5 Alb. einsame Berge und Fährfahrt
May 7, 2025 in Albania ⋅ ⛅ 13 °C
Prokletije benannte einst ein Sultan die Region, also "verwunschenen Berge", weil sich das Bergvolk nicht osmanisieren ließ und Kämpfe in dieser unwegsamen Natur aussichtslos waren. Voller Stolz darüber wurde der Titel übernommen.
Tief eigeschnittene Täler machen die Wege zu den wenigen Dörfern schwer passierbar, so dass die Bewohnenden über Jahrhunderte ihre Eigenständigkeit behalten haben. Die Pässe sind gern bis Mitte Mai zugeschneit, aber, Klimawandel sei Dank, heute nicht. Am Verbonatal vorbei zu radeln verbonere ich mir, Wandersleut reisen extra dafür nach Albanien, also muss ich da hinauf!
Dafür reicht der halbe Tag nicht mehr, nah am Fluss finde ich ein tolles Plätzchen für die Nacht, hinter einer schmalen Holzbrücke eines Nebenbaches. Einzige ebene Fläche ist der Weg selbst, aber hier ist nichts und niemand.
Der Vollmond geht auf, leise höre ein paar Kuhglocken. Eine Gestalt nähert sich verunsichert. Ich wünsche landessprachlich guten Abend und sofort beginnt die alte Dame auf mich laut einzureden mit großem Gestus, eher besorgt als unfreundlich.
Warnt sie mich vor wilden Tieren? Sie ist aufgeregt. Ich verstehe kein Wort, aber den Rest. Es ist offensichtlich, dass ich campe und sie das gutheißt. Aha, sie ist die Kuhhirtin - ich soll mich nicht erschrecken, sie kommt gleich mit ihrer Herde. Ach nein, wie egozentrisch meinerseits: ICH soll die Kühe nicht verschrecken und den Weg etwas freimachen! Na klar, - schon dem Zelt zu liebe! Wir reichen die Hände und treffen uns sprachlich mit einem buena notte und ich verhalte mich still.
Stopp für den "Tag der Pflege": Klingt wie eine Bethel-Veranstaltung, ich meine aber die Dreifaltigkeit von Fahrrad, Körper, Zelt. (und dann noch 2 - Insider für Horst Evers- Fans)
Die Reißverschlüsse des Zeltes sind noch voller Lavastaub aus Island, zum Glück habe ich selber deutlich weniger Zähne zum Putzen.
Scheibenbremsen reinigen, Schrauben nachziehen, Kette schmieren... alles braucht seine Zeit.
Oben angekommen weht mir das Zelt 2x im Aufbau weg, das wird ja eine zugige Nacht!
Die intensivste Art der Fortbewegung bleibt für mich das Wandern. Traumhaft hier eine Nachmittagsrunde zu drehen, nach Nepal und der türkischen Küstentour hab ich's schon vermisst. Das Gebiege ist so wunderschön! Von hier zum bekannten Theth rüber sind es nur 14km (aber mit verschneiter Passquerung), Alternativ gibt es nur ca. 200km Straße, Riesenbogen bis auf Meeresspiegel runter! Auch das Vermoshtal, wo ich einige Tage später sein will, wäre nur ein Tagesmarsch Richtung montenegrinischen Grenze, tja aber dann bleibt das Radl hier.
Ui, 2°C, ich ziehe, abgesehen vom Regenzeug, alles an im Schlafsack. Geht dann so!
Weiter nach Westen geht es nur zu Fuß/Muli oder unten mit der Fähre, seit die Drini aufgestaut ist. Also sause ich die 42km in 70min (!) zum Fähranleger und schippere 3 Stunden durch das megaschmale Tal, kein Wunder, dass hier niemand eine Straße baut.
Eine Schotterstraße gibt's späzer Richtung Shkoder, nur einzelne Womos oder Motorräder kommen mir entgegen, noch ist der Trip auf der Fähre ein Geheimtipp, sicher nicht mehr lange. Im Garten eines Straßenrestaurants schlage ich mein Nachtlager auf.
Sunset à la carte!Read more






















TravelerGucken grad den esc mit Albanien und denken an Dich!
Mo reistDas ballaballa ballert. Dobro došli.
Traveler
Und hier der Sonnenuntergang für Veganer:innen...
Mo reist😂