• Fieser Stachelacker

    18. august 2023, Tyrkiet ⋅ ☀️ 33 °C

    Heute stehen wir bereits um halb sechs auf, frühstücken mit Aufgang der Sonne und schwingen uns gegen viertel nach sieben auf den Radsattel. Die Straße, die am Horizont kein Ende zu nehmen scheint, ist auch heute wieder unsere. Aber gerade diese unendliche Weite ist irgendwie auch faszinierend und vermittelt uns spürbar ein Gefühl für die Größe dieser Gegend, dieses riesigen "Nichts". Die Trockenheit wird unter anderem sichtbar, wenn Schaf- und Ziegenherden in großen Staubwolken durch die "Prärie" getrieben werden. Wir folgen Stunde um Stunde dem langen Pfad durch die sand- und erdfarbene Landschaft. Als wir an einem der eher seltenen Büsche vorbeikommen, springt ein Fuchs aus selbigem und tritt die Flucht vor uns über den trockenen Acker an. Immer mal wieder ziehen rechts und links von uns in Staubwolken eingehüllte Schaf- oder Ziegenherden vorbei. Ein Hirte, der eine sehr gemischte Herde sowie einen Esel vor sich hertreibt, bleibt auf ein paar Sätze bei uns stehen und posiert noch für ein Foto. Im weiteren Verlauf unserer Fahrt entdecken wir plötzlich zu unserer linken Seite auf einem Feld eine riesige Gruppe Weißstörche. Wir beobachten, fotografieren und filmen sie eine Weile, bevor wir weiterradeln.
    Wie schon in den letzten Tagen wollen wir uns auch heute nicht der Mittagshitze aussetzen und so beschließen wir, im nächsten Ort, den wir durchqueren, eine längere Pause einzulegen. Im Ort Yeniceoba steuern wir um halb zwei einen Supermarkt an und frequentieren anschließend eine überdachte Sitzgruppe auf einem Platz im Ortskern. Es dauert nicht lange, da stellt uns ein freundlicher Imbissbetreiber zwei Flaschen Wasser auf den Tisch. Kurze Zeit später kommt er erneut und überreicht und zwei frisch zubereitete belegte und noch warme Toasts. Wir genießen den leckeren Snack und bekommen schon bald wieder Gesellschaft. Zwei ältere Herren setzen sich an unseren Nachbartisch und beginnen, uns die üblichen Fragen zu stellen. Sie selbst seien die meiste Zeit des Jahres zum Arbeiten in Dänemark und aktuell auch nur zu Besuch hier. Dem Telefonat von einem der beiden Herren ist zu entnehmen, dass er über uns Deutsche spricht und dies hat möglicherweise zu Folge, dass sich nach und nach fünf weitere Männer zu uns gesellen. Wir werden zum Tee eingeladen und erfahren, dass ein Mann in Österreich arbeitet, ein weiterer viele Jahre in der Schweiz gearbeitet hat und auch Beziehungen nach Deutschland bestehen. Um halb fünf verlassen wir die internationale Runde und ziehen weiter. Was den weiteren Weg angeht, kann sich die Schilderung wiederholen: In der Hitze ohne jeglichen Schatten durch wüstenartige Landschaft immer geradeaus..., bis es Zeit ist, nach einem Nachtlager Ausschau zu halten. Wir wählen erneut die Variante, uns einfach ein paar hundert Meter von der Straße weg auf den Acker zu schlagen, sichtbar sind wir in dieser äußerst vegetationsarmen Gegen ohnehin überall. Was zunächst wie ein gut geeigneter Platz schien, entpuppt sich allerdings leider als biestiger Endgegner. Der Boden ist übersät mit kleinen, fies stacheligen Pflanzen, die alles andere als zuträglich für unseren Zeltboden sind. Es verlangt Heiko einiges an Kraft, Zeit und vor allem Nerven ab, eine einigermaßen taugliche Fläche zu "ebnen". Claudias Sorge gilt indes dem Traktor, der in monotoner Gleichmäßigkeit auf einem benachbarten Acker seine Bahnen zieht und möglicherweise über die Fahrspur neben unserem Zelt dem Heimweg antreten wird. Und wenn er uns nun in der Dunkelheit übersieht und plattfährt? Natürlich passiert nichts dergleichen und wir können unter herrlichem Sternenhimmel, welcher auch die eine oder andere Sternschnuppe auf die Reise schickt, unsere Nachtruhe antreten.
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