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Overloon

A short but fine adventure by Part-time traveller & Nofretete007 Read more
  • Trip start
    July 11, 2026

    Overloon

    July 11 in the Netherlands ⋅ ☀️ 24 °C

    Ich gestehe, von Overloon habe ich noch nie gehört. Wer mich kennt, weiß jetzt natürlich sofort, wer dieses Reiseziel ausgewählt hat. Klar - Moritz - und klar, es wird geschichtlich.
    Als Reise kann man diesen Roadtrip nicht bezeichnen. Dauert er doch nur einen Tag und unterbietet damit sogar noch unseren Kurztrip ins Elsass. Vermutlich gehört unser Overloon Tagestrip gar nicht hier her, aber ich war so begeistert von diesem Ort, dass ich beschlossen habe, einen Pinguin zu schreiben.

    Sehr zeitig am Morgen fahren wir also los, um nach kurzen 4 Stunden Fahrt die Niederlande zu erreichen. Da die Klimaanlage unentwegt aktiv ist, leert sich mein Tank beängstigend schnell und ich muss tatsächlich tanken. Bei 2,55€ pro Liter findet meine Kreditkarte das überhaupt nicht lustig. Es fließen nur 7l in den Tank. Das erledige ich dann doch besser in Overloon. Ein kleiner beschaulicher Ort, viel grün, Klinkerhäuser in rot, Hortensien in allen Farben, rotgepflasterte Straßen und viele Fahrräder. Ja, das ist Holland. Kurz vor der Öffnungszeit sind wir vor Ort und erledigen noch schnell das Tankproblem. Ich muss das Preisschild für Super dann schon ganz scharf ansehen, um wirklich zu glauben, was da steht: 2,35€. In einer normalen Kleinstadt. Echt jetzt? Es hilft nichts. Dieses Mal tröpfle ich sorgsam meine 20€ in den Tank.

    Oorlog - das bedeutet Krieg. Wir sehen uns ein Museum über die NS Zeit in Holland an, in dem besonders viele Kriegsfahrzeuge ausgestellt sind. Wer wie ich kein Fan solcher Fahrzeuge ist, bei dem kommt jetzt bestimmt nicht viel Begeisterung auf. Doch der Fuhrpark ist nicht alles. Ich hatte keine Ahnung, wie sich die Niederlande nach dem Deutschen Überfall politisch entwickelt haben.
    Arthur Seyß-Inquart sollte nun die Niederlande verwalten und zu einem Teil des Deutschen Reichs machen. Unter Anton Mussert entstand die niederländische NSDAP, die Nationaal-Socialistische Beweging NSB. Sie kam in ihrer Hochphase auf immerhin 75.000 Mitglieder. Es etablierte sich auch ein Ableger der SS mit 8000 Mitgliedern und eine Hitlerjugend, der Nationale Jeugstorm NJS. Im Gegensatz zu Deutschland war die niederländische Bevölkerung gegen Hitler eingestellt. Bei der Entlassung jüdischer Professoren an den Universitäten protestierten die Studenten. Ebenso kam es zu großen Streiks in Amsterdam, als die Judendeportationen begannen. Die Niederländische Königin im Exil in London schloss sich sofort dem Widerstand an und informierte ihr Volk über den Radiosender Radio Oranje. Viele Niederländer flohen nach London und bauten den Widerstand auf. Vor Ort bildeten sich ebenfalls viele Gruppierungen, die Informationen nach London schickten.
    In sehr interessanten Filmproduktionen wird der Überfall auf Overloon dargestellt. Es handelt sich um interaktives Kino, bei dem man die Räume wechselt, durch Minen und Ruinenfelder läuft und „Teil der Geschichte“ wird.
    Besonders beeindruckend fand ich die Anlandung der Alliierten in der Normandie am D-Day. Zunächst sind wir Teil der Vorbereitungen in England, dann besteigen wir selbst eines dieser Schiffe. Die See ist rau, eisiger Wind pfeift uns um die Ohren und Gischt bespritzt uns. Ja wirklich, wir werden nass gespritzt. Nach dieser unruhigen Überfahrt verlassen wir mit den Soldaten das Boot. Die Frontseite wird geöffnet und es geht durch das Wasser unter Beschuss an den Strand. Quer durch die feindlichen Linien unter Dauerbeschuss, quer durch das Minenfeld erreichen wir die Normandie. Ein sehr eindrückliches Erlebnis.

