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  • Day10

    Lahaina - Haleakala

    August 19 in the United States ⋅ ⛅ 13 °C

    Maui Wowie: Tagebucheintrag zu "gestern"

    (Fast) Abgeschriebener Tagebucheintrag zu gestern: dem 18.8 (Da aus Tagebuch: Momentaufnahmen mit Zeitformenwechsel)


    Um 7:30 hatten Imare und ich den Bus nach Wailuku genommen, da wir dort auf eine Kollegin von Imare treffen und zusammen mit ihr eine kleine Wanderung machen würden. So lustig, ich kannte Marloes, die Kollegin von Imare. Mit ihr hatte ich wenige Tage zuvor eine lustige Konversation im Badezimmer meines alten Hostels. Sie war mir gleich sympathisch, doch war sie gerade erst angekommen und ich in Aufbruchsstimmung nach Lahaina. Umso mehr freute mich das unerwartete Wiedersehen. Wir nahmen ein Uber zum Waihee Ridge Walk. Beim Startpunkt angekommen, staunte ich ein bisschen, denn da warteten schon einige Höhenmeter auf uns. In einem Affentempo marschierten wir nach oben und machten nur kurze Halts für die Aussicht. Grün an grün und links und rechts in die Ferne reichende Hügellandschaften. Wir laufen weiter. Der Schweiss läuft mit uns mit. Laufen schneller, um oben auf dem höchsten Punktkurz den kleinen «Stolzmoment» zu fühlen. Ein feiner Nieselregen begleitet uns auf dem Weg nach unten. Unten angekommen, bestellen wir wieder ein Uber zurück, warten und werden schliesslich von Joanne, unserer Fahrerin, in Bann gezogen. Sie erzählt uns Geschichten von ihrem Alohaleben, ermutigt uns zum langsamen Leben, zum Reisen, zum Genuss und zur Offenheit. Mit dem herzlichsten Lachen und einem « a hui hou», was so viel bedeutet, wie «bis wir uns wieder sehen» oder until we meet again, verabschiedet sie uns.

    Imare und ich verabschieden uns von Marloes, schnappen uns Smoothies für den Bus und steuern wieder Laihana und unser Hostel an. Im Bus schauen wir aus dem Fenster, schauen uns an und strahlen wie zwei Honigkuchenpferde um die Wette. Verantwortlich für das Dauergrinsen ist vermutlich die Kombination von sportlichen Glückshormonen, das Freisein jeglicher Verpflichtungen und die schöne Landschaft, die uns auf der ganzen einstündigen Busfahrt begleitet. Links neben uns Palmen im Wind und rechts Vulkanlandschaft. In unseren Ohren Aloha von The Mana’o Comany.

