• Ein’n Rothschild in Ehren…

    23. September 2025 in Kenia ⋅ ☀️ 14 °C

    Hallo liebe Lang- und Kurz-, Wende- und (nicht) Geizhälse,
    Hier ist Charlotte ohne Halstuch, allerdings dafür mit einem wundervollen Perlenhalsband, falls Ihr das noch nicht gesehen hattet….

    Natürlich geht es nicht um den Roten aus Frankreich. wenn man Importwein aus Europa hier bestellt ist man auf SCHNIPP arm.
    Neee, heute haben es uns die Rothschildgiraffen angetan. Sie sind ganz ganz selten und wurden hier im Park ausgewildert oder eingebürgert. Ganz, aus welchem Winkel man es betrachtet. Wir hatten sie vor zwei Jahren in Nairobi besucht in der Aufzuchtstation und nun schauten wir, wie es denen hier in Freiheit so geht. Doch bereits bevor wir das Frühstück beenden konnten, stellte sich der erste Besucher ein. Eine Elen Antilope hatte sich wohl verlaufen und obwohl ziemlich jung aussehend, waren die Hörner schon ganz beachtlich. Wir erfuhren über das zutrauliche Tier, dass es als Waise hier mit der Flasche aufgezogen wurde. Ob den Jungs hier klar ist, dass diese Wesen bis zu einer Tonne schwer werden können? Ganz schöne Verdrängung, wenn die in den Pool springt. Hm.
    Vom Hof gerollt und Richtung Gate gerutscht für den letzten Game Drive dieser Reise, war die morgendliche Ruhe ein Geschenk. Der noch kühle Wind lässt die Adler auf ihren Baumspitzen weiter Aufsicht führen, noch nicht viel los mit Aufwinden. Das Gras war noch etwas feucht von der Nacht und doch hatten die Perlhühner schon alle Schnäbel voll zu tun mit Gefiederpflege. Einige Pärchen Kronenkraniche schwang sich über unseren Köpfen hinweg und ein Schakal war auf der Suche nach einem annehmbaren Frühstück. Die morgendliche Putzroutine inklusive Peeling und Massage bei den Zebras sah etwas zum Kichern aus. Aber sie wussten sich wenigstens zu helfen, ohne sich gleich in den Dreck zu schmeißen und zu wälzen, wie sie es sonst zu tun pflegen. Schlangenadler hatten auch noch nichts abbekommen (Gottseidank mussten wir bis heute keine Schlange sehen…obwohl beide Male, als eine Maus über den Weg huschte, wir die Augen zukniffen, ob was hintendrein schlängelt….)
    Zottelige Wegelagerer hinderten uns am Weiterfahren und scherten sich einen Kehricht, führten ihre Läusesuche am lebenden Pavian fort und ließen sich nicht verscheuchen. Unverrichteter Dinge folgten wir einem außerolympischen Wettkampf zweier Affenbengel im Freistilringen in der Klasse „unter 350 Gramm“. Bis, wie bei den Menschen, die Mütter einschritten und dem Gerangel ein Ende machten. Na ja, die müssen sich anstrengen und kämpfen, wie die meisten anderen, wenn sie Bestimmer sein wollen. Außer die Hyänen. Da biste Chefin durch Geburt. Dass die Männchen nichts zu melden haben, lassen wir beiseite. Aber die Queen Mum macht eben eine Queen und die eine Kronprinzessin. Peng. Ohne Stress.
    Zurück zu den Langhälsen. Wir waren es zufrieden, ausreichend der Spezies beobachten zu können. 12 auf einen Streich…In der Masai Mara haben die Masaigiraffen überall das schicke Muster. Doch die Rothschilder sind ausgestattet mit weißen Stiefeln bis zum Knie und auch das Bäuchlein ist farblos. Eben etwas edler könnte man sagen. Posen können alle gut, geduldig und wissend, dass fast Keiner ihnen was anhaben kann. Eine von so einem Langhals geditscht, Licht aus.
    Weiter ging es wie durch einen Märchenwald aus Akazien, wucherndem Grün und hohem Unterholz, dass alle Vogelstimmen hallten wie in der Elfi.
    Ein Schopfadler breitete seine Schwingen in der Morgensonne aus und wärmte das Gefieder und die Beute zwischen seinen scharfen Krallen auf. Wer will schon kaltes Essen? Dann schraubte John den Landcruiser auf einen Ausläufer des Grabenbruchs hinauf, etwas 100 Meter höher als die Piste. Der Name des Aussichtspunktes über den Lake Nakuru war vielversprechend: Viewpoint “Out of Africa”. Pustekuchen. Statt Picknickplatz, Ausguck und Toilette gab es : eine Löwin. Sie hatte Anspruch auf diesen Liegeplatz angemeldet und selbst WENN sie sich ins Dickicht geschlagen hätte, das Thema Aussteigen für heute war für uns erst mal ad Acta. Was haben wir wieder gelernt? Im Busch kann immer etwas Unvorhergesehenes passieren. Also Augen auf und Klappe zu! Wieder zurück geeiert kamen wir an einem Wasserfall vorbei. Und weil einige Touris sogar so unvorsichtig waren, sich einfach allein von der Truppe zu entfernen, beschlossen Pferd und ich für Euch heute ein Selfi zu machen. Schaut selbst!
    Auf unserer Tour die heute sechs Stunden am Stück dauerte, gab es noch zwei passable Löwinnen, ferne und nahe, spitze und breite Nashörner. Vögel aller Stimmlagen - nur keine Elefanten. Die gibts hier nicht, wäre kein Platz für die sanften Riesen. Die würden sich drei mal am Tag beim Hin- und Herwandern den Rüssel am Zaun klemmen, da bleiben sie lieber da, wo die Hügel weiter sind. Und dann kam der Moment, der bei jeder Safari irgendwann kommt, letzter Blick zurück und dann Kwaheri. Tschüß sagen, winken und Gatter zu. Kerstin sagt immer: „wunderschöne Stunden, nicht traurig, daß sie vorbei - sondern glücklich, dass sie gewesen.“ Dem ist wohl nichts hinzuzufügen. Und Safari heisst ja eigentlich „Reise“ und unsere ist noch nicht zu Ende.
    Wir bleiben noch hier und genießen ein weiteres Mal die mega tolle Küche von Sir Henry (geadelt hat ihn Holger…), weil das Fleisch hier nicht nur köstlich wie bei den anderen ist sondern auch zaaaaart. Wir haben ihn für den Chain de Rotisseur vorgeschlagen. Und er meinte, er braucht noch zwei für fünf gute Bewertungen, um befördert zu werden. Da wird doch was zu machen sein?
    Holger läßt sich, während ich Kerstin diktiere, eine „Masai Warriors Massage“ verpassen und falls er da heil durch kommt, werden wir bald am Lagerfeuer sitzen und die Fotos des Tages sichten und für unser Tagebuch auswählen. Morgen geht es nach Nairobi ins Karen Blixen Coffee & Garden Hotel. Da werden wir im Museum nebenan noch mal eine Blüte für den Robert hinlegen, da wo er den Film gedreht hat. Und dann werden wir vier uns drei Tage ausruhen, bis die Lufthansa uns wieder verschluckt. Also erst mal nen schöne Abend in die Heimat und bis denne!
    Eure Charlotte
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