    Während sich in Deutschland ja niemand am Krieg beteiligt hat, niemand Hitler kannte, keiner Parteimitglied war und auch eine Judenvernichtung in den Konzentrationslagern nicht bekannt war, so unbekannt waren Kriegsabzeichen, Fotos, Bilder, „Mein Kampf“ - alles wurde vernichtet. In den Niederlanden hingegen hat man aufgehoben und gesammelt. Die Panzer begeistern mich eher weniger. Aber die vielen Fahrräder mit Befestigungsvorrichtungen für Krücken, Gewehre, Maschinengewehre, Munition, Krankentransporte …. Das fasziniert. Die Unmenge an vorhandener Munition. Feldküchen in unterschiedlichsten Transportmitteln. Das habe ich so noch nirgends gesehen. Auch die unglaubliche Größe eines Amphibienfahrzeugs, in dem Panzer durch Flüsse transportiert wurden, ist extrem beeindruckend. Nach und nach wächst auch meine Begeisterung für diverse Panzermodelle, Kanonen und die Lichter der Flag. Moritz macht mich immer wieder darauf aufmerksam, wo wir den verschiedenen Panzern bereits begegnet sind. Sei es in Singapur auf Sentosa Island oder im Film „Tiger“, den wir vor einiger Zeit im Kino angesehen haben. Somit finde auch ich Zugang zu den gepanzerten Ungetümen und kann seine Begeisterung für die Details teilen.
    Während der Scheinwerfer der Flag seine kreisrunden Lichtkegel Richtung Himmel schickt, heulen die Sirenen. Detonationen sind zu hören. Kriegsutensilien werden hier in Särgen präsentiert. In einem Kindersarg wird die Gasschutzkleidung für Kleinkinder ausgestellt. Bleiben die Detonationen aus, klimpert im Hintergrund die Deutsche Nationalhymne. Eine sehr eindrückliche Darstellung der Geschichte. Weshalb ist dieses Museum nicht Pflichtprogramm im Geschichtsunterricht? Nach diesem Besuch muss nichts mehr gesagt werden.

    Typisch für die neutrale Position der Niederlande: es gibt hier keinerlei Schuldzuweisung, keine Vorwürfe. Die Geschehnisse werden richtig beim Namen genannt. Nichts wird beschönigt, nichts verschwiegen. Das Oorlog Museum - ein Ort, den man besichtigt haben sollte.
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  • Overloon ll

    July 11 in the Netherlands ⋅ ☀️ 27 °C

    Wir dachten alle, dass wir das Richtige tun würden.
    Aufgehetzt, gedrängt
    Hinter Flaggen… Uniformen
    Auge um Auge
    Zu blind zu sehen, dass gegen den anderen zu gewinnen vor allem verlieren bedeutet.
    Dieses Museum entstand auf dem Schlachtfeld von Overloon. Seit 1946 erzählen wir hier die Geschichten des 2. Weltkriegs, gegen das Vergessen. Unsere Kollektion besteht aus den Spuren der Schlachten, den stillen Zeugen der Kämpfe, der Unterdrückung und des Hasses.
    Erkenne, dass jeder dieser Gegenstände Menschenleben beeinflusst hat. Über die Entscheidung zu kämpfen, zu flüchten oder Widerstand zu leisten. Um Richtung Freiheit und Sieg zu gehen.
    Oder eine Narbe der Vernichtung. Was du hier siehst, ist nur ein Ausschnitt von dem Kampf, den Gräueltaten, von der Zerstörung, in der Millionen von Menschen ihre Namen und Gesichter verloren. Das…. nie mehr. Und doch. So selbstverständlich ist es nicht. Die Geschichte wiederholt sich. Manchmal näher bei uns als wir denken. Wir dachten alle, dass wir das Richtige tun würden. Und auch heute denken wir es. Aber tun wir auch das Richtige für den anderen? Lässt du den anderen frei? Stehst du für die Freiheit eines anderen ein? Freiheit bedeutet auch Verantwortung zu übernehmen. Was du denkst, was du sagst, kann zu einer Sperre werden. Mauern der Angst. Zäune des Hasses und der Unterdrückung. Erkennen wir, dass das, was wir sagen und denken auch Wirklichkeit werden kann? Sind wir bereit aufeinander zu zugehen und Mauern zu durchbrechen? Wann hört es auf? Krieg gehört in ein Museum, aber außerhalb kommt es auf dich an.

