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  • Day7

    Maui (Wailuku - Lahaina)

    August 16 in the United States ⋅ ⛅ 28 °C

    Erste Tage auf Maui

    Rückwärtsperspektive (schon zwei bis drei Wochen her)
    Ankunft:
    Nachdem der Pilot die Ankunft in Maui, Hawaii verkündete, war ich ganz vorfreudig. Ich hatte es nach Hawaii geschafft.
    Ich beschloss den lokalen Bus zu nehmen, erkundigte mich nach der Station, setzte mich dorthin und wartete und wartete… Als nach 35 Minuten noch kein Bus in Sicht war, beschloss ich nochmals nach zu fragen, doch die versicherten mir, dass da schon noch einer kommen würde.
    Nach 57 Minuten kam da tatsächlich noch einer. Nachdem eine andere Person wegen zu grossem Gepäckstück nicht reingelassen wurde (Das ist eine Regel hier: keine grossen Koffer in den Bus), war ich an der Reihe. Auch ich hatte Probleme, denn die Tageskarte kostete 4 Dollar und die musste man genau haben, was ich nicht bieten konnte.
    Eine Frau, Gabe, hiess sie kam jedoch direkt auf mich zu, lächelte mir herzlich zu und gab mir die fehlenden Dollar. Wow, ich war gerührt von dieser Herzlichkeit und wollte ihr etwas geben dafür, doch sie meinte nur, wenn ich dafür jemandem auch etwas Gutes tue, dann wär das für sie das Schönste. Bis zum Wechsel in den anderen Bus versorgte sie mich ausserdem mit Tipps und brachte mich ins Gespräch mit einem Freund von ihr. David, ein älterer Herr, der mir seine Lebensgeschichten und -philosophien erzählte, u.A auch, dass er einmal in einem Gefängnis in den Staaten gearbeitet hat und so ging die 1.5stündige Fahrt zu meinem Hostel ruckzuck um. Bis jetzt habe erst Tropenluft schnuppern können und konnte die Landschaft noch nicht so erfassen.
    Als ich dann endlich im Hostel ankam warteten zwei Dämpfer auf mich. Die Road-to-Hana-Tour (eine szenische Route zu Südosten von Maui), weswegen ich das Hostel gebucht hatte und mich im Vornherein über die Verfügbarkeit erkundet hatte, war ausgebucht. Ausserdem war ich in einem Achtbettzimmer mit 7 Jungs im Keller…Naja, als ich ins Zimmer kam, lernte ich jedoch sofort zwei Zürcher kennen und fühlte mich wohl. Ausserdem sah ich dann einen Aushang von drei Leuten, die morgen dem Road-to-Hana-Van nachfahren würden und noch einen freien Platz hatten. Ich schrieb ihnen und sie gaben mir den Platz. Als ich sie sah, dachte ich zuerst es sei eine spezielle Familienkonstellation, doch es stellte sich heraus sie kennen sich alle aus dem Studium: Meeresbiologie und sonstige Biologien auf jeden Fall wissbegierige intelligente Leute, aber ein Partyvan würde es vermutlich nicht werden, wenn ihr mir den Kommentar erlaubt.

    Ich holte mir noch vietnamesisches Essen, darauf folgte eine kalte Dusche, da das warme Wasser aufgebraucht war, und schliesslich bemerkte ich noch, dass isch plötzlich ZWEI Mini Haarglätter in meinem Gepäck hatte. Ups. Alle supernett zu mir und ich biete solch grossartige Aktion. Das mit dem guten Karma sammeln, klappt da wohl noch nicht ganz. Ich fühlte mich richtig schlecht deswegen, gerade weil ich daran dachte wie sich meine kleinen Löckchen um die Ohren genieren würden, wenn mein kleiner Haarglätter das Weite gesucht hätte. Aber ja, ups. Danach passierte nicht mehr viel, ich legte mich ins Bett und schlief sofort ein.
    Die Tour morgen startet um 7h.

