• Ein letztes Mal...

    9. maj 2024, Tyrkiet ⋅ ☁️ 23 °C

    Der heutige Tag lädt dazu ein, wehmütig zu werden…: Ein letztes Mal beginnt der Morgen mit dem
    Öffnen des Reißverschlusses und dem verschlafenen Blick aus dem Zelt ins Freie. Es gibt ein letztes Outdoor-Frühstück, ein letztes Mal wird das Zelt abgebaut und schließlich starten wir in die letzte Radel-Etappe dieses Urlaubs. Es ist nicht mehr weit bis zu unserem Zielort Gaziantep, wir wollen uns aber auf jeden Fall Zeit lassen und diese letzte Fahrt einschließlich Pausen noch einmal genießen. Bereits kurz nach Abfahrt staunen wir nicht schlecht, als plötzlich ein großer Krebs am Straßenrand unterwegs ist. Ganz so kurios wie von uns zunächst wahrgenommen ist diese Begegnung aber nicht. Laut dem Ergebnis der „Google-Bildersuche“ handelt es sich
    nämlich nicht um einen weitgereisten Sylter Taschenkrebs, sondern um eine Süßwasserkrabbe mit
    dem wissenschaftlichen Namen Potamon potamios, die in Süßgewässern des nördlichen
    Mittelmeerraums verbreitet ist. Wir radeln weiter und versäumen es dabei nicht, einen letzten Blick über die Schulter zurück in die herrliche Weite zu werfen, bevor wir in Richtung des Ortes Burç abdrehen. Hier legen
    wir einen letzten Einkaufsstopp ein, um für unsere letzte Pause gewappnet zu sein. Diese steht an, nachdem wir
    ein letztes Mal die 1000m-Höhenlinie überquert haben und es versteht sich von selbst, dass wir hier nach
    dem letztmaligen Aufbau unseres mobilen Esszimmers standesgemäß die letzten "Gipfelchips“ vernichten. Am Horizont ist die Silhouette von Gaziantep auszumachen, als wir die knisternden Tüten leeren und Heißgetränke schlürfen. Wir nehmen die letzten Kilometer in Angriff, unser Weg führt uns nun erwartungsgemäß durch zunehmend besiedelte Gegenden. Gegen Mittag rollen wir dann in die sechstgrößte Stadt der Türkei mit etwas mehr als 2 Millionen Einwohnern, Gaziantep ist erreicht. Während wir uns von den Navigationsgeräten zum vorab gebuchten Hotel lotsen lassen, knacken wir nebenbei noch die Marke von 10.000 Kurs-Südost-Radelkilometern. Am Demokrasi Meydanı halten wir kurz an, um vor den großen weißen Buchstaben, die den Namen Gaziantep bilden, ein "We did it"-Foto zu machen. Durch die engen Gassen der Altstadt schlängeln wir uns anschließend zum Şirvani Konağı Butik Otel. Im hübschen Innenhof des altehrwürdigen und ziemlich verwinkelten Gebäudes dürfen wir unsere Räder abstellen und bekommen einen Tee serviert. Nach Bezug unseres Zimmers wollen wir nicht viel Zeit verlieren, sondern zügig die eher lästigen, aber notwendigen Abreisevorbereitungen in Angriff nehmen. Eine Dusche genehmigen wir uns noch, dann machen wir uns auf den Weg. Ein Fahrradgeschäft ist unser Ziel, wo wir hoffentlich große Kartons zum Verpacken unserer Räder ergattern können. Im ersten Geschäft kann man uns zwar den Wunsch nicht erfüllen, aber die Mitarbeiter sind dennoch sehr hilfsbereit. Ein Herr nimmt telefonisch Kontakt zu einem anderen Fahrradladen auf, sichert uns zwei Kartons zu und erklärt uns den Weg. Nach zwei Kilometern Fußmarsch erreichen wir das Geschäft und erhalten auch prompt die gewünschte Ware, perfekt! Das Tragen zu zweit erweist sich als nicht wirklich praktikabel, so dass Heiko schließlich allein die ineinander gesteckten riesigen Kartons abwechselnd auf Kopf und Schulter durch die Straßen zum Hotel balanciert, während Claudia auf Hindernisse und Verkehr achtet. Froh über den Erfolg widmen wir uns nun wieder den angenehmen Dingen des Lebens. Eine gewisse Vorfreude hatte sich bereits eingestellt, als wir folgendes gelesen haben: "Die antike anatolische Stadt Antep, heute bekannt als Gaziantep, gilt als die gastronomische
    Hauptstadt der Türkei und ist unter anderem als Heimat der besten Pistazien der Welt und für
    köstliches Baklava bekannt." Die UNESCO hat Gaziantep gar als eine der weltweit bedeutendsten
    gastronomischen Städte ausgezeichnet und 2015 zur «Creative City of Gastronomy» ernannt. Das
    muss unbedingt getestet werden! In einem nicht weit vom Hotel entfernten Restaurant probieren wir uns erst durch eine Auswahl empfohlener traditioneller Köstlichkeiten und genehmigen uns danach ein paar Straßen weiter eine üppige Portion Baklava. Satt und zufrieden beenden wir den heutigen Tag...
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