Das Königreich Buganda - Kasubi Royal Tombs
August 23 in Uganda ⋅ ☁️ 28 °C
Das Königreich Buganda ist eine der bedeutendsten historischen und kulturellen Regionen Ostafrikas. Seine faszinierende Geschichte reicht bis ins 14. Jahrhundert zurück. Gelegen im zentralen Teil Ugandas am Nordwestufer des Viktoriasees, hat sich Buganda über Jahrhunderte hinweg zu einem einflussreichen und mächtigen Königreich entwickelt. Der Name des modernen Staates Uganda leitet sich vom Swahili Ausdruck für Buganda ab. Die Bewohner heißen Baganda und ihre Sprache Luganda. Die Anfänge des Buganda Königreichs sind in Legenden und mündlichen Überlieferungen verwoben. Es wird angenommen, dass Kintu das Königreich gegründet hat. Kintu ist eine zentrale Figur in der Mythologie der Baganda und wird als der Urvater angesehen. Unter seiner Führung und der seiner Nachfolger begann Buganda, seine Gebiete und seinen Einfluss auszudehnen. Während des 15. und 16. Jahrhunderts erlebte Buganda eine Phase der Expansion. Die Könige von Buganda, bekannt als Kabakas, führten Kriege gegen benachbarte Stämme und Königreiche, um ihr Territorium zu vergrößern. Diese Expansion führte zu einer Konsolidierung der Macht und einer stärkeren Zentralisierung der Herrschaft. Die Kabakas etablierten ein komplexes Verwaltungssystem, das aus verschiedenen Clans bestand, die jeweils spezifische Aufgaben und Verantwortlichkeiten hatten.
Im späten 19. Jahrhundert kam Buganda in Kontakt mit europäischen Kolonialmächten, insbesondere den Briten. Der damalige Kabaka, Mutesa I, erkannte die Vorteile einer Zusammenarbeit mit den Briten und schloss strategische Allianzen, um die Macht und den Einfluss Bugandas zu sichern. Diese Allianz wurde während der Regierungszeit von Mutesas Nachfolger, Mwanga II, weiter ausgebaut, obwohl es auch Konflikte und Spannungen gab. Die Briten erkannten die administrative Effizienz und die zentrale Stellung Bugandas an und nutzten das Königreich als Basis für ihre koloniale Verwaltung in der Region. Im Jahr 1900 wurde das Buganda Agreement unterzeichnet, das Buganda zu einem offiziellen Teil des britischen Protektorats Uganda machte. Dieses Abkommen gewährte dem Königreich eine gewisse Autonomie und sicherte den Kabakas und ihren Chiefs Land und Privilegien.
Nach Ugandas Unabhängigkeit im Jahr 1962 spielte Buganda weiterhin eine bedeutende Rolle in der nationalen Politik. Jedoch führte die zunehmende Zentralisierung der Macht durch die nationale Regierung zu Spannungen mit dem Königreich. 1966 kam es zu einem Höhepunkt dieser Spannungen, als der damalige Premierminister Milton Obote den Kabaka Mutesa II stürzte und das Königreich abschaffte. Erst 1993, nach Jahren der politischen Instabilität und des Bürgerkriegs, wurde das Buganda Königreich unter der neuen Verfassung Ugandas wiederhergestellt. Heute hat Buganda eine kulturelle und symbolische Rolle im modernen Uganda und setzt sich für die Bewahrung der Traditionen und die Entwicklung der Region ein.
Die Gräber wurden 1882 als Palast für Kabaka Mutesa I errichtet und nach seinem Tod 1884 zur königlichen Grabstätte umgewandelt. Dadurch entwickelte sich die Stätte zu einem wichtigen kulturellen und spirituellen Zentrum. Im Laufe der Zeit wurden weitere drei der Buganda-Könige hier begraben: Mwanga II (1903), Daudi Chwa II (1939) und Sir Edward Mutesa II (1969). Jeder Kabaka wird nach seinem Tod in einem speziell gestalteten Grab beigesetzt, das seine Herrschaft und seine Beiträge zur Gesellschaft würdigt. Der aktuelle Herrscher ist Kabaka Ronald Muwenda Mutebi II.
Während unseres Besuchs der Kasubi Gräber wird uns klar, dass die Traditionen des Königreichs Buganda keine Vergangenheit, sondern absolute Gegenwart sind. Buganda ist das größte traditionelle Königreich in Ostafrika. Die Gesellschaft im Königreich ist in Clans aufgeteilt. Diese existieren seit Jahrhunderten. Sie entstanden aufgrund von positiven oder negativen Erlebnissen einer Person. Ein Mann geht auf die Jagd, steht plötzlich vor einem Löwen, der ihn fressen wird. Sein Leben scheint beendet. Doch da springt eine Antilope hervor, erregt die Aufmerksamkeit des Löwen, wird gefressen und rettet dem Jäger das Leben. Dieser hat daraufhin eine tiefe Verbundenheit zu Antilopen. Die Geschichte wird über Generationen weitergegeben. Der Clan der Antilopen ist entstanden. Er wird niemals eine Antilope essen. Der Clan der Pilze entstand aufgrund eines negativen Erlebnisses. Der Pilzesser starb. Auch diese Geschichte wurde über Generationen weitererzählt. Pilze wird dieser Clan niemals essen. Es gibt 52 Clans in Uganda, die an den Gott Tonda glauben. Jeder Clan hat einen Präsidenten, der unterschiedliche Minister ernennt. Der Präsident vertritt den Clan in der Regierung. Jeder Clan ist wie ein eigenes, kleines, regiertes Land. Ein Staat innerhalb des Staats. Innerhalb eines Clans darf niemals geheiratet werden. Das wäre Inzest. Der Name des Clans wird vom Ehemann an die Frau weitergegeben.
