• Elias

    May 14 in Greece ⋅ ⛅ 25 °C

    Ich bin so gut versorgt worden mit vielen hilfreichen Tipps und Insiderwissen von Vassilis, dem gebürtigen Athener, dass ich mich sehr gut aufgehoben fühle, als ich am Donnerstagmorgen, meinem ersten freien Tag, ausschlafen kann und mich nicht mehr darauf konzentrieren muss, dass ich hier zum Arbeiten und nicht für die Ferien bin. Das Ausschlafen gestaltet sich immernoch schwierig an dieser unglaublich lauten Straße in die Stadt rein, doch die Neugier ist groß und zieht mich. Meinen Besichtigungsslot für die Akropolis habe ich bereits für abends um 19 Uhr gebucht. Zunächst freue ich mich auf die Tramfahrt! Das Tram ist langsam und genauso unzuverlässig wie die Busverbindungen, weshalb es für einen getakteten Arbeitstag ungeeignet ist. Heute aber entspricht es meinem Rhythmus. Ich schaffe es letztendlich bis zur Metro und damit auf den Monasteraki-Platz, der linken Herzklappe Athens. Da es bereits Mittag ist und ich am verhungern bin, bleibe ich direkt da und genieße eines der besten Chicken-Souvlaki im berühmten Restaurant Thanasis. Touristenströme schieben sich aus der Metrostation Richtung Parlament. Artemis wartet geduldig im Schatten, bis die Massen vorüber gezogen sind und begibt sich dann auf leisen Pfoten auf Entdeckungstour.

    Es ist sonnig und warm. Auf dem Platz des Parlaments verbrenne ich mir fast die Fußrücken, als ich den Wachenwechsel mit beobachten darf. Bei allen kulinarischen Juwelen, die ich auf meiner stillen Jagd erlegen darf, lacht Artemis nur so über den Gott in Frankreich! Baklava-Glacé, Granatapfelsaft und eine Feta-Honig-Croissant-Roll lassen mich fast höhnisch in göttliche Sphären emporsteigen! Es wiederholt sich das Gefühl von: ich will nie wieder anders essen! Allgemein kann ich meine Energie gut halten, trotz der vielen Leute und des Verkehrs in Athen. Ich fühle mich sehr wohl in mir selbst. Die Stadt hat eine atemberaubende Energie: ein großes, göttliches Herz schlägt unter den Marmor gepflasterten Straßen und Plätzen. Es ist eh ALLES aus Marmor!

    Und als ich endlich im National Garden ankomme, findet Artemis ihren Thron. Keine Ahnung, wie lange ich im Schoß dieses Baumes sitze, Katzen, Elstern, Licht und Schatten und einfach mein Königreich betrachte. Es lässt mich noch langsamer werden und den Rest des Gartens in einem unendlichen Frieden erkunden. Nachmittags, aufgeheizt und mit müden Füßen statte ich dann doch noch der Gelateria Django einen Besuch ab, wegen des Joghurtglacés, meinte der Taxifahrer bei meiner Ankunft bereits.

    Und so trifft Artemis ihren Zwillingsbruder, Apollon. Er spricht mich an und redet viel, fast ausschliesslich über Energien, erkennt meine Blutgruppe anhand meiner Hände und erzählt mir von den mysterischen Megalithen und high energy places. Es macht sich ein Vertrauen in mir breit, das mich letztendlich auf sein E-Motorrad steigen und ihm mir das Pnyx-Monument zeigen lässt. Willkommene Gesellschaft, erfrischender Fahrtwind, die Entdeckung historischer Wunderwerke.

    Über den Nymphenhügel gelange ich abends zur Akropolis. Viel zu viele Menschen, immernoch, so dass ich die Frequenz des Parthenons und das Wunder, dass es über 600 Erdbeben überlebt hat, dann aber einem Angriff der Römer zu grossem Teil zum Opfer fällt, nur mit viel Mühe wahrnehmen kann. Athena baut hier ihre Tempel und schlägt Poseidon in einem contest. Sie schickt ihn auf den südlichsten Zipfel des Festlands. Und auch dorthin nimmt Elias mich spätabends noch mit. Auf dem Weg halten wir in einer Taverne von Freunden von ihm. Dort nährt mich mal wieder eines der besten Gerichte dieses Planeten und ich nage genussvoll das Lammfleisch vom Knochen. Die Familie sitzt noch auf der Terrasse. Und wir unter dem Sternenhimmel. Bis an den Tempel Poseidons kommen wir gar nicht, weil schon geschlossen und nicht mehr zugänglich. Er leuchtet uns nur entgegen und ich kann ihm schonmal sagen: Jasas, Poseidon, keine Sorge, ich komme wieder.
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