1 Aufbruch nach Zwischenstop
April 29, 2025 in Germany ⋅ ☁️ 21 °C
Jetzt trennen wir uns!
9 Monate Erlebnisreise mit Annette - das ist doch nun wirklich nicht genug! Nie!
Wir waren nur wenige Augenblicke nicht zusammen, obwohl das durchaus möglich gewesen wäre. Es war einfach nicht nötig, sondern schön so. Nach wirklich genau 30 Partnerjahren hat uns diese Reise gezeigt, was wir aneinander haben.
Nun sind von dem Auszeitjahr noch 2 Monate für unsere Solotrips und 1 Monat Transition zum Arbeitsstart übrig.
Mein Interesse ist den Balkan zu beradeln, den schönen Frühling/ Frühsommer krieg' ich als Pauker erst zur Rente wieder.
Das Konzept ist einfach:
Aus der Mitte Albaniens nach Hause fahren, Zwischenstop in Mostar!
Dafür ein Touring-Gravelbike günstig in Tirana kaufen, nicht nur wegen Transportissue, sondern weil die Übersetzung meiner 12er-Nabe für die transdinarischen Alpen einfach nicht ausreicht.
Meine fachkundig bis nerdigen Geschwister haben gute RaDschläge (wirklich!) und mein Kopf raucht, wie ich das ganze Geraffel auf 2 Taschen (=10 kg Aufgabegepäck) und einen Minirucksack verteilen kann. Ich habe ja sooo viel geile outdoor-Ausrüstung, die endlich an die frische Luft will - für richtig kalte Zeltnächte bis Schutz bei knallender Balkansonne muss alles mit!
Es ist schon komisch auf Radtour ohne Rad zu gehen, aber es fährt alles gut.
Mein Motto für diesen Trip ist von J. Cage entliehen, eigentlich musikalisch gemeint:
I ALWAYS WELLCOME WHAT HAPPENS NEXT.
Die Zwischenzeit zu Haus ist im letzten "unterwegs mit Annette und Moritz" Footprint skizziert, siehe Link der Vollständigkeit halber - an dieser Stelle mit anderen Fotos!
https://findpenguins.com/6wymzaeodiwyn/footprin…Read more
2 Albanien: Start Tiranë
April 30, 2025 in Albania ⋅ ☀️ 25 °C
https://findpenguins.com/6wymzaeodiwyn
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Schon der nächtliche Fußweg vom Citystop des Flughafenbusses führt mich über den Skandebeg-Platz, an dem quasi sämtliche Sehenswürdigkeiten liegen.
Das Reiterdenkmal dieses Volxhelden ist dann wohl doch nicht der olle Ernst-August vom Hannover Hbf, sondern Fürst Katrioti, der vor 600 Jahren erfolgreich gegen die Osmanen war.
In Tiranë leben 600.000 Menschen von nur 2,9 Mio. in Albanien insgesamt, irgendwie interessiert mich die Stadt wenig, ich will ja Natur, Einsamkeit und körperliche Ertüchtigung, vielleicht hilft es ja gegen das asiatische "3x täglich-Essengehen-Hüftgold"?
Mein Interesse ist der "Bikepoint Tirana", das Zimmer hatte ich extra in unmittelbarer Nähe gewählt.
Die Auswahl an Rädern, die zu mir passen ist dann doch kleiner, als das volle Lager suggerierte und ich nehme das vorab kommunizierte Gravelbike aus 2. Hand - die Bedenken der Rahmengröße lösen sich nach erster Probefahrt auf. Ich gebe noch einen anderen Sattel, frisches Lenkerband, Klickpedalen und breitere Reifen in Auftrag und fahre nachmittags vom Hof.
An nächsten Tag verlasse ich Tiranë wieder über den Skandebeg-Platz, schaue ein paar der Kulturgüter an.
Das riesiges Mosaik von 1981 im realsozialistischen Stil interpretiere ich mal lieber als Teil des Nationalmuseums dahinter.
Kurz (!) zur Einordnung, dass Albanien 40 Jahre Kommunismus hatte: Envar Hoxha führte die Partisanen erfolgreich gegen erst italienische später deutsche Faschisten an, rief '44 Albaniens Unabhängigkeit aus und regierte als kommunistischer Diktator bis '85 zunehmend unberechenbar und brutal im Stalinstyle, wodurch Albanien komplett isoliert wurde und (obwohl seit '92 Demokratie) noch heute, etwas bös' gesagt, ein Bauernstaat mit wenig entwickelter Industrie ist.
Mit Kommunismus sind die Albaner überwiegend durch und der Kosovokrieg '99 mit der albanischen paramilitärischen UÇK, der Nato und KFOR-Einsatz um serbischen Aggressionen standzuhalten auch, obwohl es ja erst letztes Jahr in Den Haag weitere Prozesse dazu gab.
So, nun los - aber durch ein Land radeln und Menschen begegnen ohne Geschichte im Gepäck geht nicht, das wird sich schon bald bestätigen...Read more
3 Alb: an der Grenze zu N-Mazedonien
May 2, 2025 in Albania ⋅ ☀️ 24 °C
Herrlich! Ich trage das Gefühl von "Albanien - Land der Freiheit" mit in die ersten Stunden allein auf dem Sattel. Mal schauen, wie lange mir (insbesondere meinem Gemüt und Gesäß) das wohl bekommt. Ich fahre aus Tirana gen Osten, um mich dann parallel zur nordmazedonischen Grenze durch die Berge zu arbeiten. Noch sind die Straßen in Topqualität, entsprechend gut komme ich voran aber teile den Asphalt mit Autos. Der erste von 5 Tunneln ist, als einziger (!), für Radler verboten, weil eng und lang. Der Bypass ist unwegsam, seeehr weit und mit krassen Höhenmetern.
10min später nimmt ein türkischer Pickupfahrer mich samt Rad mit, erst als er nach dem Tunnel wendet wird mir bewusst, WIE nett das war.
Schon an diesem ersten Tag wird klar, dass "Hauptstraßen vermeiden" direkt in unbefestigte Wege oder auch ins Nirvana führen, das ist woanders anders!
Ja, ich will mit einem Gravelbike auch schottern aber bitte nicht zu viel, puh so anstrengend! Asphalt ist schließlich eine geile Erfindung! Der Algorithmus "Nebenstrecken bevorzugen" schon besser, aber das Auf und Ab ist in den Bergen krass aus Hannoveraner Sicht. So lege ich mehr Pausen ein als gedacht, alle Stunde steht eine Kaffebude am Straßenrand bereit.
Dort ergeben sich die typischen Gespräche ("mein Onkel arbeitet in Dortmund" bis "Du musst unbedingt meinen Selbstgebrannten probieren").
Gleich in der ersten Zeltnacht lungern knurrende Hunde ums Zelt, unsere Köpfe trennen nur 20cm und 2 dünne Zeltplanen. Ich verhalte mich lange absolut still, das wissen auch die Hunde. Irgendwann wird's ihnen langweilig, sie markieren aber vorher das Zelt. Etwas angepisst wasche ich es morgens wieder ab. Die 2. Nacht gleicht das wieder aus, es ist ein tolles Gefühl, alles dabei zu haben, keine Absprachen oder Menschen oder Hunde zu treffen.
Für mich persönlich wirklich eine fast neue Erfahrung, denn die Nächte in der Natur hab ich doch eher zusammen mit Freunden genossen.Read more
4 Alb. NP Korab-Koritnik
May 4, 2025 in Albania ⋅ ☁️ 13 °C
Përshëndetje, faleminderit, mirupafshim - also
Hallo, Danke und Tschüß - damit komme ich fast aus. Nur selten muss ich den Übersetzer rausholen, meist wird Englisch gesprochen (oder ein Kind rangepfiffen, die lernen's alle früh in der Schule), ab und zu spricht jemand Deutsch, wegen Arbeitsaufhalten.
So sind die Stopps, wo ich Essen einkaufe oder bestelle unproblematisch, manchmal sogar unterhaltsam.
Das Naturschutzgebiet hier hat mit dem Korab (2764m Höhe) den höchsten Berg Albaniens.
