Koh Lanta, Nautilus und Dengue-Fieber
February 8 in Thailand ⋅ ☀️ 29 °C
Viele Wege scheinen nach Koh Lanta zu führen, unserem nächsten und letzten Spot, an dem wir Ferienwoche fünf verbringen wollen. Viele Wege - aber nicht alle sind befahrbar, zumindest nicht, wenn man mit Mietwagen unterwegs ist. Am Ende bleibt ein Einziger, und der führt über Land, nachdem klar ist, dass die Speedboats vom Rassada Pier in Phuket zum Sala Dan Pier auf Koh Lanta keine Vehikel sondern nur Zweibeiner mitnehmen.
An unserem Reisetag machen wir einen Abstecher an die Westküste und gewöhnen uns dabei Phuket gründlich ab. Von Kata noi bis zur Touristenhochburg Patong ist der Strand eine einzige Liegestuhllandschaft mit darauf schmorenden Menschenleibern. Thailand, wie es brät und grillt, sagt R. Nicht geschenkt möchten wir dort einen Urlaub verbringen.
Da loben wir uns doch die für Koh Lanta vorhergesagte Beschaulichkeit und begeben uns am Nachmittag am Pier Hua hin an Bord der Fähre, die uns in 15 Minuten nach Sala Dan bringt. Die Insel ist nur etwa 30 Kilometer lang und an den schmälsten Stellen gerade mal 5 Kilometer breit. Auch in unserem Resort in Phra Ä, äh, Phra Ae an der Westküste ist alles nah beieinander.
Die Bungalows, eingebettet in schöne Vegetation, sind auch hier in die Jahre gekommen und wirken etwas großmütterlich, sind aber sehr gut gepflegt, wenn man von den Schließvorrichtungen und von der ungemütlichen Deckenlampe absieht. Aber was solls, wir werden auch hier die meiste Zeit draußen und womöglich am Strand verbringen.
Allerdings steht man, ähnlich wie in Krabi, auf der Suche nach dem Meer erstmal ein bisschen ratlos herum. Man weiß nicht so recht, was man damit anfangen soll, wenn es so weit weg ist. Und wenn es dann mal da ist, ist der Strand weg, oder so gut wie. Beides zusammen ist nicht zu haben. Im Meer tummelt sich Nautilus, eine große genial geformte Seeschnecke, nach der unser Hotel benannt ist. Auch die ist nicht zu haben oder jedenfalls als Geschenk der Wellen nicht zu finden. Immerhin sind einige wenige von ihren Bewohnern geräumte Gehäuse in Hotel- oder Restaurant-Vitrinen zu bewundern.
Das Leben auf Koh Lanta ist in der Tat beschaulich, zumal es sich hauptsächlich auf Strandliegenleben beschränkt. Wir liegen, in Sonne und Sonnenöl badend, in Reih und Glied mit wildfremden Menschen, die im Gleichen baden. Wenn das Wasser sich nähert und in Reichweite kommt, führen wir lustige Dialoge, zum Beispiel:
G: Und du gehst jetzt da ins Meer rein - mutterseelenallein?
R: Warum soll ich meine Mutter da mit rein nehmen?
Manchmal hört man in der Ferne den Muezzin rufen. 96 Prozent der Bewohnerschaft der Insel sind Muslime, nur 4 Prozent Buddhisten.
Irgendwie ist das hier nicht mehr so richtig Thailand, finde ich bald, es könnte IRGENDWO sein, ein bisschen langweilig fast, weshalb es auch wenig Reisetagebuch zu schreiben gibt, zu lesen dafür um so mehr. Ich arbeite Stück für Stück den Romanstapel in der Reisetasche ab, jeden Tag mehrere Zentimeter. Schade, dass man trotzdem alles wieder mit heim nehmen muss und das Gepäck nicht leichter wird. Ab und zu schreibe ich am Roman.
Manchmal wird es dann doch auch hier spannend, zum Beispiel auf abendlichen Pirschfahrten, weil man ja doch auch mal was unternehmen muss, anstatt ganztägig mit sonnenverbrannten Urlaubern, mit denen man nie ein Wort wechselt, in einer Reihe auf Liegen zu liegen. Nahbar sind in Thailand nur die Thais. Manchmal nahbarer, als uns lieb ist, insbesondere wenn man ihnen im Dunkeln auf unbeleuchteten Motorrollern begegnet. Auch auf Koh Lanta flüchten wir uns in diesem Fall in Stoßgebete und wurden bislang erhört. Spannend wird es auch, als mich am vierten Tag unserer Strandliegenauszeit tatsächlich Übelkeit, Gliederschmerzen und - für meine Verhältnisse - hohes Fieber befallen - AUF DER STRANDLIEGE und sozusagen aus dem Nichts, Nichts und Wiedernichts. Zunächst ahne ich nichts Böses, dann Schreckliches. Sollte mich etwa, ungeachtet aller, zugegebenermaßen halbherziger, Präventivmaßnahmen die neue Menschheits- und Thailandgeißel Dengue-Fieber gekapert haben? Im Allgemeinen trifft es ja meistens die anderen. Allerdings hatten wir auf dieser Reise bislang so viel Glück, kein Tsunami, kein Unfall, keine giftigen Würfelquallen im Meer, keine Kobra im Bett, kein Waran im Badezimmer, dazu jeden Morgen Kaffee und Sonnenschein - irgend ein dickes Ende müsste da eigentlich fast zwangsläufig nachkommen, wenigstens jetzt zum Schluss und Zuguterletzt. Nach einem abendlichen Besuch in der nahegelegenenen Apotheke habe ich mich in das Unvermeidliche gefügt und mit Paracetamol eingedeckt, so ziemlich dem einzigen Medikament, das bei Dengue-Fieber angesagt ist, in unserer umfangreichen Reiseapotheke aber fehlt. Nach einer scheußlichen Nacht hat sich das Fieber vom Acker gemacht. War wohl nichts mit Dengue. Allerdings wälzt sich in meinem Magen ein Biest, drückt, knetet und sticht an Stellen, an denen normalerweise geordnete Verdauung stattfindet. Na wenn schon, so ein Störenfried ist mir tausendmal lieber als ein boshaftes durch Mückenserum eingeimpftes Fieber, das keiner braucht.
Der Tag gehört der Inselerkundung und beschert wunderschöne Aus- und Einblicke, die ich mit meinem blauen Auge im Lauf der Stunden immer besser genießen kann. Im unaufgeregten Meditationszentrum Wat pa himmapa (Es heißt wirklich so!) erleben wir unter Bäumen bei Brunnengeplätscher eine himmlische Ruhe, die es, wenn überhaupt, auf dieser Reise nur beim einsamen Buddha in Sukhothai gegeben hat. Im Nationalpark am Südkap der Insel haben wir unseren südlichsten Punkt erreicht. Hier balancieren Brillenlanguren auf Telefonkabeln, und streitbare Makaken-Persönlichkeiten stellen die Anwesenheit von uns und unserer Karre in ihrem Lebensraum infrage. Am Spätnachmittag landen wir in Lanta Old town, das uns mit seiner bunten Strandstraße und den auf Stelzen ins Meer gebauten Restaurantterrassen so gut gefällt, dass wir den ganzen Abend dort hängenbleiben.
Wir haben Thailand wiedergefunden.Read more





























TravelerEinen Waran im Badezimmer hätte ich sofort genommen 😂
Traveler🤣🤣🤣
TravelerZum Glück wars kein Deguefieber! Das ist wirklich das absolut letztes was man haben will...
TravelerRecht hast.