6 Alb: Shkodër, See & Lepushë
May 10, 2025 in Albania ⋅ ⛅ 16 °C
Sowohl zum Ende der osmanischen Zeit als auch der kommunistischen Diktatur war die Stadt Shkodër quasi Keimzelke des Widerstands. Das heutige studentische Treiben, neben zahlreichen Menschen, die auf die langen Winter und das harte, traditionelle Bergleben keinen Bock mehr haben, mischen sich zu kultureller Vielfalt. Der größte See des Balkans und die Lage zwischen 'Monte i Mare' zieht viele Touristen an, die Restaurantdichte ist neu für mich in Albanien. Apropos!
Neue Bremsbeläge will ich hier. Nach 4 Radläden gebe ich fast auf, bis sich ein muslimischer Mechaniker ("ich mach' nur kurz Gebet") knapp vor Feierabend erbarmt und mir welche per Flex zurechtschneidet. Kleiner geht ja immer und hurra, passt UND bremst sogar!
Wir kommen ins Gespräch über Gott und die Welt, die neuerlichen (bzw. alten) Aggressionen Serbiens gegenüber den Souveränitäts-Selbstverständlichkeiten des Kosovo und schließlich lobt er die Fahrradreise als Beitrag zur Völkerverständigung.
Und dann kommen die beiden gefürchteten Fragen - auf den Punkt formuliert, nachdem seine ölschwarz-verschmierten Finger im weißen Bart kratzten:
"1) Warum WOLLTE Adolf Hitler soviele Juden umbringen?
2) Warum KONNTE er das?"
Abends geht mir das Gespräch noch nach und ich schaue Nachrichten. Die Lage lasse ich mir sonst höchstens wöchentlich durch linksgrün versiffte TAZ-Titelseiten, Podcasts von Kalk&Welk und Frau Bosetti, bisweilen auch Heuteshow, zusammenfassen. Das reicht. Papst, Trump und Merz lassen mich kühl aber der heutige Tod Margot Friedländers, 80 Jahre und 1 Tag (!) nach Nazideutschlands Befreiung lässt die Tränen fließen. "Es lebe die Menschlichkeit!"
Mostar als nächstes größeres Ziel läge nur 200km entfernt, nähme ich die Route im Süden. Die Verbindung wäre von großen Straßen geprägt, ich folge also lieber den "Trans-Dinarica" Tourdaten, es geht erneut in die Berge.
Ich glaube, wenn ich in diesem Stil bis Deutschland weiterfahre, dann kann ich erst ab September wieder arbeiten gehen. 😬
Abgesehen von der Steigung ist die schmale Straße idyllisch, verstreute Ethno-Dörfer mit Männern, die in Cafés nicht nur Kaffee trinken, ist ja Sonntag, prost! Die Muttis machen bestimmt Mittagessen. Tatsächlich sind Frauen allgemein im öffentlichen Leben leider wenig sichtbar, außer hiner dem Ladentisch. 🤨
Auf die spektakuläre Abfahrt freue ich mich kindisch, die Serpentinen prangen auf der Website von Trans Dinarica. Und alles wieder rauf, Logo, aber zum Glück nicht so steil.
15 km vorm Länderwechsel entscheide ich mich für 2 Nächte Campingplatz zum Wandern. Das junge Paar betreibt top Gästehaus/Restaurant, sie sind - gegen den Trend - zurückgekommen und erzählen aus ihrer harten Kindheit mit 8 Wintermonaten, wochenlangen Stromausfällen, Tierversorgung und Geröllstraßen, die eine regelmäßige Schulbildung oder Versorgung schwer machten.
Lepushë ist ein idealer Wanderausgagspunkt im nördlichsten Teil der Albanischen Alpen nah von Vermosh, die Grenze Montenegros ist zu 3 Seiten nah. So bin ich, leider nur barfuß in Trackingsandalen (ich will die Klickpads nicht aus den Radschuhen schrauben!), im Naturpark unterwegs, er ist mit 83.000 Hektar der landesgrößte und hier wohnen Rebhuhn, Auerhahn, Luchs, Braunbär, Goldadler, Bergfalke, Gänsegeier, Wildkatze, Wolf und sicher noch mehr. Die gut markierten Wege sind kaum ausgetreten, ich gehe (weil nicht anders möglich) über Wiesen mit der Stendelwurz-Orchidee also kleinem Knabenkraut (Gruß an Christiane!) und sehe erstmalig den großblättrigen Enzian. Es ist ein fast unberührtes Paradies.Read more
























Traveler
Hast Du Dir gleich einen zweiten Satz machen lassen?
Mo reistnee, das wären 8 Beläge zuzuschneiden kurz vor Feierabend... In Mostar gibt's hoffentlich Originale 😇