• Zwischen Konsumtempel und Geschichte

    May 16 in Poland ⋅ ☁️ 12 °C

    Heute haben wir uns einmal mehr unter die Einheimischen gemischt - und zwar dort, wo man sie garantiert trifft: im Einkaufszentrum.
    Shopping gehört nicht unbedingt zu unseren Lieblingsdisziplinen. Zu laut, zu viele Angebote, zu viele Verlockungen und Entscheidungen. :) Aber heute war es nötig: Unsere spanischen Prepaid-Karten laufen ab.
    Natürlich hatte Peter - wie immer - seine Hausaufgaben gemacht . Anbieter verglichen, Optionen geprüft... und ziemlich schnell wurden wir bei Orange fündig.
    800 GB für 5 Zloty.
    Also rund 1.10 Franken.
    Da fragt man sich schon kurz, ob irgendwo ein Haken versteckt ist. Aber: Handys funktionieren. Bis jetzt. Und falls nicht - der finanzielle Schaden hält sich in sehr überschaubaren Grenzen....
    Nach diesem kurzen Ausflug in den Konsumtempel war es fast schon eine Wohltat, wieder draussen zu stehen.
    Krakau ist weitläufig - und genau das macht den Reiz aus.
    Abseits der ganz grossen Plätze entdeckt man reich verzierte Herrenhäuser, versteckte Innenhöfe und plötzlich steht man vor dem imposanten Julius-Slowacki-Theater. Ein echtes Schmuckstück aus dem 19. Jahrhundert.
    Langsam, aber sicher fühlten wir uns schon wie halbe Krakauer und stiegen ganz selbstverständlich wieder ins Tram. Das Ziel, ein sehr schweres Thema Geschichte: das jüdische Viertel Kazimierz. Ein kurzer Blick zurück: Während der deutschen Besatzung im Zweiten Weltkrieg wurde die jüdische Bevölkerung aus Kazimierz in das nahegelegene Ghetto Podgórze zwangsumgesiedelt. Dort herrschten Enge, Hunger und Angst. Viele Menschen wurden später in Konzentrationslager deportiert.
    Heute erinnern noch Plätze, Gedenkorte und die Atmosphäre an dieses dunkle Kapitel.
    Und heute? Kazimierz hat sich komplett gewandelt. Es ist ein kreatives Szenenviertel, Treffpunkt für Kunstschaffende, voller kleiner Boutiquen, Bars und Restaurants.
    Ein starker Kontrast zur Geschichte - und genau das macht diesen Ort so besonders.
    Auf unserem Streifzug durch das jüdische Viertel hielten wir kurz inne und warfen auch einen Blick in die Basilika Corpus Christi (Fronleichnamskirche). Eine beeindruckende gotische Kirche aus dem 14. Jahrhundert, später barock umgestaltet. Ruhig, würdevoll - ein Ort zum Durchatmen mitten im lebendigen Viertel.
    Zum Schluss kehrten wir in ein uriges kleines Bistro ein. Ich genoss weissen Borschtsch (Zurek) - eine herzhafte, leicht säuerliche Suppe auf Basis von fermentiertem Roggenmehl, mit Wurst, Ei und Kartoffeln. Deftig, wärmend und ein echter Klassiker der polnischen Küche. Für Peter gab's eine Zwiebelsuppe mit einer Blätterteighaube. Einfach, ehrlich, gut.
    Und genau richtig, um den Tag langsam ausklingen zu lassen.
    Fazit: Krakau überrascht mit seiner Vielfalt, seinen Kontrasten und seiner Geschichte. In drei Tagen haben wir nur an der Oberfläche gekratzt - aber was wir gesehen haben, bleibt.
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