• Im Zug Tag 1

    4.–6. sep. 2024, Canada ⋅ ☀️ 18 °C

    Klein AAABER mein. Das Abteil im Zug hat es in sich, vor allem die persönliche Toilette 😉😁
    Man hält sich dort aber die wenigste Zeit auf, weil Gesellschafts- und Aussichts- und Speisewagen die allgemeinen Treffpunkte sind. Es gibt auch die "billigen Plätze", abteillos, am Gang, für die, die einfach von A nach B wollen. Sieht nicht einladenden aus. Der ICE ist Welten besser.

    In Kanada ist die Eisenbahn vor allem für den Gütertransport. Fracht hat Vorrang, weil die Schienen den Transportbahnen gehören. Personenzüge sind quasi nur "geduldet" und müssen im Zweifel warten. Die ewig langen Güterzüge stapeln die Container auf Niederflurwagen zwei Stück übereinander. Das macht für die Wirtschaft durchaus Sinn.

    Man wird als Passagier gewarnt, dass Verspätungen durchaus möglich sind. "Wir sind ca 17.20 Uhr am nächsten Bahnhof. Alle Abfahrts- und Ankunftszeiten sind cirka", sagte die Betreuerin meines Wagens freundlich lächelnd. Und dann stehen wir wieder und sieben Minuten lang unterbricht der Güterzug rhythmisch die Sonne am Fenster.
    Im Zug gibt es kein WLAN. Ich kann erst morgen in Winnipeg wieder senden. Entschleunigung pur 🙂🤩

    Gleich hinter Toronto beginnt die Landschaft. Und davon hat Kanada viel und macht auch eifrig Gebrauch davon. Ein paar Villen-Wohnsiedlungen noch an der Autobahn, und dann Landschaft. Niedriger Bewuchs und lichte kleine Wälder, alles noch recht grün. Hin und wieder eine Landwirtschaft, Haus, Scheune und riesige Silos. Mais, Soja und Winterweizen wird vor allem angebaut. Und dann wieder Wald, endlose Kilometer um Kilometer Birkenwald, ein paar Nadelbäume dazwischen.

    Wer von europäischen Hochgeschwindigkeitsstrecken und ihrem ruhigen Schienenlauf verwöhnt ist, bekommt uriges Eisenbahnfeeling vermittelt. Ich wollte mit der Hand und dem Rollerball so ein kleines Tagebuch schreiben, Gedanken festhalten, schweifen lassen und wieder festhalten. Nach fünf Zeilen habe ich aufgegeben. Ich konnte selbst nicht mehr entziffern, was der Zug mir da diktiert hatte. Als sei ein Huhn nach einem Tritt in die Tinte davongerannt . Schon das Tippen aus der freien Hand ist nicht ohne - Autokorrektur oder nicht. Güterzügen ist das egal.

    Das Video gibt eine Idee, wie lang der Zug ist ... rund 800 Meter 😉😁
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