• Cat Balloon

    21. September 2025 in Kenia ⋅ ⛅ 15 °C

    Guten Morgen Ihr Sonntags-(Ballon-) fahrer, hier ist Eure Charlotte!
    Keine Bange, wir sind keine Fans von heißer Luft und sind lieber am Boden geblieben. Aber schön sah es schon aus…. Dann wollen wir mal den Miezen den Puls fühlen… bis später dann🖖

    Es war noch so früh am Morgen, dass nicht mal der Schwarm Mousebirds aufschreckte, als wir an ihm vorüberknatterten. Bis zum Gate des Masai Mara Nationalparks querten wir die Kleinstadt, in der bereits am Straßenrand Brot gebacken und per Eselkarren Wasser ausgefahren wurde. Ein LKW wirbelte Staub auf und das gab uns Anlass, mit John zu teilen, was so alles an einem Sonntag in Deutschland nicht erlaubt ist….Der Pfarrer hatte schon das Gatter zu seinem Kirchengelände geöffnet, doch wer geht vor sieben Uhr zum Gebet? Ins Gebet nehmen müsste man die jungen Männer, die ihren Hirtenpflichten bereits nachgingen. Nicht weil sie in der einen Hand ihren bekannten Stab halten, nein, in der andren haben sie alle ein Mobiltelefon und wenn wir John Glauben schenken, ist TikTok auch in Kenia seuchenartig verbreitet.
    Nicht traurig waren wir, die zwar netten doch aufdringlichen Souvenierhändlerinnen am Parkeingang zu missen.
    Ein Dik Dik schaute scheu aus der Wäsche und suchte irritiert seinen (lebenslangen) Partner. Am ersten Wasserloch, was wohl ständig Wasser führte, hatten die weißen Lilien ihre Köpfchen noch nicht geöffnet und doch lag ein erster Blumenduft in der noch frischen Luft des anbrechenden Tages. Ein Nimmersatt, für Kenner ein Gelbschnabelstorch, suchte bereits seine ersten Opfer unter der Wasseroberfläche. Der Turako ließ sich vom Morgenwind sein Häubchen bürsten, um gleich darauf seinen gellenden Laut auszustoßen, um auch ja alle fünf im Auto wach zu halten. Ich wollte John zwar nicht unter Druck setzen, hab ihm aber erzählt, wie das Kapitel heute heißen soll. Da musste er liefern. Hat er auch…nicht ganz allein. Kurz nach sieben. Na ja, wir waren doch nicht die Ersten im Park und so muss ein Hippomädchen nur die Augen aufmachen, wo mehr als zwei Autos stehen oder die Ohren spitzen, denn am Wochenende sind viele Inder aus Naruk hier und die schnattern wie ein Schwarm Nilgänse. Nervig. Also, wo waren wir stehengeblieben? Ah ja, geliefert. Die ersten beiden Löwinnen, da waren die Reifen noch nicht mal warm. Wir ließen sie und die schnatternden Handyfotografen links liegen. Nur um gleich ein paar wenige Kilometer weiter ein weiteres Geschwisterpaar des Stammes „Lion“ zu passieren, die wahrscheinlich gut vollgefuttert unter einem rotlaubigen Strauch ihre erste Verdauungsrunde abschnarchten. Elstern schwirrten über das Autodach und so langsam waren alle wach. In Äquatornähe ist es ein einfaches Spiel. Sechs Uhr Sonne an, achtzehn Uhr Sonne aus. Knips. Peng. Keine Dämmerung. Dann kam meine Rechenaufgabe. Trgzwmkfaxdnrng - zig tausend Streifen gezählt. Durchrechnen, wie viel Streifen auf ein Zebra daraufpassen (Fragt mal die „Echse“) und dann habt Ihr raus, wie viele Streifenhengste wir gesehen haben. Tausend auf eins kommen schnell zusammen, könnt Ihr glauben. Nicht nur die Gnus wandern, die Streifenponnys auch. Diese Eindrücke bleiben wohl für immer, auch, weil das Braun der Savanne in weiten Strecken von einem zarten Grün abgelöst wurde und es dem friedlichen Anblick (und wenn der Motor aus war auch dem beruhigenden Geräusch) schwer zuträglich war. Postkartenkulisse 360°. Das ist Frieden für die Augen. Kurz gestört von zwei eifersüchtigen Hengsten, die sich mal so echt eins mit dem Huf gegeben haben. Alle Achtung!