Mein Weg führt in die Kleinstadt Kukës, wo ich zwar Ersatzbremsbeläge bekomme ("fits 100% for all Shimano") aber sie passen eben doch nicht. Das habe ich nun von der GRX Schaltung! Macht mich etwas unruhig, ins Hochgebrige mit schon gebrauchten Belägen zu fahren.
Ab Kukës ist die Drini opulent zwecks Hydroelektrik mehrfach aufgestaut, so dass sich ab hier ein 160km langer See mit zahlreichen fjordähnlichen Armen ergibt, umgeben von steiler, rauer Bergwelt. Genau dass ist mein Strecke, allerdings nur bis Fierze.
Mit 6km/h und kleinster Übersetzung keuche ich hinauf, mit 45 und in den Bremsen hängend wieder runter. So mittel wär auch mal schön!
Trotz der engen Täler finde ich stets ein ebenes Fleckchen zum freien Zelten. Nennen wir es nicht "wild", das ist wenig zutreffend. Bei der Wahl des Platzes hat für mich Morgensonne Prio, je nach Wetter auch Windschutz und bitte schön eben, ja und außerhalb der Straßenhörweite aber nicht zu weit im unwegsamen Gelände. Mimimi? Nee, das finde ca. jede zweite Nacht genau so! Es ist viel einfacher, weil das freie Campen erlaubt ist und diese sonst gewohnte Versteckerei wegfällt. Notfalls bräuchte ich nur fragen und ein Platz auf privater Wiese wäre kein Problem.
Überhaupt treffe ich nur nette Menschen: wenn ich irgendwo in der Gegend stehe wird angehalten und gefragt, ob alles OK, Daumen werden von Entgegenkommenden fleißig gestreckt, Jungs möchten im Dorf abgeklatscht werden und ist und es ergeben sich
Mitgebsel von Kippe über Wurst bis Energiedrink. Ich nehme alles dankbar an, alles andere wäre unhöflich. 😁Read more
5 Alb. einsame Berge und Fährfahrt
May 7, 2025 in Albania ⋅ ⛅ 13 °C
Prokletije benannte einst ein Sultan die Region, also "verwunschenen Berge", weil sich das Bergvolk nicht osmanisieren ließ und Kämpfe in dieser unwegsamen Natur aussichtslos waren. Voller Stolz darüber wurde der Titel übernommen.
Tief eigeschnittene Täler machen die Wege zu den wenigen Dörfern schwer passierbar, so dass die Bewohnenden über Jahrhunderte ihre Eigenständigkeit behalten haben. Die Pässe sind gern bis Mitte Mai zugeschneit, aber, Klimawandel sei Dank, heute nicht. Am Verbonatal vorbei zu radeln verbonere ich mir, Wandersleut reisen extra dafür nach Albanien, also muss ich da hinauf!
Dafür reicht der halbe Tag nicht mehr, nah am Fluss finde ich ein tolles Plätzchen für die Nacht, hinter einer schmalen Holzbrücke eines Nebenbaches. Einzige ebene Fläche ist der Weg selbst, aber hier ist nichts und niemand.
Der Vollmond geht auf, leise höre ein paar Kuhglocken. Eine Gestalt nähert sich verunsichert. Ich wünsche landessprachlich guten Abend und sofort beginnt die alte Dame auf mich laut einzureden mit großem Gestus, eher besorgt als unfreundlich.
Warnt sie mich vor wilden Tieren? Sie ist aufgeregt. Ich verstehe kein Wort, aber den Rest. Es ist offensichtlich, dass ich campe und sie das gutheißt. Aha, sie ist die Kuhhirtin - ich soll mich nicht erschrecken, sie kommt gleich mit ihrer Herde. Ach nein, wie egozentrisch meinerseits: ICH soll die Kühe nicht verschrecken und den Weg etwas freimachen! Na klar, - schon dem Zelt zu liebe! Wir reichen die Hände und treffen uns sprachlich mit einem buena notte und ich verhalte mich still.
Stopp für den "Tag der Pflege": Klingt wie eine Bethel-Veranstaltung, ich meine aber die Dreifaltigkeit von Fahrrad, Körper, Zelt. (und dann noch 2 - Insider für Horst Evers- Fans)
Die Reißverschlüsse des Zeltes sind noch voller Lavastaub aus Island, zum Glück habe ich selber deutlich weniger Zähne zum Putzen.
Scheibenbremsen reinigen, Schrauben nachziehen, Kette schmieren... alles braucht seine Zeit.
Oben angekommen weht mir das Zelt 2x im Aufbau weg, das wird ja eine zugige Nacht!
Die intensivste Art der Fortbewegung bleibt für mich das Wandern. Traumhaft hier eine Nachmittagsrunde zu drehen, nach Nepal und der türkischen Küstentour hab ich's schon vermisst. Das Gebiege ist so wunderschön! Von hier zum bekannten Theth rüber sind es nur 14km (aber mit verschneiter Passquerung), Alternativ gibt es nur ca. 200km Straße, Riesenbogen bis auf Meeresspiegel runter! Auch das Vermoshtal, wo ich einige Tage später sein will, wäre nur ein Tagesmarsch Richtung montenegrinischen Grenze, tja aber dann bleibt das Radl hier.
Ui, 2°C, ich ziehe, abgesehen vom Regenzeug, alles an im Schlafsack. Geht dann so!
Weiter nach Westen geht es nur zu Fuß/Muli oder unten mit der Fähre, seit die Drini aufgestaut ist. Also sause ich die 42km in 70min (!) zum Fähranleger und schippere 3 Stunden durch das megaschmale Tal, kein Wunder, dass hier niemand eine Straße baut.
Eine Schotterstraße gibt's späzer Richtung Shkoder, nur einzelne Womos oder Motorräder kommen mir entgegen, noch ist der Trip auf der Fähre ein Geheimtipp, sicher nicht mehr lange. Im Garten eines Straßenrestaurants schlage ich mein Nachtlager auf.
Sunset à la carte!Read more
6 Alb: Shkodër, See & Lepushë
May 10, 2025 in Albania ⋅ ⛅ 16 °C
Sowohl zum Ende der osmanischen Zeit als auch der kommunistischen Diktatur war die Stadt Shkodër quasi Keimzelke des Widerstands. Das heutige studentische Treiben, neben zahlreichen Menschen, die auf die langen Winter und das harte, traditionelle Bergleben keinen Bock mehr haben, mischen sich zu kultureller Vielfalt. Der größte See des Balkans und die Lage zwischen 'Monte i Mare' zieht viele Touristen an, die Restaurantdichte ist neu für mich in Albanien. Apropos!
Neue Bremsbeläge will ich hier. Nach 4 Radläden gebe ich fast auf, bis sich ein muslimischer Mechaniker ("ich mach' nur kurz Gebet") knapp vor Feierabend erbarmt und mir welche per Flex zurechtschneidet. Kleiner geht ja immer und hurra, passt UND bremst sogar!
Wir kommen ins Gespräch über Gott und die Welt, die neuerlichen (bzw. alten) Aggressionen Serbiens gegenüber den Souveränitäts-Selbstverständlichkeiten des Kosovo und schließlich lobt er die Fahrradreise als Beitrag zur Völkerverständigung.
Und dann kommen die beiden gefürchteten Fragen - auf den Punkt formuliert, nachdem seine ölschwarz-verschmierten Finger im weißen Bart kratzten:
"1) Warum WOLLTE Adolf Hitler soviele Juden umbringen?
2) Warum KONNTE er das?"
Abends geht mir das Gespräch noch nach und ich schaue Nachrichten. Die Lage lasse ich mir sonst höchstens wöchentlich durch linksgrün versiffte TAZ-Titelseiten, Podcasts von Kalk&Welk und Frau Bosetti, bisweilen auch Heuteshow, zusammenfassen. Das reicht. Papst, Trump und Merz lassen mich kühl aber der heutige Tod Margot Friedländers, 80 Jahre und 1 Tag (!) nach Nazideutschlands Befreiung lässt die Tränen fließen. "Es lebe die Menschlichkeit!"
Mostar als nächstes größeres Ziel läge nur 200km entfernt, nähme ich die Route im Süden. Die Verbindung wäre von großen Straßen geprägt, ich folge also lieber den "Trans-Dinarica" Tourdaten, es geht erneut in die Berge.
