Rocky Mountaineer Tag 2
12. september 2024, Canada ⋅ ☀️ 17 °C
Kanadische Nächte sind kurz. Nicht nur, weil der Sommer doch schon weit hinter uns liegt. Aber Züge fahren früh, obwohl der Weg das Ziel ist. Nach der Übernachtung in Kamloops wird die Gegend zunächst flacher und trockener. Stundenlang folgen wir dem Lauf des Thompson Rivers. Der gräbt sich durch eine Wildwest-Landschaft, die an die John-Ford-Klassiker erinnert. Hier und da haben Weißkopf-Seeadler in die Wipfel der spärlichen Bäume gebaut. Die Vögel jagen im Niedrigwasser führenden Fluss nach Beute, sind aber ohne gutes Teleobjektiv nicht zu bannen. Der felsige Flussgrund hält zu Hunderten die Reste einst mächtiger Bäume gefangen die astlos und bleich darauf warten, mit der Schmelzflut des nächsten Frühjahrs weiter dem Fraser River entgegen und dann in Richtung Pazifik zu reisen - falls noch etwas von ihnen übrig bleibt. Auf der anderen Flussseite arbeiten sich lange Güterzüge nach Norden. Rechts die Gesellschaft CN, links ist der Konkurrent CP Eigner der Straße aus Eisen.
Dann sind die Berge zurück und werfen sich Fluss und Zug entgegen. Die Enge heißt Devil's Gorge, Teufelsschlucht. Sie zieht Wildwassersportler an, vor allem im Frühsommer, wenn es hier brodelt und kocht und weißer Schaum die jetzt sichtbaren Felsen nur noch erahnen lässt. Die Schienen zwisch Flussufer und Steilwand werden von zahlreichen Überbauten und Tunnels vor Felsstürzen geschützt. Und auch die dichte Vegetation kehrt am Zusammenfluss von Thompson und Fraser zurück. Der Fraser führt jede Menge Sedimente mit, der Thompson ist klar, weil er auf seinem Weg in mehreren Seen die Möglichkeit hat, diese zurückzulassen. Und so dauert es mehrere Kilometer, bis sich die Wasser beider Flüsse durchmischen. Douglasien, Fichten Espen und Lärchen schauen zu.
Je näher wir dem Pazifik kommen, desto üppiger wird die Vegetation. Desto höher werden auch wieder die Berge, die die regenschweren Wolken aus dem Westen melken und für das Grün sorgen. Der Wald ist endlich so dicht, dass Sylvester Stallone seine ersten Abenteuer als Rambo hier bestehen konnte. Der Fraser wühlt sich weiter durch das Gestein, strudelnd und wirbelnd, bis er sich an einer breiteren Stelle vorübergehend ausruhen kann und schließlich den Canyon hinter sich lässt und träger wird.
Dann sind sie Berge plötzlich weg. Flaches Ackerland, wieder, bis zum Horizont. Mais, Blaubeerplantagen, Apfelbäume und auch Siedlungen und Industriebetriebe. Holz wird hierher geflößt und verarbeitet. Für die, die auf der Karte nachsehen wollen: Mission City.
Portman Bridge .... Vancouver wir kommen.Læs mere




















