefühl habe jede Menge Sand im Mund zu haben. Also schnell schlucken, umrühren und weiter probieren. Dann schmeckt es mir. Nachdem einiges getrunken ist, übergeben wir die Krüge an die Gemeinschaft. Es wird nicht lange dauern, bis sie leer sind.

    Nach einem spannenden Tag geht es zurück zur Lodge. Zum Abendessen gibt es für mich heute Hühnerbrühe. Ich komme diesen Urlaub leider überhaupt nicht mit der Malariaprophylaxe klar. Bisher hatte ich nie Probleme. An Nebenwirkungen nehme ich im Moment alles mit, was geht. Ich hoffe, das ändert sich noch. Sonst muss ich das Zeug absetzen und mir etwas Neues überlegen. So geht es nicht.
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