Ich glaube, wenn ich in diesem Stil bis Deutschland weiterfahre, dann kann ich erst ab September wieder arbeiten gehen. 😬
Abgesehen von der Steigung ist die schmale Straße idyllisch, verstreute Ethno-Dörfer mit Männern, die in Cafés nicht nur Kaffee trinken, ist ja Sonntag, prost! Die Muttis machen bestimmt Mittagessen. Tatsächlich sind Frauen allgemein im öffentlichen Leben leider wenig sichtbar, außer hiner dem Ladentisch. 🤨
Auf die spektakuläre Abfahrt freue ich mich kindisch, die Serpentinen prangen auf der Website von Trans Dinarica. Und alles wieder rauf, Logo, aber zum Glück nicht so steil.
15 km vorm Länderwechsel entscheide ich mich für 2 Nächte Campingplatz zum Wandern. Das junge Paar betreibt top Gästehaus/Restaurant, sie sind - gegen den Trend - zurückgekommen und erzählen aus ihrer harten Kindheit mit 8 Wintermonaten, wochenlangen Stromausfällen, Tierversorgung und Geröllstraßen, die eine regelmäßige Schulbildung oder Versorgung schwer machten.
Lepushë ist ein idealer Wanderausgagspunkt im nördlichsten Teil der Albanischen Alpen nah von Vermosh, die Grenze Montenegros ist zu 3 Seiten nah. So bin ich, leider nur barfuß in Trackingsandalen (ich will die Klickpads nicht aus den Radschuhen schrauben!), im Naturpark unterwegs, er ist mit 83.000 Hektar der landesgrößte und hier wohnen Rebhuhn, Auerhahn, Luchs, Braunbär, Goldadler, Bergfalke, Gänsegeier, Wildkatze, Wolf und sicher noch mehr. Die gut markierten Wege sind kaum ausgetreten, ich gehe (weil nicht anders möglich) über Wiesen mit der Stendelwurz-Orchidee also kleinem Knabenkraut (Gruß an Christiane!) und sehe erstmalig den großblättrigen Enzian. Es ist ein fast unberührtes Paradies.Read more
7 Montenegro, Monte grosso
May 14, 2025 in Montenegro
Die letzte Stunde in Albanien sause ich zur Grenze runter, in Montenegro sieht es natürlich genauso aus, wie vor der Grenze. Hier wird mit Euro bezahlt, Montenegro ist klar europäisch ausgerichtet, ist 2017 der Nato beigetreten, was zu Säbelrasseln von Serbien und Druck von Russland führte. Aber die EU-Mitgliedschaft steht noch aus, insofern ist das Zahlen mit Euro eine geduldete, einmalige Ausnahme.
Ich nehme mir die Zeit den Plaver See ab Gusinje östlich quasi ohne Verkehr zu umfahren, die Panoramastraße gegenüber ist voller Womos.
Mit selbigem Konzept fahre ich das Tal der Lim hoch bis zum schicken Andrijevica.
Dort lobt die Dame an der Kasse mein Montenegrinisch (ja, lacht nur, Doro i Daniel!), tatsächlich konnte ich ja schon vor fast 30 Jahren in Mostar wenig bosnisch, aber einfache Sätze fallen wir immer mehr ein. Und vom Übersetzungstool kann ich (völlig anders als in Albanien) flüssig ablesen, was viel netter ist, als Menschen einen Text unter die Nase zu halten - was leider zu entsprechend flüssigen Antworten führt. 😬
Das Planungsteam "Trans Dinarica" (gpx-Radtourdaten für 8 Balkanländer) scheinen insbesondere in Montenegro auf Berge und Schotterstraßen zu stehen, ab Andrijevica sind die Wege zehrend. Die natürliche Kulisse ist entsprechend atemberaubend.
Manchmal kommst du an einem Ort vorbei und weißt: hier will ich bleiben über Nacht. Das lichte Eichenwäldchen mit Blick ins nächste Tal ist so einer.
Nur 4 Motorcrosser knetern vorbei, die Motoren sind noch kilometerweit zu hören, aber sonst - nichts und niemand.
Die Schotterstraße zieht sich den ganzen Vormittag bis zum Berg Komovi (2460m) hoch, eine mit Seilen verbundene Gruppe macht sich auf zur Besteigung. Ich komme so von oben (finde den Fehler!) auf den Pass Trešnjevik .
Beim Imbiss hängen nur 2 Holz-Trucker, aber es gibt Čevapi, bevor es ins Tal geht, leider mit Schauer. Hey zum ersten mal kann ich meine Regenmontur ausführen!
Für die Nacht ist Dauerregen angesagt, also stoppe ich, vor der nächsten Bergtour, bei einem Hof, wo ein Seniorenpaar Zeltplatz/Appartement zwischen Tieren, sowie Essen aus eigener Herstellung anbietet.
Die beiden sind ultrasüß und lassen mich unterm Vordach zelten, ich lasse mich lecker versorgen und werde diesmal für mein Serbisch gelobt. Hier im Norden Montenegros fühlt sich die Bevölkerung eher serbisch, im Westen bosnisch.
Die Sprache ist eh quasi gleich. Es schüttet die halbe Nacht, morgens dann auch als Schneeregen. Als ich dann endlich aus dem Zelt kriechen und guten Morgen wünsche, werde ich mit guten Tag berichtigt.
Es muss ja nicht alles schön sein, der nächste Radelhalbtag ist so: eiskalter Wind von den schneebedeckten Bergen vor mir, die schmale Asphaltstraße wandelt sich zu groben Schotter, es ist so steil, dass ich schieben muss und Füße wie Vorderrad wegrutschen. Ich fluche auf die Schwerkraft und finde den Wetterumschwung richtig kacke. Die Schneegrenze ist bei 1300m, da bin ich längst drüber. Und jetzt hätte ich gern so einen Motorcrosser!
Statt Montenegro jetzt Montebijelo (=weiß). Übringes heißt das Land Crna Gora, also Schwarzwald. Deutschland heißt Njemačka, Deutsche werden auch gern "Schwabo" genannt, das ist alles sehr vertraut vom "Musiegt"-Projekt.
Durch den frischen, leichten Schnee kommen die schroffen Konturen schön zur Geltung. Auf der Hochebene am späten Mittag gibt es genau eine Unterkunft. Ich darf die schweißnasse, kalte Kleidung um den Ofen ausbreiten. Netz gibt's nicht, aber ich glaube Mutter und Sohn, dass die nächsten 25km keine Unterkunft mehr kommt. Also trotz der Fluchtfantasien hierbleiben, denn der Ton zwischen den Eheleuten ist angespannt bis vulgär. Ich vertiefe mich in meinen Roman während draußen der Wind Eisplatten vor der Hüttentür formt - dafür bin ich nicht wirklich ausgestattet. Highlight ist die Herstellung von Käsepita, der Blätterteig wird per Tischdecke gerollt, so wie wir es aus Bosnien kennen.
Gut gestärkt geht es über die Hochebene ins nächste Tal, das letzte Bild zeigt den Berg für die nächste Etappe. Runter, rauf - immer das gleiche (so ggf. aus der Sicht der geneigten Leser*in) und doch so verschieden!Read more
8 Monego - NP Durmitor, Sattel & Tara
May 17, 2025 in Montenegro ⋅ ☁️ 2 °C
Ab hier nutze ich eher Asphalt im Naturpark Durmitor, wunderbar. Die Panoramastraße ist in den gängigen Reisebüchern empfohlen, aber dafür ist es relativ ruhig. Eine chinesische Familie treffe ich 3x mal wieder, wir werden die Hausfotografen für einander. Am Pass pustet der Wind derart kalt, dass ich erstmals alle 5 Schichten trage, die ich habe.
Hier war es die letzten Wochen schon wärmer, es ist einfach ein später Kälteeinbruch, die Einheimischen schimpfen.
Mein Weg führt zum kleinen Grenzübergang Hum, erst parallel zum gewaltigen Canyon der Tara (der Teil weiter nördlich ist der tief eingeschnittenste Europas!) und später in ihn hinein, es wird wohl keine vergleichbare Abfahrt für mich (je) geben.
