• Elefanten im Outback

    10 gennaio, Tailandia ⋅ ☀️ 24 °C

    Nichts gegen ein bisschen Abenteuer, aber so viel hätte es nicht sein müssen.
    Ja, wir hätten früher losfahren müssen, aber R konnte sich nur schwer trennen von unserem vernachlässigten Paradies mit dem Seerosenteich. Ich mochte am liebsten die von den ersten Sonnenstrahlen angewärmten Treppenstufen vor dem Bungalow, auf denen ich noch im Nachthemd Kaffee trank und mich nach der kalten Nacht auf den Tag freute.
    Die Kälte wird Thema bleiben und noch eins draufsetzen, aber das wissen wir noch nicht, als wir am Samstag, 10.01., weit nach 13 Uhr endlich in Doisaket abfahren. Das erste Etappenziel ist der Wat Phra That Doi Suthep, ein im gleichnamigen Nationalpark in 1674 Metern Höhe gelegener buddhistischer Tempel, von dessen Aussichtsterrasse man einen grandiosen Blick auf Chiang Mai hat. Du meine Güte, wieviel Gold, wie viele Menschen sind das hier oben! Alles glitzert, flimmert, explodiert in Farben, überfordert die Sinne, die nach innerer Einkehr lechzende Seele sowieso. Im Buddhismus ist das Nirwana der Raum, der für das Göttliche freibleibt. Hier an diesem Ort aber ist alles vom Irdischen verstopft, kein Fitzelchen Platz bleibt in der fast kitschigen Spielzeugwelt aus Blumen und Plastik für Spirituelles. Ein Metallschrank entpuppt sich als riesige Opferbüchse mit lauter briefkastengleichen Fächern, in deren Schlitz man für jeweils bestimmte gute Zwecke Bares einlegen kann. Ich muss an den Ablasshandel des Mittelalters denken. Ist Religion auch hier in Thailand gefährdet, zu einem Geschäft zu werden, aus dem irgend jemand Kapital schlägt? Oder ist sie es längst geworden?

    Vom Tempel Doi Suthep bis zum Chailai Orchid Elefant Sanctuary sind es eine Stunde und 37 Minuten Fahrzeit. Laut Navi müssten wir die Auffangstation für Elefanten in den Bergen, in der wir unsere nächste Unterkunft gebucht haben, also noch im Hellen erreichen. Doch das Navi irrt, führt uns mehrfach an der Nase herum und lässt uns schließlich ganz im Stich. Im Stockdunkeln, in dem die funzeligen Autoscheinwerfer absolut keine Hilfe sind, suchen wir mit dem Mietwagen über eine Stunde vergeblich die Zufahrt zur Lodge. Erst das Telefonat einer netten Cafébesitzerin mit der Rezeption des Chailai Orchid macht dem Alptraum schließlich ein Ende, nicht aber der Odyssee. Nach dem Einchecken müssen wir, um zum gebuchten Riverfrontbungalow zu gelangen, das Auto stehen lassen und in einen Geländewagen umsteigen, der uns irgendwo im Nirgendwo an einem tosenden Fluss ausspuckt. Es folgt ein viertelstündiger Geländemarsch durch die Pampa ans Ende der Welt. Im verwaisten Restaurant neben den vier Chalets sind wir die einzigen Gäste. Nach dem Motto "Der Letzte macht das Licht aus" verabschieden sich die beiden Serviererinnen, sobald wir unser Red und Green Curry bekommen haben, und überlassen uns unserem Schicksal. In unserem Bambusbungalow ist alles minimalistisch, das Mobiliar, die gefühlt einstelligen Temperaturen. Robert pfeffert vor Wut seinen Stock durch die nicht vorhandene Einrichtung, was auf die Situation keinen nachhaltigen Eindruck macht. Zähneklappernd müssen wir uns eingestehen, dass wir in der Falle sitzen und uns für eine Nacht im Iglu installieren müssen. Da hätten wir auch gleich nach Island fahren können. Vollständig angezogen kriechen wir unter die Bettdecken, und ich blicke tief in eine Flasche Rotwein, die ich mir geistesgegenwärtig vor unserer Verbannung ins Outback noch geschnappt habe.

    Irgendwie kriegen wir dann - oh Wunder und trotz tobendem Flussnachbarn - doch ein paar Mützen Schlaf, und rückblickend muss ich sagen, dass ich in meinem Leben schon garstigere Nächte erlebt habe. Stunden später grinst die Sonne durchs beschlagene Fenster und sagt Guten Morgen. Als ich nach Katzenwäsche die Bungalowtür öffne, steht draußen ein Elefant. Um 8 Uhr früh hat sich das im Dunkeln vollkommen abweisende Urlaubsambiente zu einer freundlichen Oase gemausert. In den angrenzenden Chalets gibt es Nachbarn, die den Dickhäuter mit Zuckerrohr füttern, ehe er zu uns kommt, damit wir das Selbe tun.  Was für ein unglaublich großes Tier, und was für ein Glück, ihm ohne Furcht so nahe kommen zu dürfen! Sein Rüssel, der Greifarm, mit dem er von uns die Zuckerrohrstangen in Empfang nimmt, um sie in seinen Schlund zu befördern, fühlt sich warm und runzelig an.
    In Nordthailand gibt es keine frei lebenden Elefanten mehr,  und Dickhäuter, die ein Leben als Reittier im Dienst der Menschen verbracht haben, dürfen nicht mehr ausgewildert werden. Ob das auch für Elefantenbabys gilt, wie wir später noch eines zu Gesicht bekommen, wissen wir nicht.
    Nach dem Elefantenfrühstück folgt die Fütterung der Zweibeiner. Vor unserem Iglu sitzend verspeisen wir Früchte, Kokoscreme und Rührei in Täschchen aus Bambusblättern. Die Sonne lässt den Frost in unseren Gliedern schmelzen und hat noch genügend Wärme für die Hunde übrig, die uns Gesellschaft leisten.
    Leggi altro