    Im Hostel heisst es dann duschen, essen und wieder parat machen, denn Haleakala, ein inaktiver Vulkan, 3'055 Meter ü.M, wartet auf uns.
    Ich muss zugeben, ich war etwas skeptisch, denn trotz aller Herzlichkeit, die ich auf der Reise schon erfahren durfte, konnte ich mir nicht vorstellen, weshalb jemand aus dem Aktivitätenshop (also dort, wo man die Aktivitäten und Attraktionen bucht) Imare einfach so eine kostenlose Fahrt zum Haleakala anbieten würde. Zudem hatte ich zu wenig Infos um jegliche Zweifel abzuwimmeln. Doch ich vertraute Imare. Und Vertrauen ist gut, aber ein wenig Kontrolle ist bekanntlich besser. Rafal hat mir gestern erzählt, dass er auch gerne zum Haleakala gehen würde, da lud ich den etwa 1.90-Meter-Mann auch mit ein. So à la der Beschützer im Notfall. Wir trafen uns alle um 15 Uhr auf dem Parkplatz vor dem Shop. Doch Alex, der Typ, der uns hochfahren wollte, war weder zu sehen noch zu erreichen, dafür sahen wir Rafal in Shorts und T-Shirt. Den schickten wir sofort zurück zum Hostel, damit er sich wärmer anzieht. Mit nur einem Langarmshirt kam er zurück und meinte, dass er nicht mehr brauchen würde (Später stellte sich heraus, dass das Shirt, das einzig Warme war, dass er dabei hatte.). Noch immer keine Spur von Alex. Meine Zweifel wurden nicht weniger. Doch um halb 4 kam er, entschuldigte sich und mit dem zweiten gesprochenen Satz waren meine Bedenken weg. Er war Mitte 20 und hatte eine sympathische Ausstrahlung. Hastig lotste er uns in den Van, denn die Fahrt nach oben würde etwa zwei Stunden dauern und wir durften den Sonnenuntergang auf keinen Fall verpassen. Gerade wollten wir auf den hinteren Sitzen Platz nehmen als wir merkten, dass da gar keine Sitze vorhanden waren. Statt Sitzen fanden wir eine Ladefläche mit Decken, Badetücher und Strandzubehör vor. Das würde eine abenteuerliche Fahrt, for sure! Aber genau deshalb liebe ich das Reisen. So verbrachten Rafal, Imare und ich die ganze Fahrt auf unseren improvisierten «Deckensitzen» und wurden von Alex genauer über die hawaiianische Kultur und die Gesetze aufgeklärt, wie beispielsweise, dass jeder Bürger von Hawaii beim Kauf eines Grundstücks mindestens zwei einheimische Gemüse- oder Früchtepflanzen pflanzen muss, um der Natur etwas zurück zu geben. Und auch Rafal teilte sein Wissen über Hawaii mit uns und stellte Alex spannende Fragen bezüglich diesem. Wir hörten Alex hawaiianische Reggeamusik, rochen den Duft von Sandelholz durch das offene Autofenster und hatten natürlich phänomenale Sicht, wer hätte es gedacht, auf die Prachtslandschaft. Mit der Zeit war das Sitzen nicht mehr so angenehm und mutierte mehr zu einem Herumrutschen, so waren wir alle froh als wir endlich oben ankamen. Nicht das ich schon einmal dort gewesen wäre, aber ich fühlt mich wie auf dem Mars. Unglaublich wirklich, ich hatte noch nie so eine Landschaft gesehen. Wir liefen auf dem Vulkan herum und Alex erzählte uns das «Haleakala» Haus der Sonne bedeutet. Er erzählte uns zudem von der Legende von Haleakala. Der Legende zufolge hat der Halbgott Maui mit einem Lasso die Sonne vom Himmel aufgefangen als er auf dem Gipfel des Vulkans stand. Dadurch verlangsamte er den Sonnenuntergang und verlängerte den Tag.
    Wir liefen noch das letzte Stück nach oben zum «Top of the Top» .Wohin wir auch sahen, es war schön. Der Himmel verfärbte sich immer neu, von sanftem babyblau über pastelliges Hellrosa und während des ganzen letzten Stück des Wegs revidierten wir unsere Meinung ständig aufs Neue; «Nein, das ist nun wirklich die schönste Farbe und nein, hier ist nun wirklich der schönste Punkt.» Wir erreichten den Gipfel kurz vor knapp als sie Sonne gerade noch in voller rund goldener Pracht über dem Wolkenmeer thronte, ehe sie kleiner wurde, den Tag verabschiedete und schliesslich im Wolkenmeer verschwand. Der Moment schien zu kurz. Die Vulkansteine schimmerten rötlich und das Lichterspiel am Himmel begann.
    Okay, kitschig, aber Gefühle der puren Dankbarkeit durchfluteten mich und Verwunderung darüber, wie ich so einen Moment und solch eine Aussicht verdient habe. Kurz die Augen schliessen, sich vergewissern, dass der Anblick wirklich Realität ist und von Neuem staunen. Überhaupt einmal wieder wirklich Staunen. Überwältigt sein. Im Stillen. Im Moment. Ich versuchte jede einzelne Wolke, jede einzelne feine orangegoldene Nebelschwade und jedes einzelne Gefühl festzuhalten und zu verewigen.
    Über den Wolken mit unserer Tüte Maui Chips, die nach der Aufregung das kleine Hüngerchen stillten. Wir warteten nun darauf, dass das abendliche Licht verschwinden würde, damit wir in kompletter Dunkelheit die Sterne bewundern können. Es wurde kalt. 10 Grad, schliesslich 5, dann 3. Alex, der wirklich einfach der gutmütigste aller Menschen ist, holte uns eine Decke aus dem Auto und parkierte das Auto auf dem näher gelegene Parkplatz, denn der hat sich nun etwas geleert. Wir lernten andere Leute kenne, die wacker darauf warteten, dass sich der Sternehimmel in vollem Glanz präsentieren würde. Imare und ich machten einige Squats und Hampelfrauen:p, um uns warm zu halten (Rafal übrigens noch immer in seinen kurzen Hosen!). Als ich neben Rafal sass, sagte ich zu ihm: «Stell dir vor, wir würden noch eine Sternschnuppe sehen.» …und einen Augenblick später sah ich sogar einen Kometen!! Alex kommt mit den Decken und Imare und ich legen uns eingekuschelt auf das Vulkangestein, unsere Augen auf Sternschnuppenjagd. Mit der Kälte kam das Sternemeer und in der Ferne erkennbar die Milchstrasse. Wow. Beflügelt machten wir uns auf den Heimweg.
    Alex fährt, eine japanische Frauenstimme singt und wir, wir dösen vor uns hin.
    Um beinahe 23 Uhr erreichen wir wieder Lahaina. Wir wollten uns verabschieden, doch Rafal bestand darauf, uns alle noch zum Essen einzuladen. So sitzen wir müde, aber glücklich im Restaurant, wo mit dem Essen auch wieder der verdrängte Hunger kommt. Was für ein Tag. Einer der schönsten, die ich erleben durfte.

    P.S Sorry für den Kitsch
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