Vorher finde ich ein sehr schnuckeliges Plätzchen am Waldrand mit nichts außer Vögelkonzert und vom Eis geformte Landschaften, wo es kilometerweit kein einziges Haus gibt.
Die Ereignisse mit Bergen, Wetter, Zeltplätzen wiederholen sich, lieber noch eine Anekdote:
Ein Angler fragt mich erst was ich hier wolle und möchte sich nach meiner Antwort auch mir erklären: "You know, I go fishing. Sometimes I'm lucky and I catch a fish and sometimes I'm not. But anyway I call it fishing." Ich schaue erwartungsvoll, das kann doch nicht alles gewesen sein - und tatsächlich: "You know, it's the same with life." Wie wahr! Viel zu häufig (und ich mache es im Blog ja genauso) stellen wir uns dauerglücklich dar. Als ob nur das dem gesellschaftlichem oder eigenem Anspruch genüge tut.
Auf die Langeweile, auf die Ängste, das Zaudern oder die Erschöpfung! Denn ohne hätte ich viele der glücklichen Momente gar nicht fischen können! Anyway that's what we call life.Read more
9 Täler Bosniens: Drina, Ljuta, Neretva
May 19, 2025 in Bosnia and Herzegovina ⋅ 🌙 11 °C
Die Tara heißt in Bosnien-Herzegowina Drina, der Canyon ist so beeindruckend wie vor der Grenze. Ein "Rafting Centar" neben dem anderen, hierher kommen Reisebusse mit Wildwasserwilden, es scheint angesagt. Am Restaurant vorbei laufen lauter junge, gute gebaute Menschen in Badezeug auf dem Weg zur Neoprenbekleidung, nett anzuschauen. (soweit ist es schon!) Es ist nachmittags, die 20km-Raftingtour gibt's erst wieder morgen - egal, loslassen (aber wär' eine nette Abwechslung zum Sattel).
Als mein Fisch auf den Tisch kommt ertönt "Zevot je more" (Das Leben ist das Meer), eines der Teo/Mostar/Balasevic-Songs 1997, ich muss mich beherrschen nur die Lippen zu bewegen statt lauthals mitzusingen. (Auch eine Demenzform, wenn ich daran denke, wie schwer es fällt, mir Neues zu merken...)
Na, so kommen ich gern in Bosnien an. Auch die Zipline über die Drina hat schon oder noch geschlossen - hätte ich eh nicht dran festgehalten.
Nach dem Grenzübergang hieß mich die Repubika Srpska willkommen. Wie war das nochmal in BiH? (i= und)
Die vielleicht komplizierteste Staatsform ist eine diplomatische Meisterleistung, die bis heute die Möglichkeiten in BiH bestimmen und beschränken, jedoch auch 30 Jahre später wie ein Provisorium wirken - die friedlich Koexistenz der 3 Ethnien ist nie wieder hergestellt worden.
Nach der Belagerung Sarajevos, Bombenattentaten, Srbenica-Genozid (durch Serben) und der gezielten Zerstörung der Stari Most, also Mostars alter Brücke (durch Kroaten), holte Clinton im Nov. 95 nach zweimonatigem NATO-Einsatz Tuđman, Isetbegović und Milošević (für Kroatien, Bosnien und Serbien) an einen Tisch in Dayton/Ohio. Unter Holbrook's Leitung wurde sich auf die Teilstaaten "Föderation BiH", "Republika Srpska" und dem "Brčko-Distrikt" verständigt, 10 Kantone definiert und alles zusammen ist der Staat BiH. Ein "hoher Repräsentant" der NATO hat noch immer weitreichende Befugnisse, blieb jedoch eher passiv, was unterschiedlich bewertbar ist. Ein 3er-Gespann agiert als Staatspräsidium mit einem alle 8 Monate wechseldem Vorsitz anstelle eines Präsidenten und blockieren sich so m.E. bis heute in wichtigen Entscheidungen um sich vorm jeweiligen Klientel stark darzustellen.
Besonders seperatistisch hob sich in den letzten Monaten der bosnisch-serbische Putinfreund und Rechtsextremist Dodik hervor.
Soweit die Kurzfassung!
Mit meinem Grenzübertritt nach BiH und der Willkommensflagge in serbischen Farben (ohne Wappen) wird also genau das deutlich: Menschen und Politik definieren sich als Serben, nicht als Bosnier, die grausamen ethnischen Säuberungen waren ja letzlich erfolgreich!
Auf der einsamen Waldstraße mit urigen Schluchten beidseitig kommen mir schräge Gedanken: Massengräber, in denen serbische Melizen '92-'95 Bosniaken verscharrt haben sind nachwievor zahlreich unentdeckt. Also hier sollte man suchen! OmG, gut, dass ich in 20km die Republika Srpska verlasse.
Letzter Ort zum Essen ist Kalinovik, die serbischen Flaggen am Ortseingang befremdet mich erneut, hallo? - hier BiH! Im Foto mit der öster.-ungarischen Burgfestung im Hintergrund ganz idyllisch wirkend, entpuppt sich die durch abwanderung geprägte Kleinstadt als schäbig, das hat Geschichte. K.u.k.-Schießtraining, geheime Gefangenenlager mit Bosniaken und Geburtsgemeinde des "serbischen Schlächters" Mladić, der sich, unter anderem hier, noch 15 Jahre seiner lebenslänglichen Strafe entziehen konnte, nachdem er in den Haag als Kriegsverbrecher bereits verurteilt war. Das checke ich aber alles erst hinterher, den erst kommt das Fressen, dann die Moral.
Im Restaurant "Moskva" bekomme ich zur Pizza eine St. Petersburg-Serviette (warum nicht gleich Leningrad?) und auf meine Bestellung "bitte ein lokales, bosnisches Bier" nehme ich wegen der Antwort "hier gibt es serbisches Bier" trotzig eine Cola vom imperialistischen Feind.
Drohendes Gewitter lässt kein Finden eines hübschen Übernachtungsplätzchens zu, neben einem Schafsstall muss reichen, dafür netter 3-Sprachenmix-Talk mit der Bauerstochter.
Morgens verpasse ich erstmalig
meine Abzweigung und muss eine Stunde zurückfahren, also 2 Std. länger in der Rep. Srpska.
Die Landschaft im Föderationsgebiet später ist wild und überwiegend unerschlossen, wieder nur unbefestigte Straßen im Tal der Ljuta. Wow, hier möchte ich nochmal zum Wandern hin, leider fehlt selbst dafür die Infrastruktur.
Über die eingestürzte Brücke wurde kurzerhand ein Stahl-mit-Holz-Provisorium gebaut, super, denn gerade war ich 400 Höhenmeter runtergeschottert.
Später schüttet es wie aus Eimern, 2 erwartete Unterkünfte sind zu, so dass mich das Gewitter erwischt, bis mich ein Opi aufnimmt, Fische bruzelt, den Kamin anheizt und Gesprächsdrang auf bosnisch hat. Die Donner verstummen noch lange nicht und so ist die "Zelt unterm Vordach Lösung" fein. Morgens sehe ich dann auch mal was vom Neretvatal, besonders diverse kleine Brücken über den Fluss haben es mir angetan.
Die Abkürzung hinter dem Boraćko-See über die letzte Bergkette, die Bosnien vom herzegowinischen Mostar trennt, ist schweißtreibend und bietet unerwartet schöne Einkehr in der Natur.Read more

Traveler
Das sieht schon extrem schön und sehr, sehr einsam aus. Ich hätte mich wahrscheinlich mit meiner super miesen Orientierung sofort komplett verfahren und müsste jetzt leider in der Wildnis sterben. 😅
10 BiH - Mostar
May 23, 2025 in Bosnia and Herzegovina
Es kribbelt im Bauch. Heute sehe ich, nach 6 Jahren, Oha (Orhan) und Maša, der Mostarbesuch weckt wieder einmal die Emotionen in Erinnerung an unsere musikpädagische Projektzeit "Musiegt". 1997, also kurz nach Kriegsende, haben wir immerhin 8 Monate in Mostar gelebt, die Zeit war für Doro, Daniel, Annette und mich persönlich wie beruflich prägend. Teo und Oha befanden sich in unterschiedlichen gelinde gesagt 'besonderen Lebenssituationen', wir wohnten während des Projekts überwiegend zusammen in der Čaćira Palate Nr. 8 und Oha sagt heute: "You can come to my home when ever you want, as long as you want. You gave me what I needed the most- you gave me home."
