• Im Zug Tag 2

    September 5, 2024 in Canada ⋅ ☁️ 9 °C

    Fichtenwald. Stundenlang. Dazwischen Seen, kleine und etwas größere. Hinter jeder Biegung. Wie sich Mäxchen Kanada vorstellt. Dabei flacher Felsengrund. Die Loks haben wenig Arbeit. Und Regen. Gut, dass ich meine "heute ist ein schöner Tag"- Brille habe. Das gelbe Glas hellt das trübe Wetter auf, schärft die Konturen und unterstreicht die wenigen Farben, die grünen Nadeln der Fichten, die helleren der Lärchen, die Blätter der weißborkigen Birken und gelegentlichen Espen, deren Laub wie sprichwörtlich im Fahrtwind zittert. Dazwischen, ganz vereinzelt, die knallig roten Beeren der Ebereschen. Nur wenige Laubbäume sind schon im herbstlichen Wechsel. Gleich neben den Gleisen unzählige Wasserläufe, Biberdämme und Burgen, überflutete Wiesen.

    Der Tag gestern ging blöd zu Ende. Ich habe den Motor meiner Elektrozahnbürste in Toronto im Hotel vergessen. Der Stummel ist wenig hilfreich. Zum Glück gibt es im Zug sowas mit Holzstiel und ganz untechnisch zu kaufen.

    Ein Halt mitten im Nirgendwo. In den Bäumen ist eine Ansiedlung versteckt. Eine jetzt nasse Teerstraße führt in den Wald. Drei, vier Menschen in bunten Regenjacken steigen in aller Gemütsruhe ganz vorne zu. Eine lange Rolle irgendwas wird von anderen dort im Frachtwagen verstaut. Ich kann alles von unserem Aussichtswagen in der Zugmitte aus beobachten. Es gibt davon drei. Alles geht ohne jegliche von Fahrplänen diktierte Hektik. Wir fahren weiter, als alles erledigt ist. Der Regen bleibt. Die undurchdringlichen Wälder auch. Die beiden Loks pumpen dichte Wolken braunschwarzer Dieselabgase aus ihren Rücken.
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