    Die Hügel auf und ab, über kantigen roten Schotter in weichen Kurven ließen wir uns von der Sehnsucht treiben und nicht von einer „Ticklist“, wie sie sogar Reiseführer hergeben. Storch: check, Elefant: check, Leopard: check alles abgehakt, heimfahren, hinlegen.
    Wenn man sich entspannt bewegt, bekommt man von der Natur auch etwas zurück. Die Gnus und Zebras mäanderten über die Ebenen im Gänsemarsch. Faszinierend, atemberaubend und auch respekteinflößend. Wie klein man doch ist, so einem Naturschauspiel direkt beiwohnen zu dürfen.
    Ganz ohne Pisten - Rambos ging es dann auch wieder nicht ab. Doch wenn, bedenklicherweise, die Park Ranger dem Treiben kein Ende setzen (und zuschauen), wie Einzelne eben DOCH einen Meter weiter ins Gebüsch vorrücken müssen, um als Erster am Wild zu sein, muss der brave deutsche Soldat zuschauen und die Klappe halten. Wir sind allerdings alle sicher, dass Holger im nächsten Leben Ranger wird. Ob in Africa oder an der Warnow - aber er wirds!
    Mittagessen verständlicherweise eher als sonst, denn wer sein Spiegelei (ungern aber irgendwas muss ja rein) schon sechs Uhr verzehrt, braucht sechs Stunden später Nachschub. Hier haben wir ein neues Phänomen entdeckt… die Marabus sind geeicht auf die Bush - Lunch-Breaks der Touris. Anfangs fühlten wir uns geehrt über den Besuch dieses Vertreters der „Ugly 5“ (das sind die fünf hässlichsten Tiere Africa‘s, wir hatten sie schneller als die „Big five“). Später beobachteten wir an jedem der Bäume, unter deren Schatten sich Safarigäste zum Lunch niederließen, einen oder mehrere Marabus, die sich auf die (essbaren) Hinterlassenschaften freuten. Wir haben ein Experiment erfolgreich abgeschlossen (siehe Videobeweis mit Hühnerknochen)

    Gut gestärkt und den Pistenrambo verabschiedend konnten wir mit nur einem anderen Auto die Sichtung des begehrten Leoparden ins Heft schreiben ( doch ne Tick-List???) . Gestern Schwanz und Hintern, heute eine Breitseite.
    Irgendwie lag auch heute ein besonderer Schalk in der Sonntagsluft. Holger, John und Pferd rissen am Stück Witze, Kerstin und ich schüttelten nur den Kopf. Ist wohl so ne Männersache, der wir nichts abgewinnen konnten…..
    Liebe Sonntagsleser,
    Wir Mädels waren zum dritten und möglicherweise letzten Mal hier im Mara-Triangel. Ohne Erfolg, was die Beobachtung einer crossing betrifft. Doch die Eindrücke des Aufenthaltes sind ein Geschenk und das wird niemals hergegeben. Mara auf Wiedersehen, wir haben uns bei Dir sehr wohl gefühlt!
    Und ganz am Ende, als alles schon vorbei schien, als die Parkgrenze schon in Sichtweite war, gab es das Abschiedsgeschenk. An einer Brücke kam eine Löwin auf uns zu und wählte das Outback Africa Gefährt als Schattenspender. Es blieb uns gar nichts anderes übrig, um für Svenja, Marco und wie die tollen Leute in Bad Elster alle heißen, ein einmaliges Werbefoto zu machen. (Überlassungspreis Verhandlungssache…) Was für ein Goodbye !

    Am Nachmittag verholten wir in unser Kuschelcamp und verzichteten auf die Gratis-Massage zu Gunsten eines Sonnenbades am Pool. Wurden verwöhnt mit Obstspiessen zum kühlen Wein und genossen die wärmenden Sonnenstrahlen, während zu Hause der Herbst Einzug hält.
    Der Abend wird hoffentlich ruhig, sonst nehmen wir dem Gitarristen seine Klampfe weg!
    Morgen geht es Richtung Norden zum Lake Nakuru und wir sind alle gespannt, was uns dort erwartet. Dann genießt mal noch den Tatortabend, bis die GEZ-Kündigung greift und kommt gut in die Woche!
    Eure Charlotte mit Pferd und den beiden Anhängseln!
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