Plattgefahren...
14. august 2023, Tyrkiet ⋅ ☀️ 33 °C
Wie am gestrigen Tag bereits mit unserer Gastgeberin verabredet begeben wir uns um 8 Uhr am Morgen an einen schattigen Tisch vor der Pension, wo uns ein reichhaltiges und leckeres Frühstück serviert wird. Unsere sieben Sachen hatten wir bereits vorab gepackt, so dass es nach einer herzlichen Verabschiedung einschließlich Fotos zügig losgehen kann. Die Insel liegt noch sehr ruhig und verschlafen da, als wir sie über den Damm verlassen. Auch den Ort Eğirdir lassen wir bald hinter uns und erarbeiten direkt die ersten Höhenmeter. Nachdem der Frühsport-Hügel bezwungen ist, führt unser Weg leicht wellig am Eğirdir-See entlang. Es dauert nicht lang, bis sich der Blick öffnet auf die gegenüberliegende Uferseite und die Insel Yeşil Ada, wo wir gerade noch Tee, Brot, Käse, Oliven, Sigara-Böreği etc. genossen haben. Bis zum Mittag ist ein großer Teil der für heute geplanten Tageskilometer bereits geschafft, lediglich unterbrochen von einem Obsteinkauf bei einer Straßenhändlerin und einer Eistee-Gönnung. Für eine längere Siesta lassen wir uns im Schatten einer Obstplantage nieder. Prompt steuert ein Mann auf uns zu, erkundigt sich, was wir für Landsleute sind und schenkt uns etwas Obst und zwei Gurken. Die folgenden 5km haben wir noch flaches Terrain unter den Reifen, dafür brennt die Sonne uns von oben unerbittlich auf den Pelz. Im nächsten Dorf, welches wir durchqueren, füllen wir unsere Wasservorräte auf, denn fortan sollen wir uns unter den Bedingungen der brütenden Temperatur von 38 Grad im Schatten auch noch von etwa 1000m auf 1327m hinaufbewegen. Seeehr langsam geht es voran, vor allem Heiko muss das eine oder andere Mal auf seine Reisebegleitung warten. Trotz aller Anstrengung soll aber auch nicht unerwähnt bleiben, in welch eindrucksvoll schöner Gegend wir uns hier befinden und was für ein herrlicher 360° Panoramablick den mühsamen Anstieg begleitet. Irgendwann erreichen wir dann doch tatsächlich den höchsten Punkt, bevor wir nach kurzer, aber recht steiler Abfahrt das Dorf Balcı erreichen. Es herrscht viel Treiben in diesem Ort, am Platz vor der Moschee scheinen sich alle männlichen Dorfbewohner teetrinkend versammelt zu haben. Entsprechend viele Augen sind auf uns komische Touristen gerichtet, auch die herumtobenden Kinder haben großes Interesse an uns und den Fahrrädern. Nachdem Heiko sich mit einer freundlichen Türkin auf französisch unterhalten hat, ist einigen Gesprächen der Menschen im Vorbeifahren zu entnehmen, dass man uns für Franzosen hält. Wir füllen noch unsere Wasserflaschen auf und steuern auf den Ortsausgang zu. Dummerweise führt die Straße direkt wieder bergauf, was sich nicht sonderlich gut mit Claudias Befinden in Einklang bringen lässt. Dieses lässt sich nämlich in einem Wort zusammenfassen: Plattgefahren! Auch die fortgeschrittene Zeit spricht für einen baldigen Lagerplatz. Und so fragt Heiko kurzerhand einen Bauern, der just in diesem Moment mit seinem Traktor auf das gegenüberliegende Feld fährt, ob wir auf selbigem nächtigen dürfen. Der Bauer willigt ein und schnell ist unser Heim für diese Nacht errichtet. Im Laufe des Abends bekommen wir mehrfach Besuch: Hirten mit einer Kuhherde nebst einem Esel kommen vorbei und plaudern kurz, eine "Nachbarin" kommt zum Zelt und schenkt uns Birnen, weitere Menschen wollen einfach nur wissen, wer wir sind. Es scheint aber für niemanden ein Problem darzustellen, dass wir hier auf dem Feld am Straßenrand die Nacht verbringen. Es ist schon stockfinster, als immer noch reges Treiben zu hören ist. Traktoren knattern vorbei, Hundegebell aus allen Richtungen, Stimmengewirr...Læs mere










