İsmail & Hatice
16. august 2023, Tyrkiet ⋅ ☀️ 36 °C
Bereits um 6 Uhr in der Frühe verabschieden wir uns vom benachbarten Ziegenhirtenpaar und begeben uns auf die Straße. Nach etwa drei Kilometern lassen wir uns an einer Wasserstelle zum Frühstück nieder. Vorbeikommende Menschen grüßen wie immer freundlich, teilweise verweilen sie kurz bei uns und stellen die typischen Fragen nach unserer Herkunft, dem Ziel unserer Reise und so weiter. Zwei junge Männer auf einem Moped kommen sogar ein zweites Mal bei uns vorbei, um uns eine große Portion frisch gepflückter Brom- und Erdbeeren zu schenken. Den zahlenmäßig meisten Besuch während unseres heutigen Frühstücks erhalten wird dann aber von einer Schafherde. Während wir ein Foto mit den Hirten machen, stillen viele der Wolltiere um uns und unser Frühstück herum ihren Durst an der Wasserstelle.
Die weitere Fahrt führt uns durch leicht welliges Terrain, dabei geht es überwiegend bergab und radelt sich entsprechend leicht. Der Tag schreitet voran und die Temperaturen steigen wieder merklich. In einem Ort, den wir passieren, füllen wir unsere Wasservorräte auf, um für die heißen Stunden gewappnet zu sein. Während der Ortsausfahrt werden wir von zwei kleinen Jungs auf Fahrrädern begleitet, die sehr interessiert an uns und unseren Rädern zu sein scheinen und uns munter von rechts und links auf türkisch Fragen stellen. Bald sind wir wieder allein und folgen der Vorgabe unserer Navigationsgeräte. Besondere Konzentration ist dafür nicht vonnöten, geht es doch quasi schnurgeradeaus. Kilometer um Kilometer fahren wir bei sengender Hitze und entsprechend warmem Gegenwind in eine Richtung, teilweise auf schotterigem Untergrund, teilweise auf schlechtem Asphalt, so gut wie immer ohne jeden Schatten.
Unser Plan sieht vor, noch bis ins nächste Dorf zu radeln, um dort irgendwo einzukehren und im Schatten bei dem einen oder anderen Kaltgetränk die größte Hitze abzuwarten. Es sollte jedoch anders kommen...! Im Dorf angekommen müssen wir feststellen, dass es weder ein Restaurant oder Lokal noch eine Einkaufsmöglichkeit gibt. Müde und reichlich kaputt lassen wir uns stattdessen auf einer überdachten Bank vor der Moschee des Ortes nieder. Kaum dass wir sitzen, verlässt eine größere Gruppe von Männern die Moschee und im Nu haben wir auf unserer Bank reichlich Gesellschaft. Später erfahren wir, dass ihr Interesse dadurch geweckt wurde, dass wir nicht türkisch aussehen, unser Gruß ("Merhaba") jedoch von der Aussprache her sehr türkisch klang. Wiederum trägt Claudia aber kein Kopftuch, was die Herren vermuten lässt, dass es sich bei uns um Tscherkessen handelt. Nach den üblichen Fragen ist das Rätsel schnell gelöst und gleich zwei der Männer bekunden, dass sie uns deutsche Touristen gerne in ihr Haus einladen möchten. Obwohl uns eigentlich eher danach ist, einfach nur rumzuliegen und zu dösen, kommen wir aus der Nummer nicht raus. Nach anfänglichem Zögern begleiten wir İsmail nach Hause. Er ist der İmam des Ortes und erzählt, dass seine Ehefrau aus Köln kommt. Am Haus angekommen lernen wir Hatice, ihr 30 Tage altes Baby und ihre Mutter kennen, die gerade aus Deutschland zu Besuch ist. Man bewirtet uns mit Tee und verschiedenen Keksen, während über Familie, Berufe, unsere Reise etc. geplaudert wird. Zwischendurch wird Heiko plötzlich ein Telefon ans Ohr gehalten, am anderen Ende ist der Vater von Hatice in Köln. İsmail hatte seinen Schwiegervater angrufen und von seinen ungewöhnlichen Gästen berichtet. Dass er die Geschichte seines Schwiegersohnes kaum glauben konnte, bekommt Heiko in waschechtem Kölner Dialekt zu hören: "Ich dachte, der will mich verarschen!" Hatice ist inzwischen zwei Jahren in der Türkei, vorher hat sie in Köln als Kinderpflegerin in einem Kindergarten gearbeitet. Sie berichtet uns, dass ihre in Deutschland abgeschlossene Ausbildung in der Türkei leider nicht anerkannt ist. İsmail studiert Jura mit dem Ziel, Staatsanwalt zu werden. Hatices Mutter erkundigt sich indes, ob sie uns etwas Proviant für den weiteren Weg zubereiten darf, was wir dankend annehmen. Der Nachmittag plätschert dahin, İsmail verabschiedet sich zwischendurch kurz, um in seinem Amt als İmam vom benachbarten Minarett auf arabisch zum Gebet zu rufen. Als wir uns am späten Nachmittag langsam verabschieden wollen, eröffnet Hatice uns, dass ihre Mutter sich "umentschieden" habe. Sie sei bereits dabei, statt einer Wegzehrung Lahmacun (türkische Pizza) für ein gemeinsames Abendessen zuzubereiten. Die Zwischenzeit nutzt İsmail dafür, uns seinen Garten und seine geliebten Hühner zu zeigen. Am Ende der Besichtigung sind wir Besitzer von drei Eiern sowie frisch geernteten Gurken, Lauchzwiebeln und Pepperoni. Nach dem überaus köstlichen Abendessen, welches uns von Hatice und ihrer Mutter serviert wird, bricht draußen bereits die Dunkelheit ein. Unsere heutige Etappe findet schließlich auf der ausgezogenen Couch von Hatice und İsmail ihr Ende...Læs mere