    Leider kann ich das Video zum Text nicht hochladen, da es zu lang ist.
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  • Aachen

    July 11 in Germany ⋅ ☀️ 30 °C

    Eine Fahrstunde zurück nach Deutschland und 1000 Jahre rückwärts in der Geschichte stehen wir im Dom von Aachen. Er wurde 1978 als erstes deutsches Welterbe in die Liste der UNESCO aufgenommen. Zu Recht. Was für ein ungewöhnlicher Bau. Das festungsartige Oktogon, erbaut von Kaiser Karl dem Großen um 800, macht das Herz des Domes aus. Verschiedene Anbauten aus der Gotik vollenden den Bau. Das Oktogon ist klein, mit wunderschönen Mosaiken verziert, wie man das aus Kirchen in Deutschland überhaupt nicht kennt und im ersten und zweiten Stock von Säulengängen umrandet. Der riesige Barbarossaleuchter hängt in der Mitte des Oktogons. Der Radleuchter wurde im 12. Jahrhundert von Kaiser Barbarossa gestiftet. Er symbolisiert das himmlische Jerusalem. Im Dom befinden sich die sterblichen Überreste Karls des Großen und sein Thron, auf dem er und die nachfolgenden 30 römisch-deutschen Kaiser gekrönt worden sind.

    Nicht nur der Dom begeistert. Aachen hat eine wunderschöne Altstadt. Bei diesen heißen Temperaturen wähnt man sich gar nicht in Deutschland. Aber wie so manch eine Autobahn den heißen Temperaturen nicht gewachsen ist und sich gegen sie aufwölbt, ergeht es plötzlich auch Moritz Schuh. Der komplette Schuhleim, der die Sohle am Schuh hält, löst sich durch die Hitze ab und er steht ohne Sohle auf der Straße. Was nun? Die ersten Geschäfte schließen bereits und ich stürze im letzten Moment durch die schon halbgeschlossene Türe, erzähle vom Malheur und bitte um Schnur. Schnur gibt es nicht, aber Geschenkband. So umwickle und umknote ich den Schuh, um die Sohle wieder mit dem Rest zu verbinden. Doch das will nicht recht funktionieren. Beim Laufen verrutscht das Konstrukt und die Sohle liegt erneut auf der Straße. Also Marsch in das nächste Geschäft. Dieses Mal bitte ich um Klebeband. Mit eben diesem und Schere bewaffnet, mache ich mich erneut ans Werk. Wie ein Ersthelfer umwickle ich unprofessionell den verunfallten Schuh. Ein grandioses Wunderwerk entsteht. Doch es erfüllt seinen Zweck und hält bis zum Ende unserer Aachen-Besichtigung.
    Wir umrunden den wundervollen Dom, bummeln durch schmale Gassen, über viele Plätze, stehen begeistert vor dem traumhaft schönen Rathaus. Viele Bürgerhäuser wurden im Krieg verschont und säumen ganze Straßenzüge.
    Da die Römer schon immer wussten, wo man eine Stadt gründet, um im Luxus zu leben, so gibt es auch hier heiße Schwefelquellen. Man riecht so von Weitem. Doch anstatt sie stinkend wahrzunehmen, wähne ich mich plötzlich auf Cuba. In den Kurhallen wird Salsa aufgelegt und wer mag und kann, beginnt zu tanzen. Einfach so, mitten auf der Straße. Hier gibt es goldene Slipper, Birkenstocks, Sneakers, Sandalen, Espandrills, Turnschuhe, elegante Kleider, kurze Hosen, Jogginghosen. Alles vorhanden - aber uninteressant. Man tanzt. Erklingt das nächste Lied, bedankt man sich und sucht sich einen neuen Tanzpartner. Völlig frei, völlig ungezwungen, völlig antideutsch. Ich bin hin und weg. Und ja, wirklich ganz schnell weg. Denn die Gefahr aufgefordert zu werden und überhaupt nicht tanzen zu können ist zu groß. Schade.

    Mit Blick auf das Rathaus essen wir Trüffeltagliatelle und trinken einen schönen Cocktail. Ein perfekter Abschluss für einen rundum schönen, gelungenen Tag.
    Leider erwartet mich jetzt noch eine lange Autofahrt. Aber es ist ja lange hell und ansonsten halten mich die rasenden Belgier und Holländer wach, die hier völlig entfesselt über die Autobahn rasen.
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    Trip end
    July 11, 2026