• Mijas Pueblo - berechtigter Hotspot

    January 26 in Spain ⋅ 🌧 14 °C

    Nach einem ziemlich feuchten Tag gestern - wir entwickelten spontan die Disziplin "Spaziergänge zwischen zwei Regenfronten" - war für heute tatsächlich besseres Wetter angesagt. Dieses Versprechen nahmen wir ernst und nutzten es, um die rund 61 Kilometer nach Cabopino zurückzulegen, wo wir Gaby und Rolf auf ihrem Campingplatz besuchten.
    Schon bald wurde klar: Unsere Ferienlocation liegt etwas zu nahe am Atlantik. In Kombination mit dem Gebirge im Hinterland von Manilva, der Sierra de la Utrera, entstehen offenbar ideale Bedingungen für atmosphärische Grossentleerungen. Das zerklüftete Kalksteingebirge funktioniert wie ein natürlicher Regenmagnet: Wolken rein, Wasser raus. Cabopino, das zu Marbella beziehungsweise Mijas gehört, scheint dagegen wettertechnisch eindeutig auf der Sonnenseite des Lebens zu stehen.
    Mein ausdrücklicher Wunsch für diesen Tag war der Besuch des berühmten weissen Bergdorfs Mijas Pueblo. Gaby chauffierte uns alle sicher im Mietwagen die steile Strecke hinauf - hinein in einen der bekanntesten Hotspots der Costa del Sol. Ja, touristisch ist es. Aber eben auch aus gutem Grund.
    Mijas Pueblo liegt auf 430 Metern Höhe am Hang der Sierra de Mijas und blickt majestätisch über das Mittelmeer. Die Geschichte reicht von iberischen Ursprüngen über römische Zeiten bis zur maurischen Prägung, was man dem Ort bis heute ansieht. Weisse Häuser, enge Gassen, Blumentöpfe - und eine Aussicht, wie aus der Perspektive eines Adlers.
    Besonders eindrucksvoll ist die Höhlenkirche Eremita de la Virgen de la Peña, direkt in den Fels geschlagen. Kühl, still und angenehm unaufgeregt.
    Danach verloren wir uns in den steilen Gassen, die meisten über Treppen erschlossen. Wer hier wohnt, braucht weder Fitnessstudio noch Knieprobleme vom Joggen - die kommen gratis.
    Die zahlreichen Läden bieten alles von Souvenirs über Keramik bis zu Lederwaren. Sehr viele Lederwaren. Die VerkäuferInnen sind freundlich, engagiert und teilweise so anhänglich, dass man sich fragt, ob ein kurzer Blickkontakt bereits als Kaufabsicht gilt. Die Konkurrenz ist hier jedenfalls nicht nur gross, sondern gnadenlos.
    Zwischendurch begegnet man den berühmten Eseltaxis, historisch gewachsen und touristisch beliebt. Die Esel wirkten allerdings eher apathisch und blickten mit der Ruhe von Wesen, die alles schon gesehen haben - was wahrscheinlich auch so ist.
    Nach all den Eindrücken war es schliesslich Zeit, sich bei einem feinen späten Mittagessen zu stärken. Die Zeit verging im Flug. Die Sonne verabschiedete sich leise, bevor wir es richtig realisiert hatten.
    Auf dem Rückweg legten wir noch einen Halt in einem riesigen Chinesenshop ein, einem Ort, an dem man theoretisch alles findet, praktisch aber nie das, was man ursprünglich gesucht hat. Rolf benötigte dringend ein Werkzeug, um seine Zeltheringe angesichts der angekündigten stürmischen Tage sicher im Boden zu verankern - ein durchaus nachvollziehbares Anliegen. Er wurde sogar fündig!
    Währenddessen meldete sich Gabys Blase mit zunehmender Dringlichkeit. Die Toilette war vorhanden, der Eintritt problemlos. Der Ausgang hingegen erforderte ein telefonisches Notsignal. Dank Teamarbeit konnte auch dieses Problem gelöst werden.
    Am Ende kehrten wir alle glücklich, leicht erschöpft und um einige Geschichten reicher zu unseren Wohnmobilen zurück. Mijas Pueblo hatte geliefert: Kultur, Geschichte, Geografie, gutes Essen - und genug Stoff für trockenen Humor.
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