An der Spitze aller steht der König. Ihm unterstehen alle Clans und er besitzt sämtliche Freiheiten. Sein Nachfolger wird nicht der erstgeborene Sohn (die Könige wurden ansonsten bereits in jungem Alter ermordet), sondern der Letztgeborene. Man konnte sich also nie sicher sein, ob man wirklich der Letzte ist. Der König hat im Moment 85 Frauen und 127 Kinder. Der künftige König gehört einem anderen Clan an, da im Fall des künftigen Köngis die Mutter die Namensgeberin des Clans des letztgeborenen Sohnes ist. Somit kann jeder Clan einen König stellen.
Das Grab der Könige befindet sich im größten Strohhaus der Welt, genannt Muzibu Azaala Mpanga. (UNESCO Welterbe 2001) Es ist ein beeindruckendes Beispiel traditioneller afrikanischer Baukunst. Die kreisförmige Grundform ist aus natürlichen Materialien wie Holz, Schilf und Stroh gebaut. Diese Bauweise spiegelt nicht nur die handwerklichen Fähigkeiten der Baganda wider, sondern auch ihren Respekt für die Natur und ihre Ressourcen. Die reiche Geschichte und spirituelle Bedeutung des Ortes für die Baganda wird spürbar. Hier ruhen vier Könige mit ihren Schätzen und Grabbeigaben. Könige sterben niemals, sie verschwinden. Der erste König ist nicht von der Jagd heimgekehrt und der zweite nicht von der Suche nach Heilkräutern. Beide sind verschwunden. Der König disappeared bis heute und stirbt niemals. Sie sind im ehemaligen Palast beerdigt. Dieser besteht aus Lehmrundhütten. Die größte Hütte auf der Welt beherbergt die Gräber der Könige. Da es 52 Clans gibt, ist dieser Ort auf 52 Säulen gebaut. Jeder Clan hat seine bestimmte Säule. Der Leopardenclan ist für die Innenausgestaltung verantwortlich. Der Kolobus Clan richtet das Strohdach. Die Antilopen sind bei Festen für das Bier verantwortlich. Der Büffelclan transportiert/trägt den König. Sobald der aktuelle König diese Rundhütte betritt, ist er nur noch ein Prinz. Die toten Könige sind die wahren Könige.
Jedem Clan gehören zwei bedeutende Orte. Ein Ort, an dem der Clan zu Hause ist und ein Ort, an dem Clangründer ruht. Die Kontaktaufnahme zu den Ahnen spielt bis heute eine sehr große Rolle. Die Ahnen kennen sämtliche Familienmitglieder. Sie geben Ratschläge und helfen bei Entscheidungen, sprechen aber auch Verbote aus. Hält man sich nicht daran, hat dies Konsequenzen. Soll man nur zwei Kinder haben und bekommt vier, sterben zwei der Kinder. Behandelt man seine Frau schlecht, kann es sein, dass man kein Geld mehr verdient. Je ein Familienmitglied hat die Fähigkeit mit den Ahnen in Kontakt zu treten. Wenn es die Ahnen treffen will, fällt es in eine Art Ekstase. Da die Ahnen gerne Bier trinken und rauchen, muss das Familienmitglied während der Kontaktaufnahme ebenfalls Bier trinken und rauchen. In allen Häusern stehen in einer Ecke immer ein Krug mit Bier und Wasser. Auch in den Gräbern. Jeden Tag müssen die Krüge aufgefüllt werden, da die Ahnen sie leergetrunken haben.
Alle heute im Palast lebenden Personen sind auserwählte Personen, die von den Vorfahren abstammen. Stirbt eine Frau des Königs, rückt eine Schwester auf deren Platz nach. Außenstehende können keinen Platz im Königspalast einnehmen.
So stehen wir hier im großen Saal der Geschichte, mit staunenden Augen und leicht geöffneten Mündern – vor Überraschung und aus Respekt vor der Tiefe der Ereignisse. Hier begegnen sich Vergangenheit, Stimmen und Spuren in einem stillen Raum und lassen uns für einen Moment innehalten. Ein Ort, der mehr erzählt, als man auf den ersten Blick sieht – und einer, dessen Kapitel man nicht im Vorübergehen erfassen sollte …
Ich muss zu meiner Schande gestehen, dass ich bisher noch nie vom Königreich Buganda gehört habe. Dieser Ort war besonders beeindruckend. Mit diesem Kapitel der Zeitgeschichte, das ja gar nicht Geschichte, sondern auch Gegenwart ist, werde ich mich noch weiter beschäftigen. Wenn ich Zeit gehabt hätte, wäre ich einen Tag später sehr gerne nochmals dorthin gefahren. Es sind noch so viele Fragen in meinem Kopf, auf die ich jetzt leider keine Antwort bekomme. Ich bin zutiefst beeindruckt und es fehlen nicht nur das Wissen, sondern auch die Worte.Read more






















TravelerDas ist ein unglaublich interessanter Bericht. Vom Königreich der Buganda hatte ich auch noch nie etwas gehört. Das macht neugierig noch mehr darüber zu erfahren!!🤩
TravelerSo ging es mir auch. Mit Geschichte hatte ich hier überhaupt nicht gerechnet. Sie ist so reich und uns völlig unbekannt.
Traveler
Sehr schöne Aufnahmen der Architektur!
Traveler🙏