• Bwejuu, Zanzibar

    Aug 9–15, 2024 in Tanzania ⋅ ☀️ 29 °C

    Nach dem Zwischenstop auf der Spicefarm kommen wir über eine nagelneue Straße an der Ostseite Zanzibars an. Die Regierung baut so eine Straße in dem Wissen, dass sich nach ein paar Jahren die Menschen dort ansiedeln und Landwirtschaft betreiben. Nördlich des bekannten Kitesurferparadies Paje liegt unser nächstes 6-Tageziel Bwejuu. Abseits der Hauptstraße sind, wie immer, steinige Sandwege, Wellblechbaracken und improvisierte Verkaufsstände. Unser Fahrer hat Schwierigkeiten, das "Fontaine Garden Village" zu finden, es ist eine Oase im Nirgendwo.
    Abseits solcher Anlagen, die es ohne ausländische Investoren nicht gäbe, liegen Brachland, Bauruinen und viel Müll, der oft am Straßenrand verbrannt wird. Gekocht wird mit Kohle oder Gasflaschen, nicht trinkbares Wasser steht den Haushalten über 500-10.000l-Fässern zur Verfügung, Stromausfälle oder Peaks werden mit Dieselgeneratoren kompensiert. Die Kraft der Sonne bleibt ungenutzt, weil weder Investitionen noch Infrastruktur für Solarpanels vorhanden ist.
    Wir spüren trotzdem einen anderen Erholungswert als in Kendwa, es ist schön zum Kochen selbst einzukaufen und für alles gibt es einzelne Läden und die dann vielfach. Die Marktwirtschaft ist also krass frei, fast ungeregelt.

    Die Crew in unseren Garten- Lodges ist unglaublich zugewandt. Dann ist da noch ein Engländer, dauernd an der Theke, dauernd Musik, dauerbreit und das von 4 monatiger Dauer..., arme Crew.

    Am Strand scheinen die jungen männlichen Massai den Tourismus zu nutzen, um sich als Arbeitskraft, Beschützer, Vermittler und Verkäufer anzubieten. Die typischen Gespräche sind: Hey! Jambo! How are you? What's your name? Where are you from? Ah, Germany - alles gut? Servus!(einmal sogar Moin!) Lecker, lecker. Bayern München is good. Und dann werden Spieler genannt und sich gewundert, dass wir null Ahnung haben, Annette wird es verziehen. Mit großem Ehrgeiz spielt zur Dämmerstunde gefühlt jeder Anwohner am Strand in einer Fußballmannschafte (frau schafft parallel das Essen zu kochen), und - wenn die Tide es erlaubt - trauen sich einige Mutige vom hölzernen Sprungturm herunter (oftmals die Leitern wie hochgekommen).

    Während am letzten Tag Moritz einen Arztbesuch macht, fährt Annette nördlich nach Michamwi und paddelt in den dortigen Mangrovenwäldern.

    Ein kritisches Fazit:
    Nur um Palmen, Strand und Wasserfarbe zu sehen (und zu posten!) bräuchten wir nicht nach Sansibar fahren. Ja, es sind produzierte Sehnsuchtsbilder, aber die Gewöhnung daran geht schnell. Und in Hannover sind die gleichen Temperaturen... An Vielem, was geboten und von uns Touristen konsumiert werden soll, klebt etwas Kolonialistisches. Wir konnten ein wenig die Menschen, Speisen (Zanzibar-Mix!), die Musikkultur (Taraab, Bongo Flava!) und Herzlichkeit kennenlernen, aber es braucht die Bereitschaft, ins Ungewisse, Unplanbare zu leben. Hier passiert alles im Jetzt. Du willst irgendwo hin? Frag! Jemand holt jemanden, der einen kennt und ein irgendjemand fährt dich oder zeigt dir die Haltestelle. Wann fährt der Bus? (was für eine Frage!) 'Natürlich dann, wenn er kommt' ist die Antwort. Wir sitzen drin. Warum fährt er nicht? 'Natürlich erst, wenn er voll ist.' Logisch eigentlich. Unterwegs steigen noch so viele Menschen mit Waren aller Art (ja, auch gackernde Säcke mit Luftlöchern) ein, dass sich die Bedeutung von "voll" komplett verschiebt.

    Wir sind sehr glücklich, unser Auszeitjahr begann in Sansibar! Alle Probleme warten nur kurz, um gelöst zu werden. Genau das heißt "Hakuna matata", wir hören es in jedem 3. Satz. Bisher für uns ein kulturell angeeigneter Disneyslogan, hier gelebtes Mantra. Pole, pole!
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