    So standen wir alle bereit und um 7:40 ging es dann schliesslich verspätet los. Nebenbemerkung: bei unserem Mietauto gab es ein Upgrade und wir hatten nun ein Cabriolet.😎
    Unser erster Stop war bei einem kleinen idyllischer Wasserfall. Eigentlich wollte ich noch nicht ins Wasser, denn es war mir zu früh und ich hatte das Gefühl die Nässe dann den ganzen Tag nicht abschütteln zu können, doch als Daisy unsere Tourguidin meinte, dass dies der einzige Wasserfall ist, in den man reinspringen kann, da war klar, dass ich den negativen Einstellungen trotzen würde. In Kürze befand ich mich oben am Wasserfall. Zusammen mit Lauren vom Hostelvan, die ich auch überredet hatte. Ganz schön hoch solche 8 Meter. Aber wieder runterklettern kommt nicht in Frage. Auch Lauren standen die Bedenken ins Gesicht geschrieben. Sie fragte, ob wir zusammen springen. Als ich gerade springen wollte, zog sie meine Hand wieder zurück und war zuerst im Zweifel, ob sie dies wirklich tun kann. Was bei mir dann auch nochmal ein Zögern hervorrief. Doch wir schafften es und sprangen schliesslich noch weitere Male.

    Langsam sind wir auch ein gutes Stückchen vorangekommen auf der Road to Hana und so wartete am nächsten Stop ein kleiner lokaler Farmersmarket mit Möglichkeit Bananenbrote und sonstige Spezialitäten zu kaufen. Ich war ausserdem fasziniert von den Toiletten, die wunderschön holzig süss hawaiianisch aussahen, ausserdem geblumt und sauber waren und einem obendrauf sogar beim Pinkeln, oder was auch immer, einheimische Musik zuspielten.

    Ich muss sagen ich schätze die Mitfahrgelegenheit im Cabriolet sehr, doch stellte ziemlich auch fest, dass wir schon unterschiedliche Charakteren sind🙊

    Nächste Stops: Aussichtspunkte, Strand, durch einen kleinen Tunnel kraxeln!!!, dazu (also wieder ausserhalb des Tunnels :p) wunderschöne Meer- und Landschaftsszenerie und Alohamusik.

    Das Highlight für mich war der Strand am Ende des Tages (muss ich nochmals Googlen aber glaube, Hkoopia Beach oder so), wo sich die Schildkröten wie grosse Steine am Strand sammelten. Ich war überwältigt vom Anblick dieser vielen Schildkröten. Ausserdem fand ich die abendliche Stimmung an diesem Strand irgendwie besonders. Er strahlte solch eine Ruhe aus und die Wellen des Meeres versprachen sanfte Gelassenheit.
    Wir fuhren schliesslich zurück zum Hostel und nach 12 Stunden unterwegs sein fiel es mir nicht schwer baldig einzuschlafen.

    Dienstag:
    Heute stand bei mir ein Hostel und Ortswechsel an. Ich hatte mir das kleinere Städtchen Lahaina ausgesucht mit einem Hostel direkt am Meer. Ich nahm früh den Bus, traf im Bus auf einige aus meinem alten Hostel, die sich für einen Strandtag auch nach Lahaina begaben. Darunter aber auch Rafal, mein ehemaliger Zimmergenosse, der ebenfalls das Hostel wechselte und sich auch Lahaina ausgesucht hatte (Aber er hatte ein anderes Hostel und musste zu seinem Erstaunen sogar in einem Zelt schlafen.Hihi.)

    Ich kam in meinem Hostel an und war gleich eingenommen von der Energie des Hostels. Es begrüsste mich mit einer familiären Küche, in der ein Radio spielte, das komischerweise während meines ganzen Aufenthalts, immer den passenden Song bereit hatte. Fast so als könnte dieser Raum/das Radio meine Stimmung lesen und entsprechend entgegenwirken oder intensivieren.
    Die Zimmer waren süss mit Bettwäschen im altmodischem Stil. Es gab einen kleinen Garten mit einem grösseren Tisch, Surfbretten und Kajaks zum kostenlos ausleihen und einem Unterstand mit einem Sofa.
    Als ich das Gartentor öffnete gab sich ein direkter Weg zum Strand frei. Ein Träumchen. Ich wusste, hier würde es mir gefallen.

    Da ich das Zimmer jedoch noch nicht beziehen konnte, ging ich auf Entdeckungstour ins Städtchen. Süsse Surfershops. Roxy. Billabong. Quicksilver. Vans und die üblichen Verdächtigen. Im Bellas Surf Café gönnte ich mir Açai Bowl und Avocadotoast, also die klassischen Instagramfavorits zu ,selbst für Hawaii, stolzen Preisen. Ich las mich ein wenig mehr über Maui ein. Danach lief ich bis zum Supermarkt mit der Vorstellung meiner Gesundheit und meinem Budget dank der tollen Küche im Hostel etwas Gutes zu tun und oft selbst zu kochen. Naja, Hüttenkäse 6.-, Ananas 10.-(!!!), ein kleiner Brokkoli 7.- , ihr seht es oder? Trotzdem kaufte ich einige grosse Kleinigkeiten und lief mit meiner doch noch ordentlich bepackten Tüte die 1.5 km zurück zum Hostel, fühlte mich dabei als würde ich schon ewig hier leben.
    Ich beschriftete meine Einkäufe schön mit Namen und Datum, denn Hostelregel Nummer 1: Beschriften sonst gehört es der gierigen Allgemeinheit!:)

