• Zickige Nachbarschaft

    15. august 2023, Tyrkiet ⋅ ☁️ 32 °C

    Erneut wollen wir die angenehmen Temperaturen der frühen Morgenstunden zum Radeln nutzen. Der Wecker holt uns um 6 Uhr aus den Schlafsäcken, nach Frühstück und Zeltabbau sind wir um acht Uhr unterwegs. Auf unbefestigter, aber gut fahrbarer Straße nehmen wir den ersten Anstieg des Tages in Angriff. Wie erwartet herrschen noch angenehme Temperaturen und eine frische Brise weht uns um die Nase. Quasi allein und vor allem ohne Autoverkehr führt unser Weg durch eine traumhaft schöne Landschaft. Der Genuss dieses Panoramas der Bergwelt beim Radeln führt einem vor Augen, wofür die Anstrengung des gestrigen Tages gut war und sie sich definitiv gelohnt hat. So wird auch unser Vorhaben des flotten Vorankommens vor der Mittagshitze dadurch etwas ausgebremst, dass Kameras und Drohne zum Einsatz kommen. Es folgt eine herrliche Abfahrt, die sich über 10km erstreckt und ein angenehmes Gefälle aufweist.
    Nach einem Einkauf in der nächsten Stadt, die wir durchqueren, geht es dann tendenziell wieder bergauf und gleichzeitig wird auch die Hitze immer brütender. Oberhalb eines Stausees lassen wir uns in unmittelbarer Nähe zu einer Trinkwasserstelle im Schatten einiger Bäume zur Pause nieder. Obwohl der Ort zunächst perfekt scheint, ist doch irgendwie der Wurm drin: Auch im Schatten ist es noch sehr heiß, penetrante Fliegen nerven uns, die Stühle stehen nicht gut auf dem abschüssigen Schattenplatz. Vollständig adynam sitzen wir in der Hoffnung auf Abkühlung die Zeit ab, nicht mal zum Lesen reicht die Energie. Gegen halb fünf schieben sich tatsächlich ein paar Wolken vor die Sonne, was wir als Startschuss für die Weiterfahrt verstehen. Auf schotterigem Untergrund geht es fortan durch eine seltsam anmutende Gegend. Man kann es kaum in Worte fassen, aber es geht uns beiden so, dass wir hier ungern die Nacht verbringen würden. Im weiteren Verlauf wird der Untergrund schwieriger, grober Schotter und weiche, sandige Abschnitte machen das Radeln sehr anstrengend. Gleichzeitig wird dann auch noch der Anstieg steiler, bis recht bald an Fahren nicht mehr zu denken ist. Schieben, zu zweit schieben, Gepäck abladen und Rad und Taschen einzeln nacheinander den Berg hochbugsieren..., so bewegen wir uns langsam und keuchend gipfelwärts. Wunderschön lilafarben blühende Disteln und eine ebenfalls bergauf schleichende Schildkröte schaffen es aber dennoch, uns ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern. Irgendwann ist auch der fieseste Anstieg gemeistert und wir freuen uns, dass es nicht auf ebenso unwegsamem Boden wieder abwärts geht. Flott verlieren wir wieder an Höhenmetern, halten dabei rechts und links des Weges Ausschau nach einem geeigneten Plätzchen für die Nacht. Dabei handelt es sich heute jedoch um ein schwieriges Unterfangen. Kurz vor Einbruch der Dunkelheit fragen wir eine alte Dame, die im Eingang ihres sehr kleinen Hauses sitzt, ob wir unser Zelt auf der Wiese gegenüber aufstellen dürfen. Wir wissen zwar nicht, ob sie uns verstandene hat, beschließen aber, dass wir eine Erlaubnis haben. Kurz nachdem wir unser Zelt aufgestellt haben, kommt ein Pärchen auf einem Moped angeknattert. Die beiden haben nichts dagegen, dass wir hier nächtigen, sondern bieten uns noch Tee und Zigaretten an, was wir dankend ablehnen. Wir erfahren aber auch, dass sie gerade die Rückkehr ihrer Ziegenherde erwarten, welche sich bereits durch lauter werdende Glocken und Hundegebell ankündigt.
    Die Nacht werden die Ziegen nebst Hunden und Hirten wenige Meter neben unserem Zelt verbringen. Auf gute Nachbarschaft...
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