• Tag 9: Marrakesch

    3.–6. jan., Marokko ⋅ ☁️ 18 °C

    Von Saft, Souks und Seife – Ein Tag in Marrakesch

    Heute war wieder halbwegs Ausschlafen angesagt – und das klang schon beim Aufwachen wie Musik in unseren Ohren. Nach vielen Reisetagen durften wir in Marrakesch, unserer letzten Station, endlich zwei Nächte bleiben. Das bedeutete: keine Koffer packen! Ich hätte nie gedacht, dass das irgendwann so glücklich machen kann.

    Eigentlich sollte uns heute Dauerregen erwarten, aber Marrakesch hat Humor: Statt grauem Himmel gab’s nur ein paar kurze Schauer – mehr zur Deko als zum Ärger. Das Wetter war also ganz auf unserer Seite.
    Auf dem Plan stand zunächst eine Sightseeing-Tour. Unser Guide hatte es allerdings nicht leicht mit uns – die geballte Müdigkeit der letzten Tage lag förmlich in der Luft. Wir nickten brav, lächelten müde und taten unser Bestes, aufmerksam zu sein – mit mäßigem Erfolg. Nach drei Stunden war die Stadtbesichtigung geschafft, und das Zauberwort hieß: Freizeit!

    Erster Halt: Vitamine tanken! In Marrakesch gibt’s an fast jeder Ecke frisch gepresste Säfte – bunte, fruchtige Geschmacksexplosionen. Kathi und ich waren so gute Abnehmerinnen, dass wir spontan auf den Verkaufswagen durften. Plötzlich standen wir da, hinter einem Berg Orangen, und fühlten uns wie zwei echte Saftverkäuferinnen – nur mit etwas mehr Gelächter und deutlich weniger Routine.
    Danach überfiel uns der Hunger – und Streetfood schien eine geniale Idee. Im Nachhinein: vielleicht nicht die allerbeste. Einige in unserer Gruppe hatten mit einer kleinen Magenverstimmung zu kämpfen, ich hingegen führte eine halbe Nacht einen intensiven Dialog mit der Hoteltoilette. Tja, wahre Reisende nehmen alles mit – auch Darmabenteuer.

    Am Nachmittag erkundeten wir weiter die Stadt. Marrakesch ist ein Labyrinth aus Gassen, Düften, Farben und Stimmen. Zwischen Teppichen, Tajine-Töpfen und Gewürzsäcken fanden wir schließlich zur Medersa Ben Youssef, einer alten Koranschule aus dem 14. Jahrhundert. Die kunstvollen Stuckarbeiten und Mosaike sind atemberaubend schön – fast meditativ, wenn man den Stimmen im Kopf endlich Ruhe gönnt. Ein Ort, der Spiritualität und Handwerkskunst verbindet und beweist, dass Schönheit oft im Detail liegt.

    Doch das wahre Tageshighlight folgte danach: das Hamam-Abenteuer. Acht Mädels, drei Männer – natürlich streng getrennt. Und was in diesen Räumen geschah, war eine Mischung aus Sauna, Slapstick und Survival-Training.
    Wir betraten das Dampfbad und wurden direkt von einer wortkargen Dame eingesammelt, die mit einer Kombination aus energischem Französisch, Handzeichen und einem Blick, der keinen Widerspruch duldete, das Kommando übernahm. Es war heiß, glitschig und enger, als es jede Komfortzone erlauben würde. Manchmal hatte man fremde Füße im Gesicht, manchmal Seifenschaum an Stellen, über die man lieber schweigt. Wir wurden mit Wasser übergossen, geschrubbt, gerufen und wieder weggeschickt – alles in rasantem Tempo und unter lautem Gelächter.
    Entspannung? Vielleicht nicht im klassischen Sinne. Aber Spaß? Definitiv! Es war laut, chaotisch, heiß – und irgendwie unglaublich befreiend. Eine neue Erfahrung, die uns alle zusammengeschweißt hat. 🧖🏽‍♀️

    Zum Abschluss des Tages genossen wir ein gemeinsames Abendessen – erschöpft, glücklich und mit der leisen Gewissheit, diesen Tag nie zu vergessen.

    Später saßen wir noch zusammen im Hotel, lachten über die Ereignisse und spürten, wie sich aus Reisebekanntschaften echte Verbundenheit entwickelte. Marokko kann anstrengend, laut und herausfordernd sein – aber am Ende des Tages bleibt vor allem eins: ein warmes Herz und viele Geschichten fürs Leben.
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