Oha, als Leiter der Mostarer Rockschool, als Festivalmanager und Bandmitglied von [machina] und der europaweit tourenden "Dubioza Kolektiv" (Angela, auch Anfang Juli in Rudolstadt) -> https://dubioza.org/ )
... ist solide aufgestellt und hat Haus und Gästehaus mit seiner Familie aufgebaut, so dass mögliche Mietzahlungen eine fehlende staatl. Rente ersetzen werden können. Er kann wirklich stolz sein!
Es kribbelt auch im Bauch, weil die letzten 500 Höhenmeter aus der Schotter- eine nagelneue, übersichtliche Asphaltstraße wird, die Geschwindigkeiten zwischen 50 und 65 ohne Risiko zulässt (im Vergleich zum lebensgefährlichen Leben ansich).
Bosnier sitzen nur im Winter im Haus, also sind wir durchgehend draußen (abends in Winterjacken), Oha hat verschiedene Projekte am Haus, ich bringe mich etwas ein, ansonsten wird groß palavert, getrunken und durchgängig geraucht. Es kommen ständig irgendwelche Leute, teilweise Verwandte, einige bringen Essen mit, jeder kann in der Küche irgendwas machen, es wird schon weggehen. Nett!
Zwischendurch findet sich auch persönlicher Austausch, der mich tief bewegt, jedoch auch klaren Widerspruch weckt, den ich jedoch nur manchmal formuliere.
Mit einem Erphan aus Saravevo und seiner Tochter unternehme ich einen Tagesausflug und hole Sightseeing nach, wozu wir wenig kamen und aus politischen Gründen konnten. Die "Boljuni Nekropolis" bei Stolac bspw. sind 274 Grabsteine, teiw. aufwändig verziert mit Innenschriften. Diese Grabfelder legten die Bogumilen, eine verfolgte streng dualistische Variante im Christentum zw. dem 14.-16. Jhd. an.
Wir schauen kleine Städte und touristische Sehenswürdigkeiten an außer dem berühmten Pilgerdorf Međugorje - zu voll, zu katholisch.
In der Herzegowina wird hervorragender Wein angebaut, das Gut von Erphans Freund liegt bei Čitluk, es ist nett, weil sich persönliche und weinspezifische Inhalte mischen, in Kopf und Bauch. Gut, dass die Treppe zum Keller ein Geländer hat!
Nach 3 Nächten zieht es mich weiter, ich bin noch mit Senad "Crni" verabredet, will mit dem Rad unbedingt über die Stari Most schieben (gar nicht so einfach: sehr glatt und steil!), also Touri sein.
Für den Radladen, den ich für Bremsbeläge brauche (diesmal Original ohne Zuschnitt), muss ich auswärts gegen meine Richtung und so kommen ich erst nachmittags aus Westmostar (also dem fast rein katholischen Teil) raus, natürlich mit erheblicher Kletterei verbunden.
Dafür eröffnen sich schöne, neue Blicke auf die Stadt und gegenüber auf die Berge aus denen ich kam. Wer weiß, wann ich Mostar mal wiedersehe!Read more

TravelerLieber Moritz, das klingt nach der beeindruckenden Erlebnissen und Empfindungen an einem prägenden Ort… bin gespannt, dazu mehr zu hören, wenn wir uns wiedersehen. Gute Reise und: beeindruckender Verbrauch an Bremsbelägen!
11 BiH - Herzegowina
May 26, 2025 in Bosnia and Herzegovina ⋅ ⛅ 20 °C
Ein etwas verschrobener Anwohner entdeckt mich morgens, ist überrascht, nicht verärgert. Er kommt nach ein paar Minuten des Sammelns zurück und erklärt, dass ich nächstes Mal bitte unter seinem Dach schlafe und außerdem wäre Kaffee fertig. 😊
Als er dann noch mit Dosenwurst und Schinkenspeck um die Ecke kommt, werde ich schnell zum Vegetarier aus Höflichkeit...
Das mildere Klima in der Herzegowina tut gut, fruchtbare Ebenen tun sich auf, es liegt viel brach bzw. ist schlicht ungenutzt. Natur halt!
Es könnte Prinzip sein, sich parallel der Grenzen zu bewegen, bei meiner eigenen Routenplanung in Albanien dicht zu Nord-Macedonien und auch bei den Transdinarica-Tracks in Montenegro, habe ich die geringe Besiedelung und die kaum vorhandene Infrastruktur sehr geschätzt.
Als Radler hasse ich natürlich keine Autos! Wie auffällig unterschiedlich sind in den Ländern die Marken vertreten.
Klar, überall gibt's auch neue Modelle (keine Ahnung), aber sehr wenige SUVs, glücklicherweise. Während sich Annette in der Türkei unlängst durch die ganzen alten Renaults in ihre Kindheit versetzt sah, fährt "der Albaner" Benz (teilweise aus pränatalen Zeiten), in Montenegro gemischt und in Bosnien geben klar die Golf 1 und 2 Modelle den Ton an, also meine Kindheit. Abgesehen vom filterlosen Fahren ist die lange Nutzung nachhaltig.
Selten schlüpfe ich vor halb 9 aus dem Zelt, ich schlafe viel und entsprechend radele ich nicht vor 10, manchmal 11 los. Das liegt an guten Büchern oder daran, dass ich versuche alles in Ruhe zu tun und auch an den Außentemperaturen, aber das ändert sich gerade!Read more
12 Hrvatska - Dinarische Alpen bis Zadar
May 28, 2025 in Croatia ⋅ ⛅ 21 °C
Die Dinarischen Alpen streife ich nur noch, es zieht mich zum Meer. Die Landschaft am Perućko-See, gespeist vom Trinkwasserfluss Cetina, fliegt vorbei, ändert sich ständig.
Ich fahre noch zur Quelle der Cetina hoch, malerisch steht am 155m tiefen Wasserloch, das durch 3 unterirdische Flüsse gespeist wird, eine serbisch-orthodoxe Kirche. Die reine Männergesellschaft mit Fusselbärten und schwatten Kutten singt laut und schief und feiert ausgelassen, geradezu extatisch.
Erst als ich Stephans "Vattertachsgruß" lese, wird mir die Himmelfahrt klar und der Grund, warum ich keine offenes Geschäft gefunden habe.
Bergauf überholt mich ein Renterpaar mit e-Bikes, bergab ich dann sie. Er erklärt mir, dass leider bei 25km/h eine Bremse eingebaut wäre, daher könnten sie nicht schneller. 🤔 Müssen sie ja auch nicht - aber dass diese "Bremse" das normale Fahren ohne Motor ist, will er nicht so sehen - lustig und tschüss.
Mit erreichen der Küste ist der Mai vorbei, nach einem Monat auf dem Sattel mal Faktencheck: gut 2000km Strecke mit knapp 30.000 Höhenmetern liegen hinter mir.
Falls jemand an den gpx-Daten Interesse hat: meldet Euch.
Ein besonderer Ort ist das Camp Muškovici, ich kann das Zelt gegen Obulus direkt am Fluss aufschlagen, ohne auf dem Campingplatz zwischen den Womo-Blechwänden zu stehen. Spontan buchen ich für den nächsten Morgen ein kleines Wildwasserabendteuer, aber so wild ist es dann gar nicht. Den Fluss aus dieser Perspektive zu erleben macht Riesenspaß, natürlich im Besonderen die zahlreichen Stufen, alle zw. 1 und 4 Metern, Raftingfans wäre das zu langweilig. Die zig Paddeltouren mit Annette geben mir als Anfänger dabei Sicherheit, das Boot zu steuern.
Eine besondere Begegnung gibt es auch noch, ich treffe 2 Frauen (Köln, Hannover), die wie ich die Trans-Dinarica Tour solo fahren. Es tut gut, sich über das gemeinsame und doch so unterschiedliche Erleben auszutauschen. Das hat mir, vor allem wegen des freien (also einsamen) Zeltens, gefehlt. Statt 4 komme ich so erst um 6 los, bloß nicht zwei Nächte am selben Ort! 😉
Abends erreiche ich das Pueblo-Lager aus dem dt. Winnetoufilm, denn der Dreh an amerikanischen "Originalorten" war zu teuer. Hier werden noch immer von Fans Szenen nachgestellt, ich muss mit dem Zeltaufbau bis zur Dunkelheit warten, die Touristen hängen hier bis spät abends, es ist ein magischer Ort.