    Iim Hostel lernte ich Imare kennen. Sie ist 20 und hatte einen Sprachaufenthalt in Hawaii gemacht und ist jetzt noch eine Woche auf Maui. Wir verstanden uns auf Anhieb und es war schön ein junges sympathisches Gesicht im Hostel zu wissen, gerade auch da ich gelesen hatte, dass im Hostel mehrheitlich ältere Personen (v.a Frauen) logierten.

    Ich richtete mich im Zimmer ein und ging zum Strand.
    Wie schön, das erste Mal so richtig am Strand sein. Freiheitslieblingsgefühle. Ich blieb bis die Sonne unterging und noch ein wenig länger, um mit Imare zu plaudern. Am Abend war eine sehr schöne friedvolle Stimmung im Hostel. Es wurde gekocht, gelesen oder gejournalt. Eine Wohlfühllagerstimmung. Das Fazit über den Altersdurchschnitt bemisst sich tatsächlich etwa auf 35, hätte ich gesagt. Auch ich las noch und ging dann gemütlich schlafen.

    Mittwoch:
    Heute steht „Nichtstun“ auf dem Programm und ich freute mich darauf. Doch irgendwie war heute nicht so mein Tag. Kennt ihr das, wenn ihr aufwacht und einfach spürt, dass es heute eher etwas harzig werden wird. So erwachte ich und mit Blick auf das Handy sah ich mich bereits vor mehrere Herausforderungen gestellt, als hätte ich es gewusst. Nicht alle sollen hier erläutert werden:p. Eine hatte damit zu tun, dass ich gestern so ein Wohlgefühl für das Hostel hier entwickelt hatte, dass ich mir überlegte hier zu verlängern und ein anderes Hostel stornieren. Ich musste dies zuerst mit Prithvi (meinem Kollegen von Oahu) besprechen, da ursprünglich gedacht war, dass wir zusammen in dieses andere Hostel gehen und ich schauen musste, ob das für ihn überhaupt in Ordnung war und ich schnell handeln musste, da das Zimmer hier sonst vergeben wird. Ich weiss, klingt banal und nach Paradischenproblem“ aber war wirklich mit vielen Abklärungen und Gedankengängen verbunden. Plus da war heute einfach dieses unangenehme Gefühl, da konnte ich machen, was ich will, heute war einfach alles nicht so gut. War auch viel im Kopf.
    Da ich mich mittlerweilen gut kenne und weiss, dass mir Farmersmarkets meist gefallen und meine Stimmung heben, beschloss ich nach Napili zu gehen (eine Stunde nördlich von hier) und den Minimarkt dort auszukundschaften. Ich machte mich auf den Weg und traf im Bus auf Rafal, was der erste freudige Zufall war heute. Er ist übrigens schon Anwalt und ich glaube noch keine 30:p. Intelligenter Bursche. Er erzählte mir, dass er für heute ein Auto mieten wollte und der ganzen Nordküste entlang fahren will und fragte, ob ich mitkommen wollte. Wie verlockend! Ich zögerte, denn heute war doch eigentlich Nichtstun dran und nun war ich auch schon wieder auf der „Schwanzi“ statt einfach nur am Strand zu sein. Und für morgen hatte ich auch schon strenges Programm, Imare hatte mich nämlich gefragt, ob ich mit ihr und Marlous, welche sie aus Oahu kennt, am Morgen eine Wanderung machen möchte und. am Nachmittag hat ein Local ihr angeboten sie zum Haleakala (dem höchsten Vulkan von Maui) zu fahren zum Sonnenuntergang. Dafür hat sie mich auch gefragt. Und für Freitag hatte ich eigentlich auch allerlei Ideen…So beschloss ich einfach mal runterzufahren und es dem Zufall zu überlassen, ob das mir Rafal noch klappt. Erst allein zum Farmersmarket, denn das merkte ich, das brauchte ich gerade, etwas allein sein. Rafal und ich hattenbeide keine mobilen Daten. So dachte ich, wenn ich am Farmersmarket Daten habe und er per Zufall am seinem Standort auch, so können wir uns auf seinem Weg zum Northshore treffen und wenn nicht dann eben nicht. Der Zufall ergab sich nicht. Rückblickend; als er mir Fotos von seinem roten Cabriolet und den Stränden zeigte und meinte es war schade, hatte er mich nicht überreden können, die Fahrt wäre wunderschön gewesen, da war ich schon versucht es zu bereuen nicht mitgegangen zu sein, aber ich denke der Halbruhetag hat mir auch gut getan.
    Auf jeden Fall war der Markt auch super. Zwar überschaubar klein, dafür herzig. Ich hatte eine unglaublich gute Sternfrucht. Kaufte generell viele Früchte, was mich sowieso immer glücklich macht und probierte mich durch sonstige kuriose Köstlichkeiten. Nach dem ich mich ausgiebig verkostigt hatte, machte ich mich auf den Rückweg. Die Stimmung war besser, doch das gedämpfte Ich wurde ich heute einfach nicht ganz los. Bevor es zurück nach Lahaina ging, machte ich noch Halt an einem anderen Strand. Er war etwas touristischer, aber kristallklares Wasser und richtig eben zum reingehen. Ich war heute aber wirklich etwas unruhig (Das gibt es auch im Paradies) und so kehrte ich zurück. Und tatsächlich, ich weiss nicht mehr welcher Song, aber das Radio nahm mich mit passendem Song in Empfang. Ich machte mir Tacos, legte mich kurz hin, stornierte das andere Hostel endgültig und verlängerte meinen Aufenthalt hier. Immerhin. Ich schnappte meine Badesachen und ging an „unseren“ Strand. Nach etwa einer Stunde fühlte ich mich wieder etwas mehr bei mir und die Welt sah besser aus, respektive fühlte sich besser an. Objektiv betrachtet, gab es ja eigentlich nicht viel Grund zu motzen. Der Sonnenuntergang kündigte sich an und alle kamen sie aus ihren Löchern. Nach dem die Sonne untergegangen war, entdeckte ich Athena. Sie ist bei mir im Hostel und war früher ein Er. Ich weiss nicht, weshalb ich dies hier speziell erwähnen sollte, aber irgendwie finde ich es hier passend.
    Athena fragte, ob sie sich zu mir setzen durfte und wir hatten ein sehr interessantes tiefgründiges Gespräch. Nach ihrer Geschichte zu fragen, getraute ich mich aber nicht ganz. Ich merkte wie Athena mich berührte in vielem was sie mir erzählte und was sie ausstrahlte. Ich schätzte dieses Gefühl. Eine Mischung zwischen Anteilnahme und Wertschätzung vielleicht. Ich merkte, dass ich das alles sehr schätzte und diese Reisebegegnungen und Gefühle vermisst hatte. Wie einem fremden Leute manchmal so nah ran lassen, diese offene Verletzlichkeit, die man sich gegenseitig schenkt und durch die berührenden Geschichten oder neuen Perspektiven bereichert wird. Eine von Athenas Erzählungen möchte ich auch hier gerne erzählen mit der Bemerkung, dass Athena eine wundervolle angenehm ruhige Stimme hat und sie mir dieses Erlebnis bei eindunkelndem Meeresrauschen erzählte. Sie erzählte mir, dass sie heute Morgen früh aufgewacht war, so früh, dass sie beschloss zum Sonnenaufgang auf den Haleakala zu fahren. Sie beschrieb die Szenerie beim Hinauffahren und die Friedlichkeit da oben, obwohl es einige Leute hatte. Mit ihrer ruhigen Stimme erzählte sie mir, dass zuerst noch einen Sternenmeer zu sehen war, einige Vögel zwitscherten und dann langsam die Sonne aufging. Sie erzählte mir, dass sie so berührt war von dem Moment und der Natur, dass ihr eine Träne ins Auge trat und in exakt dem Moment als das passierte, fing ein Parkwächter an zu singen. Er sang ein wunderschönen hawaianischen Morgengesang. Für sich. In die Stille hinein. Die Träne verliess Athenas Auge und kullerte die Wange herunter.

    Ich hatte Gänsehaut.
    Imare kam schliesslich auch noch an den Strand, wir sassen eine Weile zu dritt.

    Imare und ich holten noch Glace im Städtchen und später telefonierte ich nach Hause. Ich beschloss mit dem Tag Frieden zu schliessen, aber dass ich denn morgigen kaum erwarten kann. Egal, was er bringen würde, einfach, da es ein neuer sein würde.
    Spoiler: Es wird ein guter:)
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