Endlich Meer - Am thailändischen Golf
20 gennaio, Tailandia ⋅ ☁️ 28 °C
Im Bayview Beach Resort ist alles einfach. Komfortable Hütten mit guten Betten, heißes Duschwasser, eine Räucherschnecke auf der Veranda, um die Mücken fernzuhalten, schmackhaftes Essen, das alles zu moderaten Preisen, und das Meer gratis. Das war mein Eindruck vor einem Jahr. Wir kamen von Koh Samui, und die Heimreise stand bevor. Nach dem Paradies mit Einschränkungen war Baan Krut die vollkommene Oase. Damals habe ich mir vorgenommen wiederzukommen, und nun sind wir hier, am thailändischen Golf, 350 Kilometer südlich von Bangkok.
Diesmal gibt es keinen Anlass, die Heimreise schön zu reden, denn noch liegen drei Wochen Tourtrip vor uns, die nun auch immer mehr Urlaub werden sollen. Unser Bungalow mit einem Boden aus glänzenden dunklen Teakholzdielen und ebensolchen schweren Möbeln wirkt etwas düster, liegt aber nur knapp 30 Meter vom Strand entfernt. R ist den ganzen ersten Abend mit dem Thema Tsunami beschäftigt. Schon am Nachmittag bei unserem Zwischenstopp am Ao Noi Tempel und der Reclining Buddha Cave südlich von Hua Hin, unserem ersten Berührungspunkt mit dem Meer, haben wir Testanrufe von Thailands Tsunami-Frühwarnsystem "THAI DISASTER ALERT" bekommen, das die Bevölkerung auf Ernstfälle vorbereiten will. Wie lange hätten wir Zeit, um uns dann in Sicherheit zu bringen, und - viel wichtigere Frage - wie und wo könnte man überhaupt einen sicheren Platz erreichen? Die Palmenplantagen landeinwärts sind topfeben und der Wat Sirichai auf dem Berg im Süden zu weit weg, um ihn fußläufig zu erreichen.
Die Nacht vergeht abseits aller Tsunami-Szenarien ungestört im Tiefschlaf und macht gegen 7 Uhr einem etwas verhangenen Morgen Platz. Frieren war vorgestern. Noch im Nachthemd gehe ich mit dem ersten Kaffee zum Strand auf der Suche nach Muschelglück. Sammeln nur das, was in eine Hand geht, während die andere die Tasse hält. Die steigende Flut kommt mit Wellenrüschen daher und hat auf dem Rückweg schon eine weitere Borte von Strandgut gelegt, das sie bald wieder verschlucken und landwärts weitertreiben wird. Den Plastikmüll serviert sie ganz zuletzt, mit den letzten Brechern, ehe die Wellen sich beruhigen, und das Meerungeheuer, dem Diktat des Mondes gemäß, sich zurückzieht. Sechs Stunden kommt es weit draußen, dort wo es Ozean heißt, zur Ruhe, ehe es sich von Neuem mit Bescherungen aller Art auf den Weg macht.
In den folgenden Tagen unternehme ich ausgedehnte Spaziergänge, laufe viele Kilometer am Strand entlang, finde auf den Muschelbänken wunderschöne Schmuckstücke. Manchmal sind es nur Scherben, die fragmentarisch vom vergangenen Leben ihrer Bewohner auf dem Meeresgrund erzählen. Ist das Geborstene, das Stückwerk weniger schön als das Perfekte?
An manchen Tagen lässt die Flut mehr Müll als Muscheln da. Zweifelhaftes Strand"gut", vornehmlich Plastikflaschen, aber auch Wollhandschuhe (!) , Schlappen, Schwämme, Tetrapacks, Trinkhalme, Plastikbesteck ...
So auch an dem Nachmittag, als ich zu einer Landzunge nördlich des Hotels losziehe, das ich tags zuvor entdeckt habe. Auf der Hälfte des einsamen Wegs uriniert ein junger Mann in Arbeitskleidung im Wald. Ich mache einen Bogen um ihn, beachte ihn nicht weiter, bleibe dann aber stehen, weil ich sicher sein möchte, dass er mir nicht folgt. Er geht an mir vorbei, bleibt dann aber wieder stehen. Etwa hundert Meter entfernt im Wald sehe ich einen Handkarren, der wohl zu ihm gehört. Warum bleibt der Mann stehen, anstatt zu seinem Gefährt zurückzugehen? Und was soll ich machen? Weitergehen oder umkehren? Der Mann trägt ein Tuch über dem Gesicht mit Löchern für die Augen, wie es hier die Arbeiter, die den ganzen Tag draußen sind, alle tun, um sich vor der Sonne zu schützen.
Mir ist mulmig, nicht geheuer. Wenn mir hier draußen jemand etwas antun will, hört mich keine Menschenseele. Wie ist das mit Vergewaltigung in Thailand? Wie alt muss Frau sein, um keine Angst mehr vor einem sexuellen Übergriff zu haben? Ich wünsche mir wieder mal, den Karatekurs absolviert zu haben, zu dem ich mich seit Jahren anmelden möchte.
Da der Mann sich nicht von der Stelle rührt, gebe ich schließlich meinen Plan auf und kehre zurück zur Lodge. Schade - an der Landzunge habe ich gestern die schönsten Muscheln gefunden. Stattdessen sammle ich nun den Müll am Strand neben dem Hotel auf, einen ganzen Sack auf 50 Metern.Leggi altro
























Viaggiatore
Ja. Herrlich.