• Singende Affen, Tiger und ein Elefant

    18 gennaio, Tailandia ⋅ ☁️ 33 °C

    Den zweiten Anlauf, um mit der Tierwelt Thailands in Berührung zu kommen, unternehmen wir mit unserem Besuch eines Rescue-Centers  im Kanton Phetchaburi. WFFT heißt Wildlife Friends Foundation Thailand und ist eine thailändische Tierschutzorganisation (NGO), die gerettete Wildtiere aufnimmt und rehabilitiert, gegründet 2001 von Edwin Wiek.
    Wir haben in der zugehörigen Lodge ein Zimmer gebucht und werden auch diesmal wieder ausquartiert in die Dependance, was sich jedoch im Nachhinein zum Glücksfall mausert. Denn auf diese Weise stellt sich Urwaldfeeling ein, wie es authentischer kaum sein könnte. Vermutlich gibt es keinen Ort in ganz Thailand, an dem wir die vielfältige Fauna dieses wunderbaren Landes besser hätten kennen lernen können. Das Gebäude mit den modern ausgestatteten Forestrooms lässt sich bequem mit dem Auto anfahren und befindet sich, wie sich das gehört, am Waldrand mit Blick, diesmal nicht auf einen Tempel sondern einen Tümpel.
    Am ersten Morgen weckt mich R mit der Botschaft: "Ein Elefant bewacht unser Auto." Als ich nachsehen gehe, steht da
    tatsächlich eine Elefantendame,
    eine Einzelgängerin, in sich versunken in der Landschaft. Erst die Fütterung durch zwei Tierpfleger bringt ein bisschen Leben in sie. Während der Morgentoilette in der Außendusche verdichten sich draußen Laute, als stimme sich ein Chor auf eine komische Oper ein. Ein Solosänger scheint sich gar an einer Persiflage der Königin der Nacht aus Mozarts Zauberflöte zu versuchen. Immer penetranter wird der Kantus, wobei sich die Sänger mitnichten auf eine gemeinsame Melodie einigen können. Immer wieder schert einer aus und macht sein eigenes Ding.
    Das können doch keine Vögel sein, oder ... ? Ein Gang in den Wald bringt Klarheit. Dort wohnen Affen aller möglichen Gattungen in geräumigen Gehegen, und sie - singen! Wer hätte gedacht, dass unsere nächsten Verwandten Klangkünstler sind, von denen sich so manches Nachwuchstalent unter den Menschen eine Scheibe abschneiden könnte!
    Die nachmittägliche Rundfahrt mit einem Touristenbähnchen über das Gelände bringt uns der Geschichte des Rescue Centers und den Geschichten ihrer Bewohner näher. Jedes Tier hat seinen Namen, und zu vielen weiß der Guide witzige Anekdoten. Zum Beispiel zur Gibbondame Mami, die einst mit ihrem Besitzer in trauter Zweisamkeit lebte, was so lange gut ging, bis sich der Mann eine Freundin zulegte. Mami attackierte die Konkurrentin und erteilte einem Familienleben zu dritt eine Absage, worauf ihr Herrchen sie an die frische Luft setzte und sie schließlich im Rescue Center Asyl fand.
    Viele Tiere sind körperbehindert, es fehlen Gliedmaßen, der Teil eines Arms, ein Bein oder ein Flügel. Keines könnte in der freien Wildbahn überleben.
    Wir hören von schlimmen Schicksalen, die aus den Tieren Sonderlinge mit Marotten und Ticks  gemacht haben. Eine Schimpansin, die jahrzehntelang von einem Uni-Professor in einem engen Käfig gehalten wurde, lebt allein auf einer Insel in einem Teich und lässt nicht zu, dass sich ihr jemand nähert.
    Zu den Traumatisierten gehört auch unsere Hauselefantin, die stundenlang grüblerisch an der gleichen Stelle verharrt.
    Der Höhepunkt der Safari ist zweifellos der Besuch bei den Tigern. Zum ersten Mal sehe ich so ein Tier aus der Nähe. Kein Tier, kein Es, eine Persönlichkeit ist ein Tiger. Fazinierend der Blick, mit dem er mir in die Augen schaut. Sein würdevoller bedächtiger Gang, der keinen Zweifel an seiner Vitalität lässt. Nur noch 4000 freilebende Tiger existieren weltweit und eine weit höhere Zahl solcher, die in Gefangenschaft leben. Ich kann kaum glauben, dass es in Deutschland kein grundsätzliches Verbot gibt, einen Tiger als Haustier zu halten.
    Zurück in unserer Urwaldklause machen wir es uns in den Sesseln der Lounge gemütlich, die traumatisierte Elefantendame in Sichtweite, nur ein paar Meter entfernt von uns. Zur privaten Hauselefantin gesellt sich bald eine junge neugierige Katze und erklärt sich zu unserem privaten Haustiger. Einem äußerst knuddeligen anhänglichen Tiger, der vom Kuscheln gar nicht genug bekommen kann. Er schläft einen friedlichen Schlummer auf meinen Knien, während R an seinem Text arbeitet und ich am Reisetagebuch.
    Mit der lila Dämmerung werden wir Teil der Abendstimmung im Urwald. Der ganze Wald vibriert, gerät in Schwingung und hallt wieder vom dissonanten Gutenachtlied aus Affenkehlen. Manche Töne klingen in der Dunkelheit gespenstisch. Die hörbaren Schreie der Fledermäuse mischen sich mit Hundegebell und den Tönen von Nachtvögeln. Es ist zum Staunen. Never listened to something like that. What a wonderful world!
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