• Endlich Asphalt unter den Reifen

    May 31, 2025 in Turkey ⋅ ☀️ 28 °C

    Wie schon am gestrigen Tag sitzen wir auch heute um acht Uhr am Frühstückstisch. Wir quatschen noch etwas mit unseren Tischnachbarn, die ebenfalls aus Deutschland kommen und im selben Flieger wie wir in Gaziantep gelandet sind. Bereits am Flughafen hatten wir uns getroffen und wie der Zufall es wollte, bewohnen wir dasselbe Hotel. Die beiden werden heute ebenfalls aufbrechen, ihnen steht eine dreiwöchige Tour mit einem Mietwagen bevor. Vor unserer Abfahrt beschäftigen wir uns noch mit der Idee, neue Ortlieb-Packtaschen zu bestellen. Am gestrigen Abend haben wir bereits ein Hotel in Şanliurfa per E-Mail kontaktiert, um zu erfragen, ob wir die Taschen dorthin liefern lassen dürfen. Bislang haben wir noch keine Antwort erhalten, bekommen jetzt aber sehr nette Unterstützung von Fatma, einer deutschsprachigen Türkin aus Istanbul, die für einen Kurztrip mit ihrer Tochter in Gaziantep ist. Während Heiko sich dem letzten Fein-Tuning der Räder widmet, kümmert Claudia sich mit Fatmas Hilfe um die Bestellung der Taschen. Fatma telefoniert mit dem Hotel in Şanliurfa mit dem Ergebnis: Kein Problem! Super, denken wir, dann können wir ja bestellen. Gesagt, versucht, gescheitert..., wir haben das für die Kreditkartenzahlung nötige Passwort nicht dabei. Kein Problem für Fatma: Sie zahlt kurzerhand unsere Bestellung mit ihrer Kreditkarte und erhält das Geld in bar von uns. Sollten wir mal wieder nach İstanbul kommen, spricht sie auch direkt eine Einladung zu sich nach Hause aus.
    Nach einem Abschiedsfoto mit unserem Hotelgastgeber machen wir uns dann gegen elf Uhr tatsächlich mit unseren bepackten Rädern auf den Weg. Noch etwas Obst und Gemüse laden wir ein, dann manövrieren wir uns durch die quirlige Stadt, endlich Asphalt unter den Reifen. Zwischen Bussen, Autos, Lastwagen und verschiedenen motorisierten Zweirädern bahnen wir uns den Weg stadtauswärts. Es hupt von allen Seiten, Händler bieten lauthals ihre Waren zum Kauf, Stimmengewirr dringt von überall in unsere Ohren. In der Luft liegen neben dem lästigen Geruch von Abgasen auch Düfte von frischem Obst, gerösteten Pistazien, orientalischen Gewürzen. Nach etwa zehn Kilometern nimmt der dichte Verkehr so langsam etwas ab, wir erreichen die Ausläufer der Stadt. Als wir schließlich Gaziantep vollständig hinter uns gelassen und den ersten recht steilen Anstieg dieser Tour bezwungen haben, werden erstmals die Campingstühle für eine schattige Tee-Pause aufgebaut. Unter blauem Himmel bei sommerlichen Temperaturen radeln wir bei inzwischen glücklicherweise sehr spärlichem Verhehr weiter. Durch überwiegend sehr karge Landschaft führt unser Weg, Eidechsen huschen vorbei und suchen Schutz zwischen den Steinen, mehrfach passieren wir Pistazienplantagen. Immer wieder halten Autos oder andere Gefährte an, begrüßen uns, fragen nach unserer Herkunft und unserem Reiseziel und erkundigen sich, ob wir etwas brauchen. Also: Alles wie immer beim Radreisen in der Türkei. Als wir uns nach Erreichen der nächsten Anhöhe erneut im Schatten niederlassen wollen, müssen wir leidvoll erfahren, dass es neben Pech und Dummheit auch noch Ungeschick gibt. Heiko rutscht beim Versuch, sich auf den Stuhl zu setzen ab und landet im Schotter..., mit der Handyvorderseite voran. Das Display ist gesplittert und ein großer streifenförmiger "Pixelfehler" ziert das Gerät. Schade Schokolade! Kurz überlegen wir, ob wir die Rubrik "Pech des Tages" einführen sollten. Naja, nun ist es, wie es ist und lässt sich nicht ändern. Auf dem weiteren Weg durch weite, karge Gegend überwinden wir noch einen letzten biestigen Anstieg, bevor wir abseits der Straße auf einer steppenartig anmutenden Fläche zwischen versprengten Felsbrocken unser Nachtlager aufschlagen. Der feurige Gemüsetopf vom Gaskocher heizt uns gut ein, morgen gibt's weniger Pfeffer. Tee und Kekse gönnen wir uns noch, bevor wir erstmals unser neues Zelt beziehen. Gute Nacht!
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