• Puerto de Sotogrande im Gegenwind

    January 29 in Spain ⋅ 🌬 16 °C

    Puerto de Sotogrande ist kein Ort, der laut um Aufmerksamkeit buhlt. Er liegt einfach da, geschniegelt, gelassen und mit dem Selbstbewusstsein eines Menschen, der nie gelernt hat, über Geld zu sprechen - weil es immer da war. Gegründet in den 1960er Jahren als exklusives Gegenmodell zu den aufkommenden Bettenburgen der Costa del Sol, war Sotogrande von Anfang an für jene gedacht, die Privatsphäre schätzen. Und genau das spürt man bis heute.
    Wir erreichten den Hafen bei Wetter, das man nur mit wohlwollender Fantasie als "durchwachsen" bezeichnen kann. Heftige Böen zerrten an unseren Jacken, während ein feiner Regen fiel, der weniger an Dauerregen erinnerte als an eine besonders hartnäckige Dusche, die man eigentlich schon lange abgestellt glaubte. Die gute Laune liessen wir uns aber nicht abwaschen. Inzwischen sind wir ziemlich sturmerprobt seit uns Harry, Joseph und Kristin in den vergangenen Tagen mit bis zu 150 km/h und heftigen Regenfällen besucht haben.
    Der Hafen präsentierte sich entsprechend leer. Kaum Menschen, kaum Geräusche, nur das Klirren der Masten im Wind und das tiefe, zufriedene Schweigen eines Ortes, der weiss, dass er auch bei Sturm nichts beweisen muss. Vielleicht gefiel er uns gerade deshalb so gut. Ohne Sonnenschein, ohne Aperol, ohne Instagram-Filter wirkte Puerto de Sotogrande fast ehrlicher. Ruhig und unaufgeregt. In sich selbst ruhend.
    Den Café con leche und das Stück Kuchen liessen wir uns nicht nehmen. Vor einer wunderbar wilden Hafenkulisse schmeckte beides erstaunlich gut, während sich die Palmen und Segelmasten einen stillen Wettkampf lieferten: Wer würde dem Wind wohl länger standhalten? Die Palmen mit aristokratischer Gelassenheit, die Masten mit metallischem Knarren - ein Unentschieden, zumindest an diesem Nachmittag.
    In der Werft dann ein kleines Highlight für Freunde morbider Ästhetik: eine ausgebrannte Yacht, deren Rumpf ein Loch von beeindruckendem Ausmass zierte. Ein maritimes Mahnmal dafür, dass auch sehr teure Dinge gelegentlich einen schlechten Tag haben. Man konnte sich lebhaft vorstellen, dass dieses Boot nun zu einem ausgesprochen attraktiven Preis zu haben wäre - ideal für Optimisten oder Bastler.
    Entspannt scheint man hier generell zu sein, zumindest wenn es ums Geld geht. Wohnungen und Villen in Puerto de Sotogrande sind alles - nur keine Schnäppchen. Gleichzeitig stehen derzeit erstaunlich futuristische Immobilienangebote im Raum. Klare Linien, viel Glas, minimalistische Architektur. Preise? Zwischen 2,5 bis 10 Mio Euro aufwärts. Dafür bekommt man allerdings "wirklich was Feines", wie man hier vermutlich sagen würde.
    Denn Sotogrande ist kein Ort des Protzens. Eher "old money" als Neureichtum, eher Understatement als Show. Man fährt dezente Autos, trägt unauffällige Kleidung und weiss sehr genau: Über Geld spricht man nicht. Man hat es.
    Read more