An der Küste in Zadar angekommen, abweichend von der Dinarica-Route, ist mir der Betrieb fast zu viel, ich genieße die Kultur, den Park, gute Gastro und die Meeresorgel bevor es nachmittags zum Hafen geht.Read more
13 HR - Inseln der Kvarner Bucht
June 1, 2025 in Croatia ⋅ ☀️ 22 °C
Weil ich nicht über die küstennahen Inseln Pag-Rab-Krk hoppen kann (Fähren noch selten in der Vorsaison und die Katamarane nehmen nur "vielleicht" Räder mit), entscheide ich mich für die Überfahrt von Zadar direkt nach Mali Lošinj/Cres.
Wenn ich vom Schiff hinter Zadar die fetten Berge, die sich bis Rijeka ziehen, anschaue, bereue ich diese Entscheidung keine Sekunde - war dann auch mal gut jetzt. So kann ich mich auf die Alpüberquerung freuen!
Nach 2½-stündiger Überfahrt mit Zwischenstopps radele ich mit dem gemäßigten Auf und Ab gleichmal 5km am Campingplatz vorbei. Da umkehren nicht in Frage kommt, lande ich doch nochmal wild auf einem Bolzplatz des Dorfes Ćunski. Das macht man ja nicht, also nehme ich Kontakt mit einer Familie auf, es entwickelt sich ein nettes Gespräch bis sie dann endlich Fragen, wo ich eigentlich die Nacht verbringe... Mit Dorfsegen fühlt es sich besser an! Nachts fallen die Temperaturen auf 19°, krasser Wechsel!
Eine Stunde zu Fußweg und du findest hier auf Lošinj absolut einsame Buchten, der Weg ist kaum mehr erkennbar, hier wächst deutlich mehr Buschwerk, als ich es von unseren Cres-Familienurlauben in Erinnerung habe.
Die Pfade begeht man besser mit einem Stöckchen vor'm Gesicht herumfuchtelnd, wegen der vielen Spinnenfäden über den Weg!
Schön gefaulenzt nur noch bis Jerezine (Rapoća-Camp) und am nächsten Morgen über die Brücke Osor. Dort hatten schon Römer die Insel künstlich entzweit für kürzere Strecken.
Bootstour-Erinnerungen mit Fam. Hahn werden wach und mein Ziel auf Cres ist der autofreie Zeltplatz Zdovice bei Valun. Dorthin geht es megasteil abwärts und die Überraschung ist: der Platz ist seit 5 Jahren Pleite. 😮💨
Die verwilderten Terrassen laden noch immer ein, hier muss ich jedoch vorsichtig sein, Gäste und Anwohner des schnuckeligen Dorfes mit hochpreisigen Pensionen nicht auf mich aufmerksam zu machen.
Das Zelt im Dunkeln (natürlich ohne Stirnlampe!) aufzubauen klappt prima, oft genug geübt!
Nach der Überfahrt auf das östliche Festland Istriens werden aus den ländlichen Küsten- und Bergdörfern zunehmend Schickivororte der Großindustriestadt Rijeka. Noch ein letztes mal im Meer baden und ab nach Norden, Richtung slowenischen Grenze.Read more
14 Slovenija Wald & Soča
June 5, 2025 in Slovenia ⋅ ☀️ 19 °C
Meine Reise führt von Istrien an der Grenze zu Italien nach Nordwest, Schönwetterwind weht aus Südost, Startbahn 03, also perfekt im Rücken.
Nach dem touristisch durchgestylten Kroatien ist es sofort sympathisch ruhig und ländlich, auch freies Zelten kein Problem. Zwei Tage quasi nur bergauf, hier muss ich wieder die Versorgungslage im Blick behalten, Läden nicht in jedem Ort...
Die Höhlenburg Predjama ist dann doch ein Publikumsmagnet wie auch Postojna mit einer 24km Höhle, damit weltweit zweitgrößte, die für Besucher erschlossen ist.
Überhaupt hat Slowenien so Vieles auf engstem Raum, ist ja kleiner als Hessen.
Von knapp 50km Adriaküste bis zum Gipfel Triglav mit 2864m Höhe in den Julische Alpen (also dem Cäsar ihm seine).
Den Triglav-NP erreiche ich bei Tolmin, nachdem ich 30km rollen konnte ohne Stress mit Bremsen! Von "Most na Soči" an wird mich der Fluss bis zur Abzweigung über den Predel oder Vršič-Pass (mal schauen) eine Woche führen.
Hier entlang der Soča (ital. = Isonzo) ergab sich eine der blutigsten Frontlinien mit über 1 Mio. toten Soldaten, nachdem 1915 Italien den Krieg gegenüber Österreich erklärte (die 12 Isonzoschlachten).
Slowenien war jedoch ab 1918 Teil (des später so benannten) Jugoslawiens, wurde '41 von Deutschland/Italien eingenommen bis zur bekannten Befreiung.
Das sozialistische Jugoslawien mit klar serbischer Dominanz begann mit Titos Tod 1980 zu zerfallen, überall im Land wurde stetig mehr für Unabhängigkeit demonstriert. 1992 trat diese ein und konnte im 10-Tage-Krieg gegen jugoslawische (serbische) Truppen standhalten, also im Verlauf ganz anders als z.B. in Bosnien.
So war der Weg zur Nato- und EU-Mitgliedsschaft schon 2004 frei, es folgte Schengen, Euro, OECD.
In Slowenien gibt es eine stabile Wirtschaft, etwas dünne Pressefreiheit und wirklich dicke Natur: 40% der Landesfläche stehen unter Schutz, 60% sind Wald (in Deutschland die Hälfte davon, was immernoch viel ist)
Alter, ist dieser Fluss schön, das Türkis ist unschlagbar (sorry, Neretva!).
Ich fühle schon den Wetterumschwung (ganz die Mutter!) und tatsächlich kommen unglaubliche Wassermassen nachts vom Himmel, aber natürlich nicht durch das Hillebergzelt.
Die Sicht ist am nächsten Tag entsprechend super und die Wassersportler*innen freuen sich über kräftige Stromschnellen. Ich unternehme täglich kleine Ausflüge zu Fuß, um noch tiefere Einblicke in die Nebenschluchten zu bekommen wie Tominka, Kozjak, Koritnica und Lepenjica (letzte eine Empfehlung von Achim!).
Etwas neidvoll schaue ich auf die Paddelboote, aber nicht mehr lange!Read more
15 Slo. Kletterei
June 9, 2025 in Slovenia ⋅ ☀️ 10 °C
Spontan buche ich mich in einen Canyoning-Trip ein, es scheint mir interessanter als Rafting, auch wenn die Soča dazu mehr bietet, als meine letzte Erfahrung dazu in der kroatischen Zirmanja.
Außerdem: noch nie vorher gemacht!
Das slowenisch-brasilianische Pärchen hat ebenfalls Klettererfahrung, so können wir eine etwas anspruchsvollere Tour machen. Scheißtreibend aber richtig gut ist, parallel zu den Wasserfällen die Schlucht hochzulaufen, natürlich die Ausrüstung schleppend. Wir klettern dann im Flusslauf der Fratarica runter, es ist eine neue Perspektive und Erfahrung die Kraft des Wassers so unmittelbar zu spüren. Je nach Möglichkeit überwinden wir die 7 Stufen mit verschiedenen Techniken, großer Spaß und Profianleitung vom Guide Petr.
Springen ist für mich am aufregensten, ab 7 Metern bekomme ich Schiss. Beim Abseilen hingegen (bis 18m!) freue ich mich über viele Jahre Erlebnispädagogik und Schwindelfreiheit.
Trotzdem: das Adrenalin hält noch bis in den Abend!
Nach einem Besuch im Infocenter Trenta (tolle Fotoausstellung) ist dann der Vršič-Pass dran, wegen Bauarbeiten bis 17h gesprerrt, Radler dürfen immer, ergo autofrei die Serpentinen hochquälen!
Der Gipfel ist nah (30 Fußminuten vom Pass), das berümte Gesicht im Stein ("Pagan-girl") könnte auch Theo Weigel sein. Die sagenhaften Eigenschaften dieser Frau sind zu dämlich um sie zu erwähnen - was sich eben so Männer ausdenken, die auf Steine starren.
Ich nehme Kontakt zu Hüttenfamilie auf, es wird ein lustiger Abend, ich schaffe nur bei ein paar Schnäpsen nicht, sie abzulehnen. Es verbinden uns pädagogische Themen und der abwesende Mostarer Freund Teo, den sie als Sänger aus ihrem Hauptwohnsitz Ljubljana kennen und wir singen "Slavenska" von Balasević, den Text hab ich natürlich dabei 😉.
Warum ich über Hitlerwitze aber nicht über Judenwitze lache, ist auf englisch nicht soo einfach artizukulieren, aber muss sein. (ja, das Wort gibt es, frag Die Ärzte)
Dass ich mich wegen hoher technischer Anforderung, unpassender Trackingsandalen und überraschender Schneefelder (die nicht ungefährlich sind) überfordere, wird in den Fotos vllt. deutlich, auf jeden Fall hab ich noch 2 Tage schlimm Muskelkater.
Kennst du das? Plötzlich schlägt das Gefühl von "toll, wie abenteuerlich" um in ein "scheiße, Hauptsache wieder ankommen".
Erholung finde ich 1200m tiefer auf einem überaus schnuckeligen Naturcampingplatz, der mit viel Liebe gestaltet ist. Die Passabfahrt vorher war wenig geil, aufgrund schlechten Belages, aber zur nächsten Saison sind die Bauarbeiten durch.
Kranjska Gora ist ein hübscher Ort mit übersichtlichen Skiliften, See und stets die Julischen Alpen vor Augen.
Adijo Slovenija!Read more
16 Avstrija - Pässe Schönberg&Obertauern
June 13, 2025 in Austria ⋅ ☀️ 21 °C
Meine Strecke durch Österreich ist Villach-Spittal-Gmüd-
Innerkrems-Schönfeld-Lungau-Obertauern-Radstadt-Hüttau-
Werfen und an der Salzach bis Salzburg.
Mein Motto "Reite den Balkan" ist damit eigentlich abgeschlossen, das Ziel von Tirana nach Haus zu radeln nicht.
Froh bin ich, den Wurzenpass von slowenischen Seite zu fahren, denn nach Grenzübertritt zu Österreich gibt es Passagen bis 20% Gefälle, das hätte ich schieben müssen. Dafür muss ich nun mehrfach die Scheibenbremsen abkühlen lassen, die bei Überhitzung recht plötzlich an Bremskraft verlieren - nicht witzig.
Auf Nachfrage noch ein kleiner Exkurs:
Seit Jahren lag dieses Reise-Photovoltaik in dr Schublade, es verstrahlt dieses Gefühl der Freiheit, vom autarkem Überleben in der Wildniss - blabla. Hier allerdings ist es super, denn die 24.000mAh- Powerbank braucht an der Steckdose fast solange, wie unter der Sonne für 100%. Und ich habe keine Lust im Restaurant abzuhängen, nur weil ich Strom brauche. Es ist ja nicht nur das hungrige Mobilphone... Rasierapparat, Fahrradlampen, Thermomix, Radcomputer. Letzterer braucht nur alle 4 Tage aufgeladen werden, ich bin mit der basalen Navifunktion sowie dem GPS und dem physischen Höhenmesser sehr zufrieden, ziehe die Tracks per Bluetooth drauf und brauche nur selten während der Fahrt im Phone auf die genaue Karte schauen, vor allem das Phone nicht die ganze am Lenker montiert haben, das wäre bei Graveln oder Regen suboptimal.
Vllt. sollte ich Blogs mit Produktplazierungen verfassen statt als Lehrkraft wieder einzusteigen?Read more
17 Eishöhle & Salzburg
June 17, 2025 in Austria ⋅ ⛅ 23 °C
Nachdem ich genau den einen Regentag am Pass Obertauern erwischt hatte, bietet sich ein Besuch der "Eisriesenwelt" an, um fast nochmal auf die Höhe (1750m) zu kommen mit entsprechend schöner Aussicht.
Kurz nach Erreichen des Salzach-Tals biege ich in Werfen ab und parke taktisch so, dass ich den supersteilen Anstieg trampen kann. Das klappt auf Anhieb und zack bin ich 500m höher. Zur Höhle muss man noch 2x20min. laufen, dazwischen Seilbahn und es belohnt die weltgrößte, 45km lange Eishöhle (davon 1,5km erschlossen), entstanden vor 6-7 Mio Jahren.
Logisch, es ist drinnen um den Gefrierpunkt, das Eis ist bis 125m dick, die Wände bis zu 70° steil und man muss 1450 Stufen laufen.
Die bizarren Eisformationen entstehen durch die Höhen- und Temperaturunterschiede in den Gängen, die Luftbewegung bis 80km/h hervorrufen, inzwischen regulierbar durch einen künstlichen Verschluss zu Besuchszeiten.
Soooviele Höhlen im letzten Jahr, aber die war wirklich wieder was Besonderes!
In der englischsprachigen Führung (besser verständlich als Österreichisch!) wurden noch freie Plätze ausgerufen. Der Vater einer türkischstämmigen Familie ruft zurück: "yes please, in english passt scho" - sehr cool!
Für Fahrräder soll kaum Platz sein im engen Tal Richtung Salzburg, das wird später besser, nervt aber ein paar Stunden - zuviel Sinneseindrücke. Inzwischen bin ich ja schon ausgelastet, wenn ich die Wasserbewegungen im Bach, die Sterne zwischen den Baumwipfeln oder Fische im See beobachten kann.
Auch die vorbeiziehende Landschaft vom Rad aus ist genug, aber wenn dann auf der Zeltwiese Gollingen eine sächsische Altherrengruppe mit e-Bikes mein Zelt umzingelt, bekomme ich Panik vor meinen eigenen Vorurteilen. Dann berufe ich mich auf das Kärtchen, das mir 2 Kolleginnen damals zum Schulende mitgegeben haben: "Ich nehme wahr was ist ohne zu urteilen".
Und siehe da, nette Leute und sächsisch klingt nicht schlimmer als österreichisch und schnarchen können sie leise. Respekt, mehrwöchige Tour mit 65+. Aber muss es denn sein, dass es für diese Menschen aus dem 'Land der Frühaufsteher' tatsächlich um 7 Uhr losgeht? ("nuja, bei uns im Osten geht halt die Sonne uff").
Also komme ich auch mal richtig früh in den Sattel und habe Zeit für Salzburg, das ich an dieser Stelle nicht weiter touristisch beschreibe. Gefällt mir zwischen Kleinstadtflair und großen Geschichtsgesten.Read more
18 Njemačka / München
June 18, 2025 in Germany ⋅ ☁️ 24 °C
Statt Njemačka sagen die Balkanesen zu allen Deutschen auch gern Švabo, also Schwabe, auch zu Bayern! Das Berchtesgardener Land hinter dem putzigen Grenzübertritt Freilassing begrüßt mit schweinehaltunggeschwängerter Luft, das rückt die Ästhetik der Landschaft in den Hintergrund.
Baden im Fluss Alz bei Truchtlaching ist wunderbar, jeden Tag werde ich nun mindestens zwei Badestopps in Flüssen und Seen einlegen, in der Mittagsglut abhängen und dafür bis in den späten Abend radeln. Kurz vor der Sommersonnenwende ist freies Campieren, auch mal ohne Zelt, erst zur Dämmerung ab halb zehn sinnvoll.
Beradelt und bebadet hab ich nun Isar, Lech und Inn, sie fließen nach der Donau hin - und die kommt übermorgen dran.Read more
19 Wertingen/Frankfurt und Ende
June 22, 2025 in Germany ⋅ ☀️ 33 °C
Meine zweimonatige Radreise ist zu Ende nach 7 Ländern, 3650km, 55 Radeltagen und 45.000 Höhenmetern (inkl. Wanderungen).
Noch niemals war ich in meinem Leben so intensiv auf mich allein gestellt, keine Freunde, Familie, höchst selten Menschen aus der Kultur, die Heimat prägt. Nach den 9 Monaten in Afrika und Asien frage ich mich jedoch, was genau das ausmacht. Mal schauen, wie lange dieser körperliche und geistige Zustand anhält und was ich zum Erhalt beisteuen kann.
Die neunmonatige Reise haben Annette und ich hier dokumentiert:
https://findpenguins.com/6wymzaeodiwyn/trip/669…
Vielleicht ist Alleinsein (-Können) ein Schlüssel zum Glücklichsein, ich habe es, natürlich nicht immer, als einen Zustand empfunden, von dem alles möglich scheint.
Auch die Reduktion auf das absolut Notwendige hilft, das viele Hab und Gut im normalen Leben neu zu betrachten. Mangel macht erfinderisch, in vielen Situationen war Improvisation gefragt.
Achtsamkeit muss ich nicht aktiv üben sondern annehmen, sie kommt mir zugeflogen, viele alltägliche Tätigkeiten werden zu Ritualen und das Radfahren lässt großen Raum zum Nachdenken und Nichtdenken.
Zuhause wartet ein Zimmer mit gemachtem Bett 🥰, Jule und Helen sind in der Auszugsphase, die anderen Mitbewohnis sind schon weg.
Von Frankfurt musste ich Zugfahren (von München nach Hannover ist es exakt die Hälfte), damit ich an Proben und Entlassungsfeier meiner 25jährigen Kollegin Angelika teilhaben kann. Es ist aber auch genug auf dem Sattel! Einmal volles Brett Birkenhof Bildungszentrum vor den Ferien war gar nicht geplant, aber das Wiedersehen ist schön, vor allem mit der Aussicht in die Sommerpause zu gehen.
Spontan buche ich nach perfekter Beratung 4 Nächte Weltbeat in Rudolstadt, das gehört in diesen Bericht schon nicht mehr hin, ABER:
Nachdem sich bereits ein Kreis bei der Ankunft im April schloss (Harris aus Blantyre begrüßte uns in Hannover!!) startet das Festival mit viel Musik aus Mali, bei der, wie in Malawi, die 12/8 Rhythmen zelebriert werden und endet mit 'Dubioza Kollektiv' aus Mostar und verschiedenen Balkanländern, also alles auf meiner Route! Ich quatsche kurz mit Teilen der Band, Oha ist bei dieser Tour jedoch nicht dabei, siehe Footprint "Mostar", wir lachen über die gemeinsamen Fotos.
Und nun zur letzten Radetappe, auf der beide Pannen des gesamten Trips passieren!
Bei Fürstenfelsbruck finde ich das Pucher Meer, das sich als Badeteich entpuppt, immerhin mit FKK-Ufer. Von dort geht es westlich Richtung Augsburg, der Weitmannsee an der Lech bietet jeneits des Naturschtzgebietes abgemähte Wiesen, prima für die Nacht.
Die große Schwester meiner Mutter lebt in Wertingen bei Augsburg, also direkt zwischen München und Frankfurt. Schön sich zu treffen bei Döner und Eisbecher, alte und neue Geschichten zu hören und von Verschwörungspraxis zur Theorie zu kommen. Ein paar Stunden später geht's über die Donau, der Wind bläst kräftig entgegen.
Ein ruhiges Waldstück (keine Forst) nimmt mich auf, mit der Freikampier-Routine ist die Gewissheit, dass nichts und niemand im Wald gefährlich ist nicht nur im Kopf, sondern auch im Bauch angekommen.
Im nächsten Flecken frage ich nach einem Bäcker, "es gibt einen Wagen" ist die Antwort. Während ich noch denke die Antwort wäre also 'nein' gewesen und dass im Balkan ab zwei Häusern jeder dem anderen irgendwas verkauft (wieso hier denn nicht?) schrillt mich eine Klingel aus den bösen Gedanken - es ist der Backwarenwagen. 😊
Die Landschaft bei Schrattenhofen verstehe ich nur mit Hintergrundwissen. Ich wundere mich, warum die Straße plötzlich mit 150 Höhenmetern steil bergan geht, aber sonst ohne Erhebungen ist: Hier raste mit 20.000km/s ein Meteorit mit 30.000°C herab, erzeugte einen Krater von 300km (!) Durchmesser und der Glutauswurf bildet den Kraterrand über den ich strampele.
Oben reißt mir eine Speiche, ich muss noch 20km zum Reparateur schaffen, es gelingt im 2. Anlauf inklusive gratis Radfachwissen sowie AFD-Sprüche. 😬
Nach Rothenburg ob der Tauber wird der Radweg am Fluss besonders schön und ab
Biberrehren verbindet die alte Trasse der Gaubahnsttecke das Tauber- mit dem Maintal. Rüben, Getreide und Arbeiter*innen nahm die Dampfbahn zwischen 1907 und 1992 auf. Die Erträge des fruchtbaren Ochsenfurter Gau's, also der wichtigsten Kornkammer Unterfrankens, wurden 85 Jahre verteilt und bietet nun schon seit 30 Jahren einen tollen Radweg, der mich an den Main führt. So schlafe ich nachts im Waldbett und fahre tagsüber auf dem Gleisbett. Wer jetzt denkt, ich könnte einfach dem Main bis Frankfurt folgen, werfe einen Blick auf die Karte!
Bis Würzburg passt's, nette Leute beim Ruderclub, Schwimmen im Fluss, wenn nicht gerade ein Hotel vorbeschifft - krasser Scheiß.
Nun aber hurtig nach Frankfurt, zum ersten mal will ich auf Termin irgendwo ankommen, mir wird bewusst, wie unglaublich frei ich die Wochen unterwegs war. Nie wusste ich morgens, wo ich abends ankommen werde.
Katrins 50ster Geburstag ist rundum superschön, Menschen (logo!), Location, Speis&Trank und gemeinsames Musizieren mit Anne und Team. Da bleibe ich doch gleich 3 Tage! 🥰
Bei 30° trifft sich hier die Welt-Ironmen-Szene am Sonntag, alles gesperrt und viele Scherben. Den Reifen bekomme ich nicht geflickt und so muss ich auf der Felge den Mantel ruinieren Dank Zugbindung. Ich freue mich verschwitzt, dass es knapp gepasst hat.
In den Hainhäuser Weg geht es also sehr entschleunigt-achtsam schiebend.
Noch ein paar mal schlafen, dann sehe ich meine große Liebe wieder, natürlich zur Silberhochzeit! Annette vermisse ich im Kontext 'zu Hause' viel mehr, als 'unterwegs' - ganz aufgeregt werde ich sein, wenn wir uns wieder haben. 😍Read more

TravelerLieber Moritz, es war wunderbar, dass Du am Ende dieser Reise bei uns eingekehrt bist und nach all den Wochen freien Reisens Teil der Fest- WG warst! Es war ein großer Spaß, mit Dir mal wieder auf einer Klavierbank zu sitzen und zu singen! Danke fürs Teilhabenlassen an der tollen Reise und die schönen Gespräche mit Zeit in Frankfurt! Kommt gut gemeinsam wieder in Krähenwinkel an und genießt das Wiedersehen und die Vorfreude darauf nach 25 Jahren Ehe🍾❤️🥂! herzliche Grüße A
































































































































































































































































































































































