• Blantyre im Oktober

    Oct 7–24, 2024 in Malawi ⋅ ☀️ 27 °C

    Nach dem Eintrag "Ankommen in Blantyre" könnte es nun heißen "Angekommen in Blantyre". Wir fühlen uns in der Wohnung und in der Stadt zu Hause, haben Beziehungen aufgebaut, halten Balance zwischen Ehrenamtsengagement und Freizeit. Wir beginnen einige liebe Menschen und gewohnte Dinge zu vermissen, es fühlt sich nach einem Quartal Unterwegssein aber nach wie vor an, wie die einzig richtige Entscheidung.
    Unseren pädagigischen Projekten und den notwendigen Ausflügen raus aus der Stadt geben wir eigene Titel in den Fußabdrücken, hier also ein bunter Mix, was sonst noch so läuft, orientiert an den Bildern:

    Die 60jährige Unabhängigkeit und gleichzeitig die Partnerschaft zwischen Malawi und Deutschland wird in Lilongwe nicht nur mit der fetten Torte gefeiert, sondern mit ranghohen Politiker*innen und einer Hannoveraner Delegation. Silvia hätte uns gern dabeigehabt, aber zu der Zeit stand die letzte BAF-Bandprobe an. Apropos Musikmachen: Dannil, "unser" Leadgitarrist ist im wöchentlichen Jacaranda Clubkonzert Headliner, er ist Sanitärinstallateur leider ohne Job, da alle Aufträge unter der Hand und nur über Beziehungen vergeben werden. Auch durch unsere Zusammenarbeit mit Agorosso ist er nun besser in der Musikerszene vernetzt und versucht davon zu leben. Bei einigen Songs an diesem Abend spielen wir mit.

    Die 100 Töpfe sind Kohlekocher, natürlich ökologisch nicht optimal aber derzeit alternativlos. Ein tolles Spendenprojekt des Freundeskreises, von dem alleinerziehende Frauen in schwierigsten Lebenssituationen profitieren. Probier mal 15kg Lehm auf dem Kopf zu balancieren mit Baby auf dem Rücken...

    Hochschwanger besuchte uns Lydia mit Silvia Anfang Juni in Musikschule und im Birkenhof (hallo Waldhalle!), interessiert an Fairtrade, Pädagogik und Feminismus. Nun besuchen wir die Aktivistin zu Haus und lernen ein weiteres Detail der heimischen Küche kennen: Okra, ein supergesundes, schleimiges Gemüse mit Heilungskräften. Ehepartner Harris ist Fotograf und begleitet daher auch die Projekte (zum Glück nicht das Essen von Okra). So eine tolle junge Familie, leben etwas außerhalb, gleich hinter den Teeplantagen geht die Sonne unter...

    Jeden Tag passieren wir die Hannover Avenue in Blantyre, heute wird nach 60 Jahren das Update eingeweiht, leider schon krummgefahren. Presse, chauvinistischer Stadtteilbürgermeister, Aware 'n' fair Project, alle dabei.

    Wir (und auch mein Schwesterherz im Peru-Blog) haben schon einiges zum Thema Hühner gebracht, aber dieser Lebendtransport mit 4x5 Tiere darf nicht fehlen. Das Schwein (allerdings tot) quer auf einem anderen Mopedgepäckträger geschnallt, ließ sich fotografisch nicht einfangen, stell's dir einfach vor!

    Die jungen Herren mobben sicherlich nicht, aber für's Verkaufen (außer Obst/Gemüse) sind Frauen eher nicht zuständig. Lass uns das Foto anti Antimobbing nennen.

    GerMala-Band tritt mit dem BAF-Programm und 5 weiteren Songs im Jacarana Culture-Center auf. Wir haben neue Songs von Agorosso und Dannil im Gepäck sowie von den Ärzten, die sind die beste Band der Welt laut den Ärzten. Wir spielen aber auch instrumentalen Walzer, Bossa und Blues. Letzteren müssen wir tatsächlich der Band beibringen, überraschend, wir dachten Blues geht immer. Die Probe am Nachmittag vorm Auftritt ist kacke, Agorosso ist bestohlen worden, er ist echt down, vor allem fehlt seine Gitarre und auch Aarons Bass ist kaputt, 2 Std. wilde Telefonei statt nötiger Proben. Dafür klappt der Auftritt richtig gut, auch der NDW-Rock gefällt dem Publikum (insbesondere den vielen Expats), es wird getanzt.

    Wir besuchen eine schulübergreifende Musik/Theater-Performance der Secondaryschools. "Udolo Wanga" ("ich steig durch") mit Schwerpunkt sexuelle Selbstbestimmung (Homosexualität steht hier, wie im Kontinent üblich, unter Strafe). Zurück müssen wir ausnahmsweise auf Motorrädern, wenn du es möchtest, fahren die auch gemütlich-defensiv- ja möchten wir.

    Kaum ist richtig Sommer, klagen sogar die Blantyrer über 35°C, na - dafür sind wir doch hier! Wenn wir am Wochenende keinen größeren Ausflug machen, genießen wir so gut es geht die Zeit in Blantyre, z.B. im Mandalahaus (das älteste in Malawi von 1885, vorher gab's halt keine Backsteinbauten!), lassen uns unterhalten von der Zisekese-Band (= Kronenkorkenschellenkranz) oder laden nette Menschen zu uns ein. Hier mit Valentina und Mona vorm Pool. Die "Men's dead fingers" trees blühen inzwischen! Ab und zu genießen wir auch den Familienanschluss, wir sind beim ersten Baden ohne Heulen der knapp Zweijährigen dabei.

    Muttertag wird hier ernsthaft gefeiert, die wichtige Rolle soll ja manifestiert werden für die anderen 364 Tage im Jahr. Männer posten im Socialmedia-Status die in Schale geworfene Mutter oder auch Ehefrau, es ist sogar schulfrei! Wir geben also keine Workshops, laden erst Dannil zur Musiktheorie ein (chords progression auf seinen Wunsch!) und dann Sila, allen hier aus dem Film "Baba's Song" als Kinderstar bekannt. Wir fädeln ihm einen Gastauftritt bei unserem GerMala-Projekt ein und laden ihn zu einer Reise (Fußabdruck "Chingialire") und natürlich zum Essen ein, wo wir wegen eines WIRKLICH heftigen Gewitters lange ausharren und uns später komplett durchregnen lassen.

    Die Schulwoche geht gewohnt weiter und Dannil (er will noch mehr Musiktheorie!) zeigt uns sein sehr bescheidenes Zimmer am Hang des Sochehills. Krasser Aufstieg für ihn täglich. Du siehst den Berg im Hintergrund, wo nach Abholzung nun eine Gerölllawine mehrere Opfer forderte.

    Eine besondere Begegnung sei noch erzählt: kurz vor unserer Schule St. Pius steuern wir einen kleinen Hof mit Schrott an und fragen nach klingenden Gegenständen für unser "Musizieren ohne instrumentale Ausstattung". Es wird jedoch ALLES irgendwie weiterverwendet, aber mit einer Spende läuft's. Chef Walter: "I want to be part of this project". Soundobjekte kriegen wir zwar doch nicht, aber er möchte uns unbedingt seine Sprache über Lieder beibringen. Kaum sitzen wir, kommen Neugierige und diskutieren über die richtige Melodie und Begleitung eines Liedes und wir singen zusammen auf dem Recyclinghof über einen räuberischen Hund, der aufgeschlitzt wird, um die kleinen Fische aus seinem Bauch zurückzuholen, siehe Geste im Video. Das ist eine sooo typisch-herzliche Situation!
    Read more