Mit dem Tiktok durch Chiang Mai
9 gennaio, Tailandia ⋅ ⛅ 16 °C
Frühmorgens sackt das Thermometer in unserer Bleibe auf 10 Grad und man friert im Daunenschlafsack wie ein Schneider.
Als in die Nacht gefrorenes Reptil hockt man mit dem ersten Kaffee auf den Stufen vor dem Chalet und wartet darauf, dass die Sonne einen erlöst und wieder zum Menschen macht. Der Nachbar mit dem Pferdeschwanz schlappt in Flipflops, Shorts und T-Shirt vorbei, und wir fragen uns, wie hat der die Nacht überlebt? In der Hand trägt er eine Plastiktüte mit einem XXL-Nutella-Glas, das er mit zum Frühstück nimmt. Die Verpflegung im Baan Chai Thung ist überschaubar und ausreichend, der Kaffee allerdings lauwarm und so dünn, dass man die Zeitung hindurch lesen könnte. Liegt es daran, dass der Kreislauf morgens nicht in Schwung kommt, oder immer noch am Jetlag? Wir beschließen, uns bei unserem Wiederholungsbesuch in Chiang Mai mit grünem Tee einzudecken, vielleicht erweist er sich als Gamechanger.
Die Parkhäuser, die wir in Chiang Mai anfahren, machen allesamt schon um 18 Uhr zu, also suchen und finden wir schließlich mit viel Glück einen regulären Parkplatz beim Tha pae Gate östlich der Altstadt. Von hier aus geht es mit dem Tuktuk, nein Tiktok (Robert) weiter, das für diesen Tag unser Fortbewegungsmittel wird. Zwischen 100 und 150 Baht zahlen wir für eine Fahrt, die meist nur 1 oder 2 Kilometer beträgt, die sich aber summieren, wenn man in kurzer Zeit ein halbes Dutzend über das Zentrum verstreute buddhistische Tempel besichtigen will. Und das wollen wir, vielmehr will ich. Unter den archaischen Heiligtümern ist besonders der in königlichem Rotgold gehaltene Wat Chang Man eine Perle, deren Schönheit im meinen Augen noch übertroffen wird vom Wat Lok Molee im burmesischen Stil. Von meditativer Stille kann in Letzterem allerdings keine Rede sein. Das Treiben erinnert an Kirmes; SUVs, einer größer und protziger als der andere, fahren bis in den Hof und parken dort dicht an dicht. An Verkaufsständen wird ungeniert alles, was irgendwie der Religionsausübung dient, zu Geld gemacht, und ich muss an die Geschichte von der Tempelreinigung in den Evangelien denken. Hier auf diesem buddhistischen Gottesgelände bildet der überall wabernde Räucherduft aus Sandelholz, Kräutern und Harz eine verwirrende spirituelle Brücke, die die Gegensätze zwischen dem Profanen und dem Sakralen abschwächt. Der Buddhismus zelebriert sich hier ganz unverhohlen, vielleicht sogar willentlich, als diesseitige Religion mit einem unverkrampften Verhältnis zum Materiellen. Der Widerspruch zwischen Entsagung und Völlerei (Stichwort dicker Buddha), zwischen innerer Einkehr und farbenprächtiger sinnlicher Weltoffenheit fasziniert mich einmal mehr. Der burmesische Buddhismus hat sich bei der Ausgestaltung seiner Tempel einer ausgeprägten Ornamentik, oft ganz in Weiß, verschrieben. Im Viharn, mit Wänden und Säulen ganz aus schokoladenbraunem Holz, fühlt man sich wie im Inneren einer Pralinenschachtel. Vorne trohnt etwas erhöht die Statue des Erleuchteten, neben dem andere bedeutsame Lehrer ihren immerwährenden Platz haben.
Im Wat Phra Sing Tempel, den wir als nächstes und letztes besuchen, sind diese Gelehrten in der Ahnenreihe seit Buddha in Ton und Farbe so echt dargestellt, dass ich beim Eintritt in den Viharn überzeugt bin, es handele sich um Menschen aus Fleisch und Blut, wie sie da nebeneinandersitzen in ihren orange leuchtenden Gewändern mit Brille und Haarstoppeln, mit Narben, herunterhängender Unterlippe und unverwechselbarem Mienenspiel. Vermutlich war bei der Entstehung der Plastiken und der Vortäuschung ihrer Echtheit genau das beabsichtigt: die Suggestion der Allgegenwärtigkeit der Ahnen, die gemeinsam mit den jetzt lebenden Mönchen hier im Gebetsraum versammelt sind und mit ihnen eine Community bilden.
Das Kalm Village, das wir als danach besuchen wollen, ist entgegen der Ankündigung leider geschlossen. Schade - das Zentrum von Gegenwartsarchitektur hätte uns als Kontrastprogramm zu den Jahrhunderte alten Zeugnissen religiöser Kultur, die Chiang Mai dominieren, sehr interessiert.
Kurzentschlossen lassen wir uns vom Tiktok-Fahrer zu den Märkten Lam und Warorot östlich des Zentrums chauffieren, doch die Händler in der voluminösen Markthalle sind bereits am Zusammenpacken.
Am Ufer des Mae Nam Ping Flusses finden wir ein ruhiges Esslokal. Vor der Heimfahrt stöbern wir im Seven eleven und bei Lotus noch vergeblich nach Grünem Tee. Rotwein gibt es, wenn auch zu Mondpreisen.Leggi altro





























Viaggiatore
Sieht aus als wäre er am Smartphone 😂
ViaggiatoreEr WAR am Smartphone. 🤣
Viaggiatore
Wahnsinn, wirklich wie ein Schokoladenhaus 🤤🍫