Von Manilva nach Ronda: Durch die Berge
January 12 in Spain ⋅ 🌙 13 °C
Da wir nun ja zusätzlich motorisiert sind, wollen wir uns die umliegenden Schönheiten Andalusiens natürlich nicht entgehen lassen. So zog es uns gleich nach dem Frühstück in das rund 74 Kilometer entfernte Ronda. Zunächst ging es ein Stück gemütlich auf der A7 beziehungsweise der mautpflichtigen AP7 in Richtung Málaga, vorbei an Estepona, bevor uns das Navi abrupt aus dem Küstentrubel heraus und hinein in die Berge lotste.
Und was für Berge das sind! Wir fuhren hinein in die Serranía de Ronda, ein beeindruckendes Mittelgebirge, das sich wie eine natürliche Bastion zwischen Küste und Hinterland erhebt. Der erste Anstieg führt durch die Sierra Bermeja, bekannt für ihr rötliches Gestein und ihre ungewöhnlich eisenhaltigen Böden. Hier erreichen die Höhenzüge rund 1.200 bis 1.450 Meter, während weiter nördlich die Sierra de las Nieves mit dem Torrecilla sogar fast 1.920 Meter misst - eines der höchsten Massive Andalusiens. Kein Wunder also, dass sich die Landschaft mit jeder Kurve spürbar verändert.
Wir fuhren durch ausgedehnte Pinien- und Korkeichenwälder, vorbei an tiefen Schluchten und immer wieder öffneten sich Ausblicke wie gemalt: In der Ferne lagen sie da wie aufgereihte Perlen - die berühmten weissen Dörfer Andalusiens, hoch oben an die Berghänge geschmiegt. Sobald wir eines dieser Dörfer durchquerten, wurde klar: Abgeschieden heisst hier keineswegs verlassen. Die Bars waren geöffnet, Menschen standen plaudernd auf den Plätzen, Kinder spielten - diese Dörfer leben, und wie.
In Ronda angekommen, parkten wir unseren Clio in einem zentral gelegenen Parkhaus. Kaum wieder auf der Strasse, standen wir bereits mitten in der Fussgängerzone. Geschäfte reihen sich hier aneinander, viele mit Souvenirs, Lederwaren und regionalen Produkten. Auch an Restaurants mangelt es nicht. Erstaunlich war jedoch, wie wenig internationale Touristen unterwegs waren - die meisten Passanten schienen Spanier zu sein. Vielleicht ein Geschenk der Nebensaison.
Ronda gehört zu den ältesten Städten Spaniens. Bereits die Kelten siedelten hier, später folgten die Römer, die die Stadt "Arunda" nannten. Ihre heutige Prägung erhielt Ronda jedoch vor allem während der maurischen Zeit, als sie eine wichtige Festungsstadt war. Die spektakuläre Lage auf einem Hochplateau, das durch die bis 120 Meter tiefe Tajo-Schlucht geteilt wird, machte sie nahezu uneinnehmbar. Die berühmte Puente Nuevo, die "neue Brücke", ist übrigens alles andere als neu: Ihr Bau begann im 18. Jahrhundert und dauerte über 40 Jahre - ein echtes Ingenieurswunder der Zeit.
Ronda kannten wir bereits von einem Besuch vor fünf Jahren, daher wussten wir genau, wo sich die schönsten Aussichtspunkte befinden. Natürlich durfte auch der Lieblingspark von Ernest Hemingway nicht fehlen. Der Schriftsteller liebte Ronda und liess sich hier zu Werken wie " Wem die Stunde schlägt" inspirieren. Direkt davor liegt die legendäre Plaza de Toros, eine der ältesten Stierkampfarenen Spaniens.
Der spanische Stierkampf (Corrida) ist tief in der Geschichte und Kultur des Landes verwurzelt, aber heute stark umstritten. In vielen Regionen - etwa in Katalonien - ist er verboten. In Andalusien hingegen wird er noch praktiziert, allerdings mit deutlich weniger Veranstaltungen als früher. In Ronda finden Corridas meist nur noch zu besonderen Anlässen statt, etwa während der traditionellen Feria Goyesca, bei der die Toreros historische Kostüme tragen.
Bei feinen Gitarren- und Violinklängen liessen wir den Blick schweifen, genossen die grandiose Aussicht über eine scheinbar endlose Weite aus Bergen, Feldern, Wäldern und vereinzelter Höfen. Ein Panorama, das demütig macht und zugleich tief entspannt.
Für den Heimweg wählten wir eine andere Route, die uns direkt zurück nach Manilva führte - über gut 70 Kilometer kurvenreicher Bergstrassen. Die Aussicht war erneut fantastisch, das flaue Gefühl im Magen ebenfalls...
Der Ausflug hat sich zweifelsohne gelohnt, doch eines ist sicher: Ronda zum dritten Mal braucht es nicht mehr. Manche Orte darf man einfach als wunderschöne Erinnerung im Herzen behalten.Read more


















TravelerWunderschöne Bilder von einer aussergewöhnlichen Stadt🥰 und wie gewohnt von Jeanine einen tollen Text den man gerne liest🙏😇👌
Traveler🥰 danke! Freut mich sehr